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Kinoplakat: To Rome with Love
Ein Poem für Rom
Titel To Rome with Love
(To Rome with Love)
Drehbuch Woody Allen
Regie Woody Allen, Italien, USA 1997
Darsteller Woody Allen, Judy Davis, Ellen Page, Roberto Benigni, Jesse Eisenberg, Alec Baldwin, Greta Gerwig, Penélope Cruz, Flavio Parenti, Alison Pill, Alessandro Tiberi, Alessandra Mastronardi, Carol Alt, David Pasquesi, Antonio Albanese, Lynn Swanson, Fabio Armiliato Monica Nappo, Ornella Muti, Corrado Fortuna u.a.
Genre Drama
Filmlänge 112 Minuten
Deutschlandstart
30. August 2012
Website woodyallen.com
Inhalt

Rom. Ewige Stadt. Stadt der Geschichte. Stadt vieler Geschichten.

  • Die Touristin Hayley lernt den Römer Michelangelo kennen und verlobt sich mit ihm. Um den Schwiegersohn und seine Familie kennenzulernen, reisen ihre Eltern an, die Psychiaterin Phyllis und der gescheiterte Opernregisseur Jerry. Michelangelos Vater Giancarlo verfügt über eine hervorragende Gesangsstimme, die allerdings nur beim Duschen zur Entfaltung kommt. Jerry arrangiert eine Opernaufführung, die das neu entdeckte Talent in einer Duschkabine bestreitet …
  • Antonio und Milly sind Flitterwöchner aus der Provinz und wollen seine Verwandten treffen, die ihm zu einer Karriere in Rom verhelfen könnten. Während Milly sich in der Stadt verirrt hat, dringt die Prostituierte Anna in das Hotelzimmer der beiden ein und bringt Antonio in eine kompromittierende Situation. Antonio muss Anna gegenüber den Verwandten als seine Frau ausgeben, während Milly auf ihrer Suche nach dem Weg zum Hotel den Schauspieler Luca Salta trifft, der auf ein Schäferstündchen aus ist …
  • John Foy besucht mit Frau und Freunden zum Abschluss eines Urlaubs noch einmal Rom, wo er als junger Mann gelebt hat. Er trifft auf Jack, der in Johns früherer Gegend wohnt, wo er mit Sally zusammen lebt, die Besuch von ihrer Freundin Monica erhält, einer glücklosen Schauspielerin mit Hang zur Selbstdarstellung und amourösen Abenteuern. Prompt beginnt Jack eine Affäre mit ihr …
  • Leopoldo Pisanello ist ein einfacher Angestellter, der von seiner Umwelt nicht beachtet wird. Über Nacht wird er ohne Grund zur Berühmtheit, erfährt eine bevorzugte Behandlung, wird von Reportern interviewt und ist Thema ausführlicher Berichterstattung, zudem hat er Affären mit mehreren Frauen. Nach kurzer Zeit beginnt die Popularität, ihm ausgesprochen lästig zu werden …
Was zu sagen wäre

Wie schön: Woody Allen zeigt sich von seiner poetischen Seite und lässt den Alterszynismus, der in seinen vergangenen europäischen Filmen an so vielen Stellen durchschlägt, im Köcher.Das muss was mit dem Zauber der Stadt Rom zu tun haben. So verliebt war er nicht mal in Barcelona.

Von Film zu Film verlässt Allen seinen american way to tell ein bisschen mehr und taucht ein in das Zwischenreich europäischer Klassik, lässt sich treiben von Mythen, vom Zauber einer Stadt wie Rom. Die Versatzstücke abendfüllender Handlungen verflüchtigen sich zu geistreichen kleinen Anekdoten über das Wesen der Liebe. Gibt es im Vorgänger, „Midnight in Paris”, noch die geschäftsreisenden, die Handlung immer wieder vorantreibenden treibenden Snobs, verglühen diese in Rom lediglich zu Auslösern von allerlei Verwicklungen. Wunderbar leicht und charmant gespielt.

Woody Allen und Judy Davis - die sich langsam zu Allens seinem Alter angepassten Muse entwickelt - gewohnt zappelig sarkastisch, Penélope Cruz, die sich in Vicky, Cristina, Barcelona (Spanien, USA 2008) zu Oscar-Ehren gespielt hat, legt hier noch ein Schippe drauf und erschlägt das intellektuelle Personal mit purer Erotik und engem roten Kleid. Alec Baldwin spielt endlich mal wieder in einer neutralen Rolle, die er nicht mit dämonisch funkelndem Blick oder sonstwie prügelnd spielen muss. Und Ellen Page („Inception” - 2010; "Juno" - 2007) spielt alle unter den Tisch.

Eingestreut ist die Geschichte des armen Mittelständlers, den eines Morgens die Kamerateams überfallen und ich frage mich, ob das nicht fast schon dokumentarischen Charakter hat. Der arme Leopoldo Pisanello, dem Roberto Benigni eine stolze Römerseele gibt ist im Grunde genommen die mit Gehirn ausgestattete Version des Menschenzoos, den man jeden Nachmittag bei RTL II zu sehen bekommt: „Das TV-Ereignis der Woche”, begrüßt die Reporterin ihre Zuschauer in Leopoldos Badezimmer. „Wir zeigen, wie dieser Mann sich rasiert. Vom ersten bis zum letzen Barthaar.”

Und es gibt die klassischen Dialoge aus der Feder Woody Allens:

„Sie ist schön, witzig, klug. Männer liegen ihr zu Füßen. Liegt wohl an ihrer erotischen Ausstrahlung”, sagt Sally.
„Kein Problem. Nach Sallys Beschreibung ist sie neurotische und unberechenbar”, erklärt ihr Freund Jack.
”Schön. Witzig. Klug. Sexy. Da passt neurotisch unbedingt dazu„, wirft John ein.

„Sagenhaft, dass das Colloseum immer noch steht. Nach so lang Zeit. Ich meine ... Sally und ich, wir müssen alle fünf Monate die Fliesen im Bad erneuern. So großartige Architekten …”

Und natürlich heißt der junge Römer im Film Michelangelo. Die ewige Stadt glüht durch die Optik von Kameramann Darius Khondji. Ähnlich, wie schon in Paris verwöhnt Woody Allen uns mit einem Märchenbild, wie es die Stadt am Tiber gar nicht hergibt. Europa verzaubert Allen. Allen verzaubert Europa. Jedenfalls für die zwei Stunden im Kino. Da schrecken ihn auch große Sponsorenauftritte nicht. Allen dreht in Europa, seit er hier mehr Geldgeber findet, als in den USA. Prompt fliegt sein gescheiterter Opernregisseur Jerry mit der Alitalia nach Rom und das Flugzeug ist so zugekleistert mit Namenszügen des Unternehmens, dass das schon wirkt, wie Satire. Allen schert so was nicht, so lange er mit Judy Davis seinen Spaß hat.

Wertung: 7 von 7 €uro
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