Kinoplakat: Thor - The Dark Kingdom
Ein opulentes Spektakel mit
Übersättigungs-Gefahr
Titel Thor – The Dark Kingdom
(Thor – The Dark World)
Drehbuch Christopher Yost + Christopher Markus + Stephen McFeely + Don Payne + Robert Rodat
nach den Comics von Stan Lee + Larry Lieber + Jack Kirby
Regie Alan Taylor, USA 2013
Darsteller

Chris Hemsworth, Natalie Portman, Tom Hiddleston, Anthony Hopkins, Christopher Eccleston, Jaimie Alexander, Zachary Levi, Ray Stevenson, Tadanobu Asano, Idris Elba, Rene Russo, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Kat Dennings, Stellan Skarsgård, Alice Krige u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 112 Minuten
Deutschlandstart
31. Oktober 2013
Website marvel.com/thor
Inhalt

Das Universum, wie wir es kennen, war nicht immer das Universum, wie wir es kennen. Vor der Schöpfung herrschten die Dunkelelfen über das Dunkle Königreich. Seit die Schatten vertrieben wurden versuchen die Dunkelelfen unter ihrem Fürsten Malekith, die Zeit zurückzudrehen. Vor vielen Millionen Jahren trafen sie dabei schon einmal auf die Krieger Asgards. Damals, in Svartalfheim, einer der Neun Welten, wollten sie das gesamte Universum mithilfe des Äthers zurück in die Dunkelheit stürzen; Malekith erschuf diese Materie, um sie in die Konvergenz der Neun Welten zu schleudern. Diese Weltenkonstellation, bei der alle Neun Welten eine durchgehende Linie bilden, kommt nur alle 5.000 Jahre zustande. Malekiths Plan scheitert. Den Asen unter ihrem König Bor, Vater von Odin, gelingt es, den Äther zu stehlen und ihn in eine Steinsäule einzuschließen. Mit den meisten Mitgliedern seines Volkes ausgelöscht, wurde Malekith gezwungen, sich mit seinem Raumschiff in die Weiten des Weltalls zurückzuziehen und im Tiefschlaf auf die Befreiung des Äthers zu warten.

Tausende von Jahren später kämpft sich Thor in den Neun Welten von Schlachtfeld zu Schlachtfeld, um das Chaos, welches sein Adoptivbruder Loki mit seinem Angriff auf die Erde losgetreten hat, wieder unter Kontrolle zu bringen. Sein Kampfesmut ist von Erfolg gekrönt, es ist nur eine Frage der Zeit, dass Odin den Thron für seinen Sohn räumt. Aber Thor ist wankelmütig. Die Aussicht auf den Thron von Asgard bringt ihm keine Freude. Sein Herz hängt bei seiner irdischen Geliebten Jane Foster, die er seit den Ereignissen vor zwei Jahren, als er auf die Erde verbannt worden war, nicht mehr gesehen hat. Loki wurde nach seiner Gefangennahme auf der Erde zur ewigen Haft im Kerker von Asgard verurteilt, wo er im Gefühl der Eifersucht und Rache vergeht.

Auf der Erde, in der Stadt London, versucht Jane Foster, die Astrophysikerin, ihr Leben wieder in irdene Bahnen zu lenken – nach zwei Jahren ohne Nachricht muss sie wohl akzeptieren, dass Thor, der Fremde von weit weg, nicht zurückkehren wird. Sie geht gelangweilt Dates mit langweiligen Investmentbankern ein und fängt erst wieder an, zu pulsieren, als ihre Assistentin Darcy sie auf ein seltsames Phänomen aufmerksam macht: da verschwinden in einem verlassenen Fabrikgelände Gegenstände die an anderer Stelle wieder auftauchen, da schweben Lkw federleicht in der Luft – alles Erscheinungen, offenbar hervorgerufen durch eine bevorstehende neue Konvergenz im Universum, die zuerst Janes Kollege Erik Selvig gemessen hat, der kurz darauf verschwand. Erik ist seit den Vorfällen in New York, als der listige Loki sich in dessen geist eingenistet hatte, ein wenig derangiert, seine Kollegen ob dessen Verschwinden entsprechend besorgt. Aber plötzlich verschwindet auch Jane – am hellichten Tag; vom Fabrikgelände.

