Kinoplakat: Tötet Mrs. Tingle
Zu böse für die Welt?
Titel Tötet Mrs. Tingle
(Teaching Mrs. Tingle)
Drehbuch Kevin Williamson
Regie Kevin Williamson, USA 1999
Darsteller

Helen Mirren, Katie Holmes, Jeffrey Tambor, Barry Watson, Marisa Coughlan, Liz Stauber, Michael McKean, Molly Ringwald, Vivica A. Fox, John Patrick White, Robert Gant, Harvey Silver u.a.

Genre Thriller, Komödie
Filmlänge 96 Minuten
Deutschlandstart
11. November 1999
Inhalt

Leigh Ann Watson träumt von einem College-Stipendium, das ihr dazu verhelfen soll, dem Kleinstadtmief zu entkommen. Um es zu erhalten, fehlt Leigh Ann lediglich noch eine Eins in Geschichte. Allerdings gibt es ein Problem: Mrs. Tingle, die Geschichtslehrerin.

Mrs. Tingle ist streng, unbeliebt und unnachgiebig. Geradezu inbrünstig hasst sie Leigh Ann, das fleißige Mädchen mit den großen Träumen. Als sie Leigh Ann in einer Situation ertappt, die vermuten lässt, dass die Schülerin bei der Abschlussprüfung schummeln will, hat sie endlich das nötige Rüstzeug in der Hand, die Zukunft des Mädchens für immer zu zerstören.Verzweifelt geht Leigh Ann mit ihren Freunden Jo Lynn und Luke zu Mrs. Tingles Haus, um ihre Unschuld zu beweisen.

Doch dort geraten plötzlich die Dinge außer Kontrolle und Mrs. Tingle findet sich gefesselt und geknebelt auf ihrem Bett wieder …

Was zu sagen wäre

Mit Scream – Schrei! schrieb Kevin Williamson das Horrorgenre aus dem Dornröschenschlaf, mit „Faculty“ bewies er, dass Lehrer eigentlich Aliens sind, und mit „Dawson's Creek“ lancierte er eine der erfolgreichsten TV-Serien der 90er Jahre.

Jetzt führt der erfolgreiche Drehbuchautor zum ersten Mal Regie und liefert eine andere Teenage-Horror-Schmonzette. Hier gibt es mal keine Verrückten mit Maske, die als Kind gepiesackt wurden und jetzt grausam Rache nehmen, hier ist es … eine Lehrerin. Aus dieser Idee saugt Kevin Williamson allerlei Nektar, schreibt seinen Protagonisten manch schönen knappen Dialog ins auffällig unblutige Script; diese „Mrs. Tingle“ zeigt aber auch, was die Slasher-Filme durch ihr metzelndes Augenfutter überdecken. Schöne Teenager und ihre Zukunftssorgen erfordern ein anderes Kaliber an Erzählfinesse, als wenn man einen Killer nur möglichst phantasievoll durch ein Teenager-Setting meucheln lässt. Und daran scheitert schließlich das Werk insgesamt.

Die Teenie-Dramen, die in „Dawson's Creek“ funktionieren, sind für die Leinwand nicht groß genug, auch wenn dort wie hier Katie Holmes („Go! Das Leben beginnt erst um 3.00 Uhr morgens“ – 1999; „Dich kriegen wir auch noch!“ – 1998; „Der Eissturm“ – 1997) eine Hauptrolle spielt. Und Drama mit Geschichtslehrerin ginge eher als Psychokammerspiel, aber nicht als Halloween-Versatzstück mit Comedy-Elementen – auch wenn Helen Mirren (”Critical Care“ – 1997; „King George – Ein Königreich für mehr Verstand“ – 1994) eine diabolische Mrs. Tingle gibt.

Erst die Backstory machte den Film richtig interessant: Kevin Williamsons pechschwarze Komödie ist – indirekt natürlich – seiner Englisch-Lehrerin gewidmet. Diese Mrs. Tingle (seine Lehrerin hieß wirklich so) hat ihn ein Schulleben lang getrietzt und ihm beizeiten beigebracht, dass er seine schriftstellerischen Ambitionen doch lieber an den Nagel hängen solle – wegen Unfähigkeit … *grins*

Und dann fiel dem Film noch das reale Leben auf die Füße: Ursprünglich sollte der Film in den USA „Killing Mrs. Tingle“ heißen. Dann liefen zwei Schüler Amok an der Columbine High School, worauf der Titel in „Teaching Mrs. Tingle“ geändert wurde. In Deutschland erhielt der Film den Titel ”Tötet Mrs. Tingle!“, doch auch hier führten unglückliche Umstände zu einer Änderung des Titels: Nachdem ein Schüler seine Geschichtslehrerin kurz vor dem deutschen Kinostart des Films erstochen hatte, benannte der deutsche Verleih Kinowelt den Film in „Rettet Mrs. Tingle!“ um.

Wertung: 7 von 11 D-Mark