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Kinoplakat: Thomas Crown ist nicht zu fassen
Elegantes Heist-Movie
mit Romantik statt Thrill
Titel Thomas Crown ist nicht zu fassen
(The Thomas Crown Affair)
Drehbuch Alan Trustman
Regie Norman Jewison, USA 1968
Darsteller
Steve McQueen, Faye Dunaway, Paul Burke, Jack Weston, Biff McGuire, Addison Powell, Astrid Heeren, Gordon Pinsent, Yaphet Kotto, Sidney Armus, Richard Bull, Peg Shirley, Patrick Horgan, Carol Corbett, Tom Rosqui u.a.
Genre Crime, Romantik
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
18. Oktober 1968
Inhalt

Nach einem spektakulären Bankraub gerät der respektvolle Geschäftsmann Thomas Crown in Verdacht, für den Überfall verantwortlich zu sein. Davon ist zumindest die Versicherungsagentin Vicki Anderson überzeugt - und soll Recht behalten.

Crown ist sein Luxusleben zwischen Polo und Pool schlicht zu fad, es dürstet ihn nach Abwechslung. Nun, die soll er bekommen. Vicki Anderson macht auch Crown gegenüber kein Geheimnis aus ihrer Absicht, ihm den Bankraub nachzuweisen und die Provision zu kassieren. Aber bald entwickelt sich aus ihrem Wettstreit eine intime Beziehung.

Doch Crown will es noch einmal wissen und organisiert einen weiteren Raub – auf die gleiche Weise, wie beim ersten mal. Dieses Mal wartet Vicki Anderson mit der Polizei auf dem Friedhof …

Was zu sagen wäre

Ein Multimillionär langweilt sich und begeht Verbrechen – Bankraub und so. Wir im Kinosessel sollten von Beginn an nicht davon ausgehen, dass es all zu große Schwierigkeiten geben wird. Der Film ist auf ein Happy-Go-Lucky des Millionärs von nebenan angelegt. Lockerer Jazz begleitet den Film auf der Tonspur und der Mann selbst ist in allem, was er tut, selbstbewusst und erfolgreich; lässt seine Verhandlungspartner im alltäglichen Millionenbusiness gerne wissen, dass er sie über den Tisch gezogen hat, und er freut sich gerne, dass ihm alles so gut gelingt. Ein netter Mensch mit seltsamen Neigungen halt. Eine klassische Steve-McQueen-Figur („Kanonenboot am Yangtse-Kiang“ – 1966; „Cincinnati Kid“ – 1965; Gesprengte Ketten – 1963; Die glorreichen Sieben – 1960).

Schöne Menschen tun schöne Dinge an schönen Schauplätzen

Norman Jewison schwelgt im Reichtum seines Protagonisten und führt ihn als präzisen Planer ein, der jeden Schritt vorausberechnet, der weiß, wann genau Geldboten vor einer bestimmten Fahrstuhltür stehen, aus der dann – präzise getimet – seine maskierten Gangster treten und das Geld übernehmen – der Millionär macht sich nicht selbst die Finger schmutzig, sorgt aber dafür, dass eine bestimmte Telefonzelle zu einer bestimmten Zeit des Tages als Out of Order gekennzeichnet ist, weil er weiß, dass er diese gewöhnlich stark frequentierte Zelle zu eben dieser bestimmten Zeit braucht, um einen seiner Auftragsgangster zu instruieren. Niemand im Kinosaal also soll Befürchtung tragen, es könne etwas schief gehen in diesem Film. Darauf ist das Drehbuch nicht ausgelegt.

Es geht darum, schöne Menschen schöne Dinge tun zu lassen – mit der Liebsten im Buggy über den Strand heizen, im Segelflieger über schöne Landschaften gleiten, an bunten Cocktails auf imposanter Terasse nippen. Natürlich gibt es diesen Punkt im Drama, da steht Crown – „Tommy“, wie ihn seine Freunde nennen dürfen – im Halbdunkel seines Anwesens und sieht zum Erschrecken kaltblütig aus, die Augenhöhlen ganz schwarz; das ist der Moment im Film, an dem auch wir Zuschauer seit ein paar Minuten und noch für ein paar weitere Minuten um unseren Titelhelden bangen dürfen.

Entweder Moral oder Geld

Aber nur ein bisschen. Der Film spielt mit Moral, Reichtum und der Erkenntnis, dass beides nicht zusammenpasst. Entweder bist Du moralisch, dann wirst Du aber nicht so reich, wie dieser sympathische Thomas Crown. Oder aber, du hälst Dich an die Gesetze (die Moral) und dann bist Du halt ein Cop beim New York Police Departement mit fragwürdigem Hut. Oder: Du bist reich, aber gelangweilt, und gibst Deinem Leben durch einen Schuss Amoralität etwas Würze – Crowns Diebstähle treffen schließlich keine Armen, sondern bestens Versicherte. Hier kommt Versicherungsagentin Vicki Anderson ins Bild.

Der Film lebt in seiner eleganten Aufmachung. er pulsiert aber erst durch das Zusammenspiel von Steve McQueen und Faye Dunaway („Bonnie und Clyde“ – 1967), die ihr Katz-und-Maus-Spiel, das ihnen das Drehbuch vorgibt, offensichtlich sehr genossen haben. Die Chemie zwischen den beiden scheint zu stimmen. Und wenn nicht, dann sind sind beide wirklich große Schauspieler, die das eben so aussehen lassen. Beiden Schauspielern fehlt der Hang zum Kuschligen – McQueen ist ohnehin nicht zufällig als Mr. Cool bekannt. Und auch Faye Dunaway blüht auf in der Rolle der nicht so leicht durchschaubaren, kühlen Elegance. Norman Jewison lässt die beiden Schach spielen. Kühlere Erotik, spannungsgeladenere Symbolik geht nicht (Nachtrag 2004: ging damals nicht).

Seh cool, sehr europäisch, sehr split-Screen

Jewison verleiht seiner eleganten Inszenierung durch Split-Screen-Technik Tempo. Immer wieder teilt sich das Bild auf der Leinwand in mehrere Bilder, auf denen parallel ablaufende Szenen zu sehen sind. Alles in allem also ist das ein erstaunlicher Film – sehr modern, sehr cool, fast europäisch in seiner Aufmachung. Ein Henri Verneuil („Ein Affe im Winter“ – 1962) etwa würde so etwas ganz ähnlich inszenieren – vielleicht noch eine Spur kühler.

Wertung: 8 von 9 D-Mark
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