Als sie wieder aufwacht, steht Jane in einer riesigen Höhle vor einem leuchtenden Quader. Darin der Äther, der im selben Moment Besitz von ihr ergreift. Benommen taumelt Jane Foster zurück auf das Fabrikgelände – in die Arme des mächtigen Thor, der sofort merkt, dass seine Geliebte von etwas besessen ist. Thor nimmt die Wissenschaftlerin mit in seine Heimat Asgard, erhofft sich heilung von der dortigen, höher entwickelten Medizin. Und das ist genau der Schritt, auf den malekith in seinem Versteck jahrtausendelang gewartet hat. Der Äther ist in Asgard, Malekith greift an, um  sich zu holen, was ihm gehört, um endlich die nahende Konvergenz nutzen zu können.

Es beginnt ein Kampf epischen Ausmaßes …

Was zu sagen wäre

„The Dark Kingdom” ist die Verfilmung der Abenteuer eines Comic-Helden. Was das bedeutet, vergisst man manchmal angesichts der – in diesem Genre – hochklassigen Verfilmungen von Iron Man oder den Avengers. Comicabenteuer leben in erster Linie über die Bilder; dann erst kommt die Story, dann erst folgen in den Heften Plausibilität und Charakterisierung. So funktioniert auch „The Dark Kingdom“, der noch dazu im angesagten Fantasy-Metier angesiedelt ist: Der Film ist wie eine dauernd voll ausgesteuerte Tonspur, ununterbrochen auf 100 Prozent – oder wie die ersten 20 Minuten von Man of Steel (USA 2013), in denen Krypton zerlegt wird. Die Fortsetzung des Überraschungshits Thor (USA 2011) ist optischer Overkill; selten komme ich aus dem Kino und kann mich zunächst an keine einzelne Szene erinnern.

Augenfutter für die Second-Screen-Generation

Klar: Ein Film, der in Neun Welten spielt, liefert Augenfutter für die Second-Screen-Generation – der Digital Native, der mit Handy und Fernsehen gleichzeitig kommuniziert, muss nicht mehr alles mitkriegen, muss nicht das ganze Bild auf der Leinwand erfassen. Dieses Bild ist nur so voll gepackt, damit er überhaupt noch etwas mitbekommt von dem, was da zwischen Popcorn und Smartphone und Cola auf der Leinwand passiert. Dafür kann … , dafür muss die Handlung ruhig etwas roh zusammengezimmert sein. Wie genau die Geräte funktionieren, mit denen die Dunkelelfen am Ende in ihre Hölle zurückgeworfen werden, spielt eigentlich keine Rolle – wichtig ist, man versteht, dass die Neun Welten eine Linie bilden müssen, was sie nur alle 5.000 Jahre mal machen. Immer dann kann Malekith sein Reich versuchen zurückzuholen.

Aber natürlich heißt der Film nicht „Malekith – The Bright World”, sondern „Thor – The Dark World”. Und da gelten gewisse Regeln, denen sich der Film auch lustvoll hingibt. Dauernd fliegt des Donnergottes Hammer, macht irgendwas kaputt oder schlägt jemanden k.o. und kehrt dann mit metallischem Zischen in Thors ausgestreckte Hand zurück (was das angeht, gibt es ja Nachholbedarf, nachdem Thor im ersten Teil des Hammers vorübergehend nicht würdig war). Seine Asgard-Freunde Sif, Fandral, Volstagg, Hogun und Heimdall sind raue Krieger, verlässliche Trinkkumpane und loyale Freunde und die glutäugige Sif wäre auch gerne etwas mehr, aber da rauscht die anmutige Wissenschaftlerin Jane Foster mit ebenso zarten Händchen wie coolen Merksätzen dazwischen – Natalie Portman vor königlicher Planetenkulisse lenkt ab; das sieht zu sehr aus wie Natalie Portman vor der Star-Wars-Kulisse Naboos. Dort gibt sie aber nur ein wirklich kurzes Intermezzo, dann darf die Zierliche erst dem Donnergott zwei mitgeben und dann dem listigen Loki eine scheuern und dann geht auch schon wieder der optische Punk ab. Janes Wissenschaftskollege Erik Selvig ist seit dem Zwischenfall in New York geistig etwas derangiert, absolviert den Großteil seiner Auftritte in Schießer-Feinripp-Unterhose („Da kann ich besser denken!”), ist aber im entscheidenden Moment voll da. Praktikanitin Darcy, diesmal mit eigenem Praktikanten, ist für den comic relief zuständig, wenn der Zuschauer mal Luft holen soll.

