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Kinoplakat: Unbreakable - Unzerbrechlich

Die Helden sind unter uns!
Shyamalans zweiter Streich

Titel Unbreakable – Unzerbrechlich
(Unbreakable)
Drehbuch M. Night Shyamalan
Regie M. Night Shyamalan, USA 2000
Darsteller Bruce Willis, Samuel L. Jackson, Robin Wright Penn, Spencer Treat Clark, Joey Perillo, Charlayne Woodard, Eamonn Walker, Leslie Stefanson, Johnny Hiram Jamison, Michaelia Carroll, Bostin Christopher, Elizabeth Lawrence, Davis Duffield, Laura Regan, Chance Kelly, Michael Kelly u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
28. Dezember 2000
Inhalt

Ein verheerendes Zugunglück vor den Toren Philadelphias. 131 Tote. Nur ein Mann überlebt. Unverletzt. Kein Kratzer, keine Beule, keine Schramme. Hatte David Dunn nur Glück? Oder gibt es einen tieferen Grund für sein Überleben? Ist er womöglich gar der unüberwindbare Held, für den ihn sein Sohn Joseph hält?

David Dunn hat keine Antworten auf solche Fragen. Aber Elijah Price hat sie – oder behauptet, si zu haben. Ein Mann, der an Osteogenesis Imperfecta leidet – Glasknochen. Bislang zählt seine Krankengeschichte 54 Knochenbrüche.

Elijah hatte viel Zeit zum Lesen, während er in diversen Krankenhäusern seine Brüche kurieren ließ. Meistens las er Comics, Geschichten von Helden und Schurken, jenen klassischen Kämpfen zwischen Gut und Böse, Kraft und Schwäche. Heute besitzt er eine Galerie, die hochwertige Originalzeichnungen klassischer Comics verkauft.

Elijah ist überzeugt, dass, wenn es einen wie ihn gibt, dann müsse es auch das Gegenteil geben: Einen Menschen, der „unzerbrechlich” ist. Elijah ist überzeugt, diesen Menschen in David Dunn gefunden zu haben …

Was zu sagen wäre

Die Katastrophe sickert nur langsam ins Bewusstsein der Zuschauer. Gerade noch hat Bruce Willis im Zug seinen Ehering abgestreift und versucht, mit der attraktiven Sitznachbarin ins Gespräch zu kommen, die bald freundlich lächelnd das Weite sucht, da rumpelt der Zu, Willis guckt verstört. Der Film schneidet auf einen Jungen, der Fernsehen schaut. Dort berichten die Nachrichten live von einem Zugunglück vor der Stadt.

Dann sehen wir Bruce Willis in einem Krankenhaus aufwachen, ein Arzt wundert sich, dass er keinen gebrochenen Knochen, keine Schramme, nichts abbekommen habe. Willis verlässt verwundert taumelnd sein Krankenlager und trifft in der Wartehalle des Krankenhauses auf zahllose Menschen, die ihn komisch anschauen – alles Angehörige, die Menschen im Zug verloren habe; langsam nimmt die Katastrophe ihre wahre Dimension zur Kenntnis. Ein Junge läuft auf Willis zu, es ist der Junge, der eben noch vor dem Fernseher gesessen hat. Und eine Frau kommt. Der Junge legt die Händer der beiden ineinander, die sich aber sogleich wieder loslassen.

Schon das Intro zu diesem Film ist ein Kunstwerk. Da reißt M. Night Shyamalan alles an (The Sixth Sense – 1999), was wichtig wird. Willis ist ein blöder Fremdgeher. Seine ehe ist längst erkaltet, er kam im Zug aus New York, wo er ein Vorstellungsgespräch hatte, er will seine Familie verlassen. Aber da ist noch dieses andere: der einzige Überlebende des Zugunglücks zu sein. In einer Art Vorspann hat der film die Geburt eines Jungen gezeigt, über den der Arzt sich wundert, dass der so viele Knochenbrüche hat.

