IMDB
Kinoplakat: Tödliche Weihnachten
Satte Action
Klasse Film
Titel Tödliche Weihnachten
(The long Kiss Goodnight)
Drehbuch Shane Black
Regie Renny Harlin, USA 1996
Darsteller

Geena Davis, Samuel L. Jackson, Yvonne Zima, Craig Bierko, Tom Amandes, Brian Cox, Patrick Malahide, David Morse, Joseph McKenna, Melina Kanakaredes, Dan Warry-Smith, Kristen Bone, Jennifer Pisana, Rex Linn, Alan North u.a.

Genre Action
Filmlänge 121 Minuten
Deutschlandstart
12. Dezember 1996
Inhalt
Acht Jahre war sie außer Gefecht gesetzt. Acht Jahre war sie die brave Hausfrau und Lehrerin Samantha. Vor acht Jahren erlitt sie einen totalen Gedächtnisverlust; warum, das weiß sie nicht, aber sie fühlt sich wohl, will bald heiraten, um ihrer Tochter wieder „ein richtiges zu Hause zu geben“.

Statt dessen klopft ein Killer an ihre Tür, sie überwältigt ihn, Fetzen der Erinnerung kehren zurück und schnell steckt Samantha mitten im Kreuzfeuer wütender Pumpguns – und immer mehr übernimmt Charlie das Kommando in Samantha.

„Charlie“ war ihr früheres Ich. „Charlie“ war ein von der CIA ausgebildeter Profikiller, zentrale Figur einer Verschwörung in Geheimdienstkreisen …

Was zu sagen wäre

„Ja, das war aufregend! Und morgen gehen wir in den Zoo!“ Als Nathan Waldman das sagt, haben unsere beiden Hauptfiguren gerade verstanden, dass sie offenbar auf der Flucht vor schießwütigen Profikillern sind und dass zumindest eine von beiden – Geena Davis – gut mit solchen Situationen fertig wird, während der andere der beiden – Samuel L. Jackson – das nicht so gut hinbekommt. Und Nathan, der wunderebare Brian Cox spielt ihn, gibt den Mentor, der beiden nun peu à peu klar machen wird, was eigentlich abgeht.

Ein Actionfilm, der sich über seine Action definiert, die Handlung also als notwendiges Beiwerk betrachtet, weil man ja irgendwie von Explosion zur Schießerei und so weiter kommen muss, funktioniert immer dann, wenn er die Story so einfach wie möglich hält und dabei so effizient wie möglich baut; eine fish-out-of-water-Geschichte geht immer gut – eine(r) gegen alle in einer fremden Umgebung; John McClane ist zwar ein Cop, aber in diesem Hochhaus an der Nakatomi Plaza ist er so falsch wie ein Schneemann im Sommer. Dieser Film macht es andersherum. Hier ist der Fisch gleich zu Beginn außerhalb des Wassers, er heißt Samantha und weiß nichts über seine/ihre Lage – Gedächtnisverlust, auch eín gerne genommener Kunstgriff. Samantha kämpft sich also zurück in ihr Wasser, das dann natürlich das komplette Gegenteil der heilen Welt ist in dieser kleinen Stadt mit dem niedlich zugefrorenen Schlittschuhteich, der ein bisschen an Charlie Browns Heimatstadt erinnert. mit grobem Strich skizziert Harlin diese Kleinstadtidylle, pimpt sie mit ein paar kleinen Sidekicks und Anekdoten, um ebenso viel Tiefe zu erzeugen, dass wir im Kinosessel es schade finden, dass Samantha diese wunderbaren Manschen verlassen muss, um sich buchstäblich aus der lodernden Hölle zurück zu kämpfen.

DVD-Cover (US): The Long Kiss Goodnight

Der Originaltitel, „The Long Kiss Goodnight“, weist die Richtung, die Autor Shane Black vorschwebte. Der Titel erinnert an die alten Philip-Marlowe-Romane von Raymond Chandler („The Long Goodbye“, „The Big Sleep“). Der Privatdetektiv in diesem Film ist auch so ein Whisky trinkender Schnüffler, der sich auch nur hier und da an Gesetze hält und der zufällig auf eine Spur stößt, die dann die halbe Regierung in Aufruhr versetzen wird, gleichzeitig – eine hübsche Szene – sieht ein schwer tätowierter, glatzköpfiger Knastbruder in einem hinter Gittern geschützten Fernseher ausgerechnet jene Killerin als Nikolaus vom Weihnachtsumzug winken, wegen deren Mord er im Knast sitzt. Eigentlich stimmt also alles, um mit einem ordentlichen Actionfilm Geld zu verdienen. Hat aber nicht funktioniert.

„The Long Kiss Goodnight“ ist die neue Gemeinschaftsproduktion des Ehepaares Geena Davis (Thelma & Louise - 1991) & Regisseur Renny Harlin (Stirb Langsam 2 - 1990); und dass Harlins Sache nicht das sozialkritische Drama ist, hat er auch mit Cliffhanger (1993) bewiesen. Dennoch war dem Film kein BoxOffice-Erfolg beschieden. Die Produzenten hatten sich den Spaß immerhin 65 Millionen Dollar kosten und es dafür ordentlich – und an den richtigen Stellen – krachen lassen. Aber am Ende lagen nicht mal 90 Millionen Dollar in der Kinokasse – nach den millionenschweren BWL-Kriterien Hollywoods ist das ein Misserfolg.

Der Film steht als gutes Beispiel für die Unwägbarkeiten des Business'. Es stimmt alles. Geena Davis („Ein ganz normaler Held“ – 1992; „Eine Klasse für sich“ – 1992; „Die Fliege“ – 1986) liefert gutes Timing im Spiel zwischen fürsorglicher Hausfrau–und–Mutter und Messerschwingender Profikillerin. Samuel L. Jackson (Die Jury – 1996; Stirb langsam – Jetzt erst recht – 1995; Pulp Fiction – 1994) steht ohnehin im Zenit seiner Karriere und lässt sich hier mit Lust und Freude gegen den Strich besetzen als klassischer lonesome-private-eye-mit-Alkoholproblemen. Und der Cast drumrum: Brian Cox („Glimmer Man“ – 1996; „Außer Kontrolle“ – 1996; Braveheart – 1995; „Rob Roy“ – 1995) gewohnt präzise; Craig Bierko als der Oberschurke ist ein erfrischend neues Gesicht.

Die Story ist – wie es sich für Shane Black (Last Action Hero – 1993; Last Boy Scout – 1991; Lethal Weapon –  1987) gehört – gebührend abgedreht, sodass ich mich als Zuschauer im Sessel zurücklehnen und genießen darf. Jedes Jahr einmal – mindestens!

Wertung: 9 von 11 D-Mark
IMDB