Die Macht ist mit Thor – akustisch

Apropos „metallisches Zischen” des Hammers. Die Sounddesigner aus den Skywalker-Sound-Studios haben in ihr prall gefülltes Archiv gegriffen und ein best of in die Dolby-Spur gezaubert; macht man die Augen zu, fühlt man sich versetzt in eine andere Galaxis, weit weit entfernt. Die eleganten Gleiter, mit denen Fandral über die Seen fliegt, klingen gespuckt, wie die Gleiter in den Klonkriegen.

Während des Films habe ich mich, naja, göttlich amüsiert, habe mich gefreut, dass Regisseur Alan Taylor den Zuschauer nicht ausschließlich mit Bildgewalt und einstürzen Palastbauten erschlägt. Er vertieft den Konflikt der beiden Brüder Thor und Loki, die sich zusammenraufen müssen, um gegen Makekith zu bestehen und kann dabei vor allem auf die mimischen Qualitäten Tom Hiddlestons vertrauen, der sich in die Rolle des Loki im dritten Auftritt eingelebt hat.

Einfache Geschichte, galaktisches Ausmaß, bunte Bilder

Wenn die Betäubung durch den optischen Overkill nachlässt, fällt auf, dass viele Szenen durch individuellen Witz zu kleinen Comic-Miniaturen werden – Thor beherrscht das Wetter, da braucht Jane keinen Regenschirm mehr; Praktikantin Darcy schon, die ist ja kein Love Interest des Donergottes. Geht es nicht mit Witz, nicht mit einem lockeren Spruch, überzeugen die Kreativen des Art Department mit elegantem Design; mein Lieblingsbild gehört den Riten einer Beisetzungsfeierlichkeit mit Barke, Wasserfall und Feuerpfeilen bei Nacht – wunderschön. Und plötzlich stellt sich das Gefühl ein: Comicabenteuer im Kino!

Da steht eben nicht Tiefsinniges im Vordergrund, da ist nichts künstlerisch wertvoll; da ist eine einfach erzählte Geschichte gewaltigen Ausmaßes mit witzigen Dialogen, Nonsens-Technik und vielen bunten Bildern, die absolut die Hauptrolle spielen. Dennoch saß nicht der beste Zeichner am Board. So wie Comic-Hefte manchmal zwar spannend, aber nur mäßig gezeichnet oder getuscht sind, sind auch manche Filme spannend, aber mäßig bebildert oder getrickst. In Filmen aus dem Fantasy-Genre ist es Usus geworden, dass Schauspieler viel vor grünen Wänden spielen, in die WhizKids anschließend am Computer allerlei Effektvolles hineinzaubern. Erstaunlich daher, dass im vorliegenden Fall diese Visual Effects so schlecht geraten sind: Heimdahl zum Beispiel, der Wächter Asgards, steht da mit versonnen blindem Blick und festem Horn-Helm vor Sonnenuntergangsstimmung … und ist immer mal wieder von flirrendem, schwarzen Rand umzeichnet; das sieht aus, wie in den 1970er Jahren, als Raumschiffmodelle noch aufwändig über drei Kopiervorgänge in real gedrehte Szenen montiert werden mussten. Das mag ich im Jahr 2013 nicht mehr akzeptieren – da wäre vielleicht weniger Bildelemente doch mehr gewesen.

Insgesamt geht „The Dark World“ in Ordnung. Weil in dieser Marvel-Welt aber alles mit allem zusammenhängt, ist auch der Hinweis zwingend, dass sich dieser Film nicht mit seinem Vorgänger messen kann und auch die Comicverfilmungen um Thors Kollegen Iron Man sowie die Avengers waren besser.

Wertung: 5 von 7 €uro