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Plakatmotiv: Der Verwegene (1967)

Episch angelegter Western
über Gesellschaft im Wandel

Titel Der Verwegene
(Will Penny)
Drehbuch Tom Gries
Regie Tom Gries, USA 1967
Darsteller Charlton Heston, Joan Hackett, Donald Pleasence, Lee Majors, Bruce Dern, Ben Johnson, Slim Pickens, Clifton James, Anthony Zerbe, Roy Jenson, G.D. Spradlin, Quentin Dean, William Schallert, Lydia Clarke, Robert Luster u.a.
Genre Western
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
9. April 1968
Inhalt

Will Penny ist ein in die Jahre gekommener Cowboy, der nach Abschluss eines Viehtrecks mit der zwielichtigen Familie Quint aneinandergerät. Wegen einer lang zurückliegenden Auseinandersetzung um einen Elch, die Tote gefordert hat, nehmen die Quints ihn in die Mangel, als er gerade als Grenzreiter auf der Flat-Iron-Ranch angeheuert hat – in der einsamen Gegend soll er die Grenzen der Ranch sichern. Hier fallen die Gesetzlosen über ihn her und lassen ihn sterbend zurück.

Plakatmotiv (US): Will Penny – Der Verwegene (1967)Will steht kurz vor dem Tod, da rettet ihn Catherine, die gemeinsam mit ihrem Sohn nach Westen fährt zu ihrem Ehemann, dabei aber in einer Hütte überwintern will, die zum Bereich der Flat-Iron-Ranch gehört. Catherine pflegt ihn gesund. Im Gegenzug lässt er die beiden in der Hütte überwintern.

Im Laufe der Zeit beginnt der Cowboy väterliche Gefühle für den jungen Horace zu entwickeln, auch Catherine und er kommen sich näher und die drei leben wie eine Familie zusammen. Als sie zusammen Weihnachten feiern, werden sie plötzlich von den Quints überfallen, die sich häuslich einrichten wollen. Sie zwingen Will für sie zu arbeiten, damit Catherine und ihr Sohn nicht zu schaden kommen …

Was zu sagen wäre

Die Glückseligkeit des How the West was won ist im Western offenbar auserzählt. Während in Europa Sergio Leone das Image der harten Frontier-Männer demaskiert und Feiglinge, Sadisten und Namenlose übriglässt, die Für eine Hand voll Dollar jeden Job übernehmen, beginnt im US-Western der harte Alltag gesellschaftlicher Veränderungen.

Die Cowboys, jene Männer mit Hut auf einem Pferd, die lange als Pioniere galten, die der Zivilgesellschaft neues Weideland erschließen, werden weggespült von eben jener Zivilgesellschaft, für die sie gerade noch gut sind, gegen Hungerlohn ihr Vieh zu treiben: „Und wir Viehtreiber reiten uns dabei zu Schanden.“ „Ja, aber das ist immer noch besser, als hinterm Pflug herzulaufen.

Plakatmotiv (US): Will Penny – Der Verwegene (1967)Der Pflug als Sinnbild für die eigene Farm, die dem Cowboy die Freiheit der Prairie nimmt. Die Gesellschaft wird sesshaft, der Cowboy überflüssig. Tom Gries inszeniert episch angelegten Western ohne Effekthascherei. Realitätsnah, detailgetreu und psychologisch genau schildert er den Alltag des schäbigen Viehtreiberlebens frei von Romantik.

Einer wie Will Penny, der das Pech hatte, nicht jung zu sterben, wird von Viehtreibern wegen seines Alters verhöhnt, findet in der zersiedelten Welt kaum noch Jobs, weil die Farmer ihre fest angestellten Cowboys haben. Und jetzt erlebt er das Leben eines Familienvaters. Charlton Heston (El Cid – 1961; Ben Hur – 1959; Weites Land – 1958; „Im Zeichen des Bösen“ – 1958; Die zehn Gebote – 1956; Am fernen Horizont – 1955) spielt diesen Good American mit dem Herz am edlen Fleck mit souveräner Professionalität; dieser Will Penny ist angelegt wie eine jener Cinemascope-Ikonen, die Heston so vorzüglich darstellt, aber in den Szenen, in denen Gefühl und Zärtlichkeit gefordert wäre, bleibt sein Spiel von grobem Strich.

Wer in diesem rauen Leben keine Arbeit findet, oder wer leben will, ohne den harten Alltag des Viehtreibers wählen zu müssen, wurde Outlaw, Gesetzloser. Einen von der ganz brutalen Sorte spielt Donald Pleasence (James Bond 007 – Man lebt nur zweimal – 1967; Die phantastische Reise – 1966; Gesprengte Ketten – 1963). Hier nennt er sich Prediger Quint und besticht durch ausgesuchten Sadismus. Er gibt dem manchmal durchhängenden Western-Drama die nötige Würze.

Wertung: 4 von 8 D-Mark
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