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Kinoplakat: The Expendables
Eine Art Familienfilm mit 
echt analogem Testosteron
Titel The Expendables
(The Expendables)
Drehbuch Dave Callaham + Sylvester Stallone
Regie Sylvester Stallone, USA 2010
Darsteller Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Mickey Rourke, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Randy Couture, Steve Austin, David Zayas, Giselle Itié, Charisma Carpenter, Gary Daniels, Terry Crews, Hank Amos, Amin Joseph, Senyo Amoaku u.a.
Genre Action
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
26. August 2010
Website expendables-derfilm.de
Inhalt

Nachdem eine Söldnergruppe um Barney „The Schizo” Ross erfolgreich Geiseln von einem geenterten Schiff im Golf von Aden befreit hat, bekommt Ross von einem „Mr. Church” einen neuen Auftrag: Er soll mit seiner Gruppe von Söldnern, den „Expendables”, die kleine Insel Vilena von der dortigen Militärdiktatur befreien.

Ross und Lee Christmas kundschaften die Insel als Späher aus. Sie lernen dabei Sandra, die Tochter des dort herrschenden Generals Garza, kennen, die gegen die Diktatur ihres Vaters kämpft. Als sie auf dessen Männer treffen, müssen sie Hals über Kopf fliehen. Sandra entscheidet sich dabei, auf der Insel zu bleiben.

Dann kommt heraus, dass Garza nur ein Strohmann von James Munroe ist – einem ehemaligen CIA-Agenten. Der will durch Garza über die Insel herrschen und Kokain anbauen. Ross' Männer finden außerdem heraus, dass der Auftrag, Garza zu stürzen von der CIA kommt, die so wieder die Kontrolle über die Insel und das Kokain bekommen will …

Was zu sagen wäre

… und der Rest ist irgendwie so ein bisschen Phantom-Kommando (1985), gemixt mