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Kinoplakat: Rampage
Ein wütender Autor bekommt
seinen Zorn nicht in den Griff
Titel Rampage
(Rampage)
Drehbuch Uwe Boll
Regie Uwe Boll, Kanada, Deutschland 2009
Darsteller
Brendan Fletcher, Shaun Sipos, Michael Paré, Matt Frewer, Lynda Boyd, Robert Clarke, Malcolm Stewart, Steffen Mennekes, Katey Grace, Laurie Brunetti, Mark Brandon, Julie Patzwald, Katharine Isabelle, Colette Perry, Michaela Mann u.a.
Genre Action
Filmlänge 85 Minuten
Deutschlandstart
29. April 2010
Inhalt

Bill Williamson hat mit Anfang 20 die Schnauze voll. Er ist genervt von seinem aussichtslosen Job, seinen unerträglichen Mitmenschen sowie von Überbevölkerung, Umweltzerstörung und der Konsumgesellschaft.

Doch er verfolgt einen grausamen Plan, der ein besonders blutiges Zeichen setzen und ihm ein besseres Leben liefern soll. Mit einer selbst konstruierten Kevlar-Rüstung und bis an die Zähne bewaffnet startet er eine Tötungsorgie und läuft in einer Kleinstadt Amok …

Was zu sagen wäre

Uwe Boll ist ein interessanter Typ. Allein schon, weil er seinen eigenen Dickschädel hat, mit dem er immer durch die Wand geht. Was ihm nicht gegeben ist, und das ist vielleicht tatsächlich ein verlust für das europäische Kino, ist Diplomatie. Er hat es sich mit vielen verscherzt, die nützlich sind für einen, der Film in Eigenregie betreibt – Kritikern, etablierten Studios. Aber Boll will mit diesen Leuten nicht; er mag keine Kompromisse. Da sucht er lieber länger nach dem nötigen Geld, um seine Stoffe so umzusetzen, wie allein er das für richtig hält („Far Cry“ – 2008; Postal – 2007; „Schwerter des Königs – Dungeon Siege“ – 2007; „Seed“ – 2006; „Alone in the Dark“ – 2005). Dabei kommt natürlich nicht genug zusammen, um einen Actionfilm auf Stirb Langsam-Niveau zu drehen, am Ende aber ein Film heraus, der sich gut in allerlei osteuropäische Länder verkaufen lässt, auf dass Boll das Geld für seine Produktionen meist wieder rein holt. Er wird dabei nicht reich, aber er bleibt unabhängig und kann die Sorte Film machen, die er mag – wenn auch, wie gesagt, nicht auf dem Niveau, auf dem er das er wahrscheinlich gerne möchte – und ungefiltert seinen Zorn in die Welt schreien.

Sein „Rampage“ hat den Ansatz zu einem Film, der bewegt. Aber über ein Teenager-ist-genervt-von-Zwängen-und-Forderungen-der-Gesellschaft geht das dann nicht hinaus. Klar: Die meisten finden es ätzend, arbeiten gehen zu müssen, Geld zum eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, das kostenlose Kinderzimmer im Elternhaus mit zwei warmen Mahlzeiten pro Tag verlassen zu müssen, und dass der Typ im Coffeeshop nicht mal in der Lage ist, einen ordentlichen Macchiato für vierdollarfünfzig zu zapfen, mit extra viel Schaum, während man selbst dauernd perfekt funktionieren soll, ist natürlich ätzend. Wenn man dann noch im Radio all die Horrornachrichten über Krieg, über chemische Verseuchung und Typen hört, die sich auf Kosten anderer bereichert haben, hey, warum dann nicht alle erschießen und selber abkassieren.

DVD-Cover: RampageSo ungefähr muss sich Bill Williamson das wohl denken. Erklärt bekommen wir das nicht, aber seine Eltern fordern deutlich, und das Radio sendet aufdringlich ununterbrochen Nachrichten über Selbstbediener. Woher Bill all die Waffen hat, mit denen er seinen Amok startet, bleibt unklar – sie sind einfach da; anders, als seine Kevlarrüstung, die zumindest ansatzweise so erklärt wird, dass er ein Paint-Ball-Spieler ist mit, naja, eben HighClass-Ausrüstung. Die kalte Wut, die der Amokläufer anschließend entfesselt, hat etwas Befreiendes – Scheiß Drauf!!! Weniger die Explosionen machen den Schrecken. Aber wenn er zum Gewehr greift und gezielt Fliehende in den Rücken schießt, hebt uns Wohlstandsbürger das dann doch aus dem Kinosessel – wir fühlen uns unwohl und fragen uns Warum? Wie würden wir ..? Ist das noch tragbar? Aber diese Momente bleiben Versatzstücke, Klötzchen, die nirgendwo hinpassen.

Was das Script nicht hergibt, macht Boll mit irrlichternder Kamera wett und einer Montage, die jeder Beschreibung spottet. Oliver Stone hat so Filme gedreht – Anfang der 1990er Jahre; auch er ein zorniger Mann des Kinos, aber im entscheidenden Moment dann wohl doch diplomatisch versierter und künstlerisch zwingender. Bei Uwe Boll wirkt diese unrythmisch geschnittene Wackelkamera wie reine Attitüde, wie der verzweifelte Versuch, den Film irgendwie schnell zu machen. Für Zwischentöne ist da kein Platz.

Es braucht schon ein paar geschickte Kniffe, um aus dem 08/15-Geballer einen Actionfilm mit psychologischem Tiefgang zu machen; aber die lässt Boll alle liegen. Ein, zwei Szenen würden reichen, in denen wir sehen, dass sich Bill wirklich bemüht, sein Leben in die Hand zu nehmen. Aber Bill ist lieber von Beginn an ein zorniger Mann, der sich nichts mehr gefallen lässt. Ein verwöhnter Wohlstandszwerg, dem die ganze Richtung nicht passt. Sympathie kommt da nicht auf, der Racheplot ist schnell langweilig, weil der Typ herzlich egal ist. Anders als der Typ auf dem Regiestuhl. Den würde ich gerne mal mit ordentlich Studiopower im Rücken erleben.

Uwe Boll würde einigen der gefeierten deutschen Jungfilmer in Hollywood – Robert Schwendtke („Flightplan – Ohne jede Spur“ – 2005) oder Marc Forster (James Bond 007 – Ein Quantum Trost – 2008; Monster's Ball – 2001) – das Wasser reichen (wenn das durch die wacklige Kamera nicht verschüttet wird).

Wertung: 2 von 8 €uro
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