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Kinoplakat: The International
Spannender Seventies-Thriller
in rasantem 2009er-Gewand
Titel The International
(The International)
Drehbuch Eric Singer
Regie Tom Tykwer, USA, Deutschland, UK 2009
Darsteller Clive Owen, Naomi Watts, Armin Mueller-Stahl, Ulrich Thomsen, Brian F. O'Byrne, Michel Voletti, Patrick Baladi , Jay Villiers, Fabrice Scott , Haluk Bilginer, Luca Barbareschi, Alessandro Fabrizi, Felix Solis, Jack McGee, Nilaja Sun u.a.
Genre Thriller, Action
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
12. Februar 2009
Inhalt

Interpol-Agent Louis Salinger ist noch nie einem Konflikt aus derm Weg gegangen. Deshalb steht er in seiner Behörde etwas auf dem Abstellgleis. Immer wieder ist er hochgestellten Persönlichkeiten mit schwerwiegenden Verdächtigungen zu nahe getreten. Seit Jahren ist er hinter Jonas Skarssen her, Chef einer der einflussreichsten Banken der Welt – verantwortlich, nach Salingers Lesart, für Mord, Totschlag, Putsch und Attentate.

Vor Jahren war er von dem Fall abgezogen worden. Jetzt ergibt sich neues Potenzial. Und in der New Yorker Staatsanwältin Eleanor Whitman eine engagierte Mitstreiterin. Gerade haben sie in Berlin einen engen Vertrauten verloren; vorgeblich durch eine Herzattacke, wahrscheinlich jedoch durch Mord. Salinger und Whitman decken eine Reihe illegaler Aktivitäten auf und jagen einer Geld-Spur nach von Berlin nach Mailand, New York und Istanbul.

Und immer, wenn sie endlich einen Zeugen gefunden haben, der reden will, wird der ermordet – ganz egal, ob auf offener Bühne vor Publikum oder einsam im Hinterhof. Die Killer und ihre Hintermänner kennen offenbar keine Grenze …

Was zu sagen wäre

Ein Film für Liebhaber moderner Architektur. Immer wieder fliegt Tykwers Kamera per Hubschrauber auf imposante Glas-Stahlbauten, prächtge Villen und Wolkenkratzer zu. Typische Kinomomente, die später auf der DVD untergehen werden – (noch) kein Bildschirm kann die Cinemscope-Leinwand übersetzen.

Erinnerungen an den Verschwörungsthriller

Tykwer wird senem Ruf, exzellent inszenieren zu können, gerecht („Das Parfum“ – 2006; Heaven – 2002; Der Krieger und die Kaiserin – 2000; Lola rennt – 1998; „Winterschläfer“ – 1997). In früheren Filmen machte er sich dies mit überambitioniertem Geschichtenerzählen zunichte, zog seine Stories in die Länge und in bedeutungsschwere Leere. Im „International“ kann er sich ganz aufs Inszenieren beschränken. Denn die Story ist komplex, aber simpel gestrickt. Sie baut auf Verschwörungsängste und die Lust am Böse-Hintermänner-Bashing, wie das in den 1970er Jahren modern war – „Zeuge einer Verschwörung“, Drei Tage des Condor etc..

Was genau den bösen Chefbanker aus der Riege anderer Banker heraus hebt, bleibt im Unkonkreten; es ist von Putsch-Finanzierung in einem afrikanischen Land die Rede und der Erkenntnis, dass echte Banker von den Schulden leben, die andere bei ihnen haben. Gut, das ist nicht spektakulär, aber weil dieser spezielle Banker, von Ulrich Thomsen mit lockerer Nine-to-Five-Coolnes gespielt, jede Menge Profikiller ins Rennen schickt, bekommt der Film Drive. Dem steht Clive Owen (Elizabeth – Das goldene Königreich – 2007; „Shoot 'Em Up“ – 2007; Sin City – 2005; „Hautnah“ – 2004; Die Bourne Identität – 2002) mit gewohnt souveräner – und treffsicherer – Ruhe gegenüber. Ein Rätsel bleibt, wohin sich Naomi Watts („Funny Games U.S.“ – 2007; King Kong – 2005; „21 Gramm“ – 2003; „Ring“ – 2002; „Mulholland Drive“ – 2001) etwa nach der Hälfte des Films hin verabschiedet – okay: „nach New York“, aber ihr im weiteren Verlauf des Films Fernbleiben nimmt ihrer Rolle den Sinn.

Dialog ist hier kein Sound-Design

Es ist dem Zuschauer allerdngs nicht dienlich, wenn er zu laut im Popcorn raschelt. Denn den roten Faden verliert sofort, wer glaubt, die Dialoge zwischen den Schusswechseln seien nur ein weiteres Sound-Design. Die komplexen Zusammenhänge zwischen Berlin, Mailand, New York werden hauptsächlich in Dialogen aufgedröselt. Wer da zu lange überlegen muss, wer jetzt nochmal Person X war, über die gerade gesprochen wird, und wer Person Y, der hat verloren – den Faden und den Zugang zur Story. Auch das aber ist ja ein Muster schon der alten Verschwörungsthriller.

Es ist toll, Tykwer dabei zuzusehen, wie er sich an seinem Filmbaukasten freut wie ein kleiner Junge, Klötzchen auf Klötzchen schichtet und stets ein Auge drauf hat, dass nichts zusammenfällt. Das Attentat auf einer italienischen Plaza ist ebenso sehenswert, wie die Einstiegssequenz vor dem Berliner Hauptbahnhof im strömenden Regen. Und ich schätze, in den Tagen, in denen die Schießerei im Guggenheim-Museum (nachgebaut in den Potsdamer Babelsberg-Studios) inszeniert wurde, ist Tykwer jeden Tag mit vor Vorfreude glänzenden Augen aufgewacht – „Uuiii, das wird ein Spaß!“ Davon erzählt dieser lohnende Kinobesuch.

Wertung: 6 von 7 €uro
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