Shyamalan erzählt aus einer Welt der Duopole. Wo ein Licht ist, ist ein Schatten. Wo ein Ying, da auch ein Yang. Wo einer mit hoch zerbrechlichen Glasknochen, da auch einer, der unzerbrechlich ist. Und wenn der eine sich auf die dunkle Seite begibt, begibt sich der andere automatisch auf die helle. Geradezu arrogant plump weht Shyamalan diesen gedanken immer wieder ein in seinen Film, indem er seine Charaktere über Superheldencomics reden lässt, in denen das Duopol zur Grundausstattung gehört: Spider-Mans härtester Gegner war der Symbiont im schwarzen Spider-Kostüm, der „schwarze Spider-Man“.

Bruce Willis spielt den ehemaligen College-Footballstar, der seinem Sport der Liebe wegen den Laufpass gegeben hat. Seine Freundin, eine Physiotherapeutin, wollte keinen Footballspieler zum Freund, dessen aggressiver Sport in allem das Gegenteil dessen ist, was sie tut; auch ein Duopol. Der junge täuschte nach einem Autounfall eine Verletzung vor, die ihn hindere, weiter Football zu spielen. Aber die Beziehung wurde nicht glücklich, er ist ununterbrochen traurig, irgendwas fehlt. Erst, als ihm seine Bestimmung bewusst wird, ändert sich das. Ein Mann ohne Bestimmung ist kein Mann, könnte man sagen. Als er das erste Mal seine Kräfte ausprobiert und Leben gerettet hat, klappt es auch wieder mit der Libido.

Shyamalan erzählt das 100 Minuten lang in ruhigen, unterkühlten Bildern; auf einem Nebengleis erzählt er noch von den Depressionen des orientierungslosen Jungen, der die Ehe seiner Eltern nicht kitten kann, aber so gerne einen Helden als Vater hätte – Sohn/Vater, wieder ein Duopol.

Das gegenstück dieses unzerbrechlichen David Dunn ist der Mann im lilafarbenen Anzug, ein Galerist, der sich auf Comiczeichnungen spezialisert hat und zu Beginn einen Kunden aus der Galerie wirft, der eines der Kunstwerke für seinen vierjährigen Sohn kaufen will. Für solche Kunden hat der verbitterte Elijah Price keinen Platz in seiner Galerie. Er ist das Baby mit den Glasknochen aus der Eingangssequenz. Er ist ein Suchender. Er fragt sich: Wenn es so einen wie mich gibt. Muss es dann nicht auch – wie in seinen Comiczeichnungen – sein Gegenstück geben. Dieser verzweifelten Frage folgt er bis in die ultimative Konsequenz. Dass Willis und Samuel L. Jackson ein gutes Gespann sind, haben sie schon in Stirb Langsam - Jetzt erst Recht (1995) bewiesen.

„Unbreakable“ ist ein Mysterythriller, der mit eleganten Bildern und guten Schauspielern eine Spannung aufbaut, die den Film in glaubhaftes Licht taucht. Natürlich sitzt man eine Stunde nach dem Abspann in der Kneipe und rekapituliert, ob denn diese Duopol-Geschichte wirklich so toll ist. Ist sie! Weil sie über die Laufzeit des Films den Film trägt und zu einem bösen Höhepunkt führt.

Die Katastrophe sickert nur langsam ins Bewusstsein des Zuschauers. Gerade noch folgt er den Szenen einer kaputten Ehe, den wirren Ideen eines Galeristen, der Sinnsuche eines Securitymannes und einer aus Comicheften entliehenen Motiven gestrickten Idee, da schält sich Scheibe um Scheibe eine andere Wahrscheinlichkeit in sein Hirn. Es ist eine dauernde Suche im Kinosessel, erleichtert durch die gute Inszenierung des Dramas. Wieder sind es die letzten Minuten, die Shyamalans Film abrunden.

Wertung: 10 von 11 D-Mark
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