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Kinoplakat: Under the Skin – Tödliche Verführung

Bedeutungsvoll überladen,
dramaturgisch einfalls-arm

Titel Under the Skin – Tödliche Verführung
(Under the Skin)
Drehbuch Walter Campbell + Jonathan Glazer
Regie Jonathan Glazer, UK, USA Schweiz 2013
Darsteller Scarlett Johansson, Jeremy McWilliams, Lynsey Taylor Mackay, Dougie McConnell, Kevin McAlinden, D. Meade, Andrew Gorman, Joe Szula, Krystof Hádek, Roy Armstrong, Alison Chand, Ben Mills, Oscar Mills, Lee Fanning, Paul Brannigan u.a.
Genre Drama, Science-Fiction
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
10. Oktober 2014
Inhalt

Eine außerirdische Lebensform kommt auf die Erde und nimmt das Aussehen einer jungen, verführerischen Frau an; sie nennt sich Laura.

Das geheimnisvolle Alien fährt mit einem Lieferwagen quer durch die schottischen Highlands und Städe, wo sie einsamen Männern auf Parkplätzen, in schmierigen Bars und dunklen Seitenstraßen auflauert, diese verführt und anschließend ermordet. Wenn die Herren realisieren, wie ihnen geschieht, ist es bereits zu spät. Allerdings kommen auch dem Alien in Gestalt der kühlen Schönheit irgendwann Zweifel an seinem Tun …

Was zu sagen wäre

Jonathan Glazer inszeniert, als hätte es die vergangenen vierzig Jahre Kino nicht gegeben – betulich. Er verwechselt Langsamkeit mit Deutungsschwere. Sein als Vampir-Metapher schwülstender Film ist die Mär vom schwerblütigen Vollweib, das mordend durch nasskalte Landschaften streift, die Männer meuchelnd, die allein sind, die von der Evolution Aussortierten. Und Scarlett Johansson ist dieses Vollweib.

Unter Glazers Regie gerinnt Scarlett Johanssons Laura zur Pose, so leer, wie die Haut, die sie zwischendrin mal abstreift. In diesem Tempo haben Sci-Fi-Regisseure in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern im 20. Jahrhundert inszeniert; George Lucas hat seinen THX 1138 (1971) ähnlich slow motion erzählt. Das war vor Star Wars. Und Lucas hatte bei seinem ganz in weiß gehaltenen THX einen Plan. Jonathan Glazer hatte keinen Plan.

Kinoplakat: Under the SkinÜber eine Stunde tut sich rein gar nichts. Superstar Scarlett Johansson (Don Jon – 2013; Hitchcock – 2012; The Avengers – 2012; Wir kaufen einen Zoo – 2011; Vicky Cristina Barcelona – 2008; Nanny Diaries – 2007; Match Point – 2005; Lost in Translation – 2003; Ghost World – 2001; Der Pferdeflüsterer – 1998) fährt mit Schwarzhaarperücke im Lieferwagen durchs morbide schottische Hochmoor – nebelverhangen die blauen Berge, knorrig karg die Menschen. Mit entzückendem britischen Akzent schleppt sie die Alleinstehenden ab und … bunkert … sie hinter ihrem Haus. Keine Entwicklung. Mehr als eine Stunde lang ansprechen, abschleppen, bunkern; und die Renaissance der Erkenntnis, dass begehrenswerte Vollweiber bis auf Weiteres jene männermordende Dicklippen bleiben, zu denen Jungregisseure solche Frauen schon seit Jahrzehnten machen.

Und dann bekommt die Fremde (die sie uns immer noch ist, obwohl wir sie mehrfach nackt gesehen haben) ein schlechtes Gewissen – und wird menschlich. Und wird menschlich?? Ja, so meint das wohl der Regisseur, wenn er das Mädchen plötzlich Sex haben lässt mit einem der Ausgestoßenen, der ebenso unerklärt nach Mitleidsex aussieht. Warum, wieso, weshalb? Keine Antwort, aber irgendwann rennt die Namenlose durch den Wald, verfolgt von einem Waldhüter. Minutenlang lässt Glazer seine Einstellungen stehen, die austauschbar sind, bläst einen Donnerhall an Bedeutung gegen jede Blumenvase, nur weil er nicht schneiden will; selbst das Löffeln einer Torte verrinnt hier zu minutenlangem Innehalten. Verzweifelt will sich „Under the Skin“ auf eine Ebene mit – wenigstens – Kubricks 2001 (1968) heben. Aber wo dort Schönheit, Poesie und Rätsel die Bilder beherrschen, herrschen hier Affekt, Pose und Alltag.

Dass die Fremde Laura heißt, weiß ich aus Pressetexten. Dass sie von einem Planeten kommt, für den Menschenfleisch eines der am meisten begehrten Nahrungsmittel ist … habe ich in einer Filmkritik gelesen; woher deren Autor das weiß, weiß ich nicht. Der Film jedenfalls lässt Motivation und Entwicklung einfach offen. Möglicherweise hält Jonathan Glazer („Birth“ – 2004; „Sexy Beast“ – 2000) das für einen Kunstgriff – verwechselt leere Bilder mit Bedeutung.

Wertung: 3 von 8 €uro
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