Kinoplakat: Thor
Überrschend smarter
Donnerhall im Kino
Titel Thor
(Thor)
Drehbuch Ashley Miller + Zack Stentz + Don Payne + J. Michael Straczynski + Mark Protosevich
nach den Comics von Stan Lee & Larry Lieber & Jack Kirby
Regie Kenneth Branagh (Joss Whedon für Post-Credits-Szene), USA 2011
Darsteller Chris Hemsworth, Natalie Portman, Tom Hiddleston, Anthony Hopkins, Stellan Skarsgård, Kat Dennings, Clark Gregg, Idris Elba, Colm Feore, Ray Stevenson, Tadanobu Asano, Josh Dallas, Jaimie Alexander, Rene Russo u.a.
Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 115 Minuten
Deutschlandstart
28. April 2011
Website marvel.com/thor
Inhalt
Der Sohn des Obergottes zu sein, hat seine Vorteile. Man kann ein arrogantes Arschloch sein, sich prügeln, man kann saufen gehen. Und man hat nie Ärger.

Der Sohn des Obergottes zu sein, kann aber auch ganz schön nervtötend sein. Zum Beispiel, wenn Dad, der Obergott, es wenig erquickend findet, dass sein Sohn ein arrogantes Arschloch ist, sich prügelt und säuft. Und ihn also nicht zum neuen Obergott macht. Thor geht das so. Odins Sohn. In Asgard, der Heimat der nordischen Götter.

Teaserplakat zu Thor (2011)Die Unstimmigkeiten gehen soweit, dass Odin seinen Sohn schließlich aus Asgard verbannt, aller göttlichen Insignien ledig, insbesondere seines Hammers 'Mjolnier', mit dem Thor, bis dato „Gott des Donners”, Wind, Wetter und die Naturgewalten beherrscht. Nun stolpert der blonde Hüne, spärlich bekleidet, durch die Wüste New Mexikos und wird von einem Grüppchen Wissenschaftler aufgegriffen, angeleitet von der ebenso smarten wie bärbeißigen Jane Foster. Die hat es mit dem gut gebauten, blonden Six-Pack-Typen nicht leicht; er ist zwar - wovon Foster natürlich nichts ahnt - seiner göttlichen Macht ledig, aber er ist immer noch ziemlich kräftig. Und arrogant ist er auch immer noch - und hier, auf Midgard (asgardischer Name für „Erde”) in dem kleinen Kaff in New Mexiko, hat er es ja nur mit Menschen zu tun - nicht mit Göttern.

Die Götter haben derweil in Asgard ganz eigene Probleme. Der Krach zwischen Odin und Thor kam nicht ganz zufällig. Er wurde mächtig befeuert von Thors intrigantem Halbbruder Loki, der sich, anders als der Blonde, sehr ausführlich mit der Geschichte Asgards befasst hat und daher weiß, dass Odin bald in den Odin-Schlaf sinkt, eine Art Koma, das ihn eine lange Zeit komplett außer Gefecht setzt. Loki will diese Zeit nützen, Obergott anstelle des Obergottes zu werden - Thor hätte da womöglich im Weg gestanden, aber Thor ist ja nun weg.

Der Ex-Donnergott hat sich auf Midgard mit den Umständen einigermaßen arrangiert, zumal er Jane Foster sehr apart findet und das dringende Bedürfnis verspürt, ihr gegen eine plötzlich auftauchende, schwarze Anzüge tragende Regierungseinheit beizustehen, die alle ihre Untersuchungsergebnisse beschlagnahmt. Dieser Beistand hat sein Gutes, denn die Beamten, die zur Organisation S.H.I.E.L.D. gehören, haben den Hammer gefunden, mit dem sie nichts anzufangen wissen, von dem sie aber ahnen, dass er Großes verbirgt.

Kurzentschlossen dringt der anonyme Thor ins rasch um den Hammer errichtete Sperrgebiet, um sich sein Werkzeug zurückzuholen. Er staunt nicht schlecht, als er seinen Mjolnir keinen Jota bewegen kann. Mist! Was hatte Odin bei der Verbannung gesagt: Erst, wenn er sich als wahrer uneigennütziger Held erweise, werde Thor sein Werkzeug zurückerhalten.

Nun ist der blonde Recke zwar immer noch stärker, als zehn Erdenmänner, aber dem DESTROYER, den ihm Loki auf den Hals hetzt, um seine frische Asgard-Herrschaft zu zementieren, hat er ohne seinen Hammer nichts mehr entgegenzusetzen ...
Was zu sagen wäre

„The mighty Thor“ ist eine Figur aus dem Superhelden-Kosmos der Comicfirma MARVEL und damit ein Mitglied der Familie von Spider-Man, Fantastic Four, Hulk, Iron Man oder Captain America. Die Konkurrenzfamilie, der ältere Comicverlag DC, beheimatet die Ikonen SUPERMAN, Batman, Green Arrow oder Green Lantern.

Eine Vorbereitung auf die Ruhmreichen Rächer

Der vorliegende Film ist zudem ein weiterer Vorbereitungsfilm auf das Frühjahrs-Spektakel 2012 unter dem Titel The Avengers; die „ruhmreichen Rächer“ bilden die zentrale Superhelden-Combo des Marvel-Kosmos' und sind Heimat der Mächtigsten der Mächtigen – eben Thor, Hulk, Iron Man, Captain America und Hawkeye, der treffsichere Bogenschütze, der in Thor seinen ersten kleinen Auftritt hat.

„Thor“ ist rund, actionpacked, charmant und gut besetzt. Anthony Hopkins (Ich sehe den Mann deiner Träume – 2010; Das Spiel der Macht – 2006; Rendezvous mit Joe Black – 1998) als Odin ist ein wenig unterfordert, dafür macht Neuling Chris Hemsworth eine gute Figur (2009 ist er mal aufgefallen als George Kirk, Vater von James Tiberius Kirk in der Neufassung von Star Trek): das Aussehen nah am Comic-Vorbild und ein glaubhafter Hingucker für die wunderbare Natalie Portman (Freundschaft Plus – 2011; Black Swan – 2010; The other Woman – 2009; Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung – 1999), die sich natürlich nicht in einen blonden, muskelbepackten Grobian verlieben würde. Hemsworths Spiel ist einsilbig, deshalb müssen seine Mitspieler häufiger erklären, was der Donnergott gerade fühlt; zeigen kann der Australier das nicht – aber sein Lächeln ist umwerfend, sein Bass großartig, sein Donnergott-Blick steinern streng.

Die Show stiehlt ihm Loki, der sein Halbbruder ist und von dem Briten Tom Hiddleston mit lustvoller Arroganz und verschlagenem Machtwillen ausgestattet wird. Mit Hiddleston, der gerade durchstartet und im laufenden Jahr auch mit Wody Allen (Midnight in Paris) und mit Steven Spielberg (Gefährten) gearbeitet hat, hat Regisseur Kenneth Brannagh einen guten Griff getan (aber natürlich sind die Schurken meistens die reizvolleren Figuren). Brannagh, der sich mit monumentalen  Shakespeare-Inszenierungen und -Rollen einen Namen gemacht hat, macht aus der etwas angestaubten Marvel-Comicfigur ein klassisches Königsdrama im großen Schloss mit schönen Frauen, eiskalten Dämonen und glühendem Verräter. Spannend erzählt, eine optische Wucht.

Schwierig ist die Ausstattung des göttlichen Asgard. Ich stelle mir die Heimat der Götter – egal, wo die herkommen – als strahlende, sonnendurchflutete Landschaft vor – mal zubetoniert mit astralen Prachtbauten, mal überzogen mit grünen Wiesen, aber auf jeden Fall sonnendurchflutet. Aber egal, ob ich König Artus' Tafelrunden-Saal präsentiert bekomme, oder – wie hier – Asgards Thronsaal, bestenfalls bekomme ich kalten Glanz. Das sieht alles prachtvoll aus und die Blicke, die man in Asgard hat, sind wunderschön, aber gemütlich wirkt das nicht; als wäre die Heimat der Götter eine Ansammlung von Repräsentationsbauten.

Umso schöner ist der Ort der irdischen Handlung, eine kleine Stadt in the middle of Nowhere von New Mexiko. Die Designer haben hier das monumentale Grundmuster aus Asgard gespiegelt – lange Achsen, die runde Flächen verbinden –  und ein sonnendurchflutetes, mit sympathischen Menschen bevölkertes Kleinod errichtet, an deren Rand ein kreisrunder Bau mit großen Fenstern liegt, in dem Jane und ihre Kollegen arbeiten, die von Stellan Skarsgård (Illuminati – 2009; Fluch der Karibik 2 – 2006; The Glass House – 2001; Ronin – 1998) und Kat Dennings („2 Broke Girls“ – TV-Serie 2011)als liebevolle Miniaturen angelegt sind. Kenneth Brannagh hat der Kleinstadt in New Mexiko schöne Perspektiven und weite Blicke entlockt, die dem Königsdrama den notwendigen Raum geben.

Es ist schön, dass die Marvel-Studios keinen bunten Comic-Haudraufundschluss liefern, sondern Raum für Charaktere schaffen und Charakteren Raum geben, sich zu entfalten. „Thor“ ist ein abwechslungsreiches, buntes, witziges Spektakel-Drama mit Gänsehautmomenten.

Eigentlich schreit dieser Film „Play it again, Thor!“ Aber jetzt warten ja erst einmal die „Avengers“.

Wertung: 8 von 8 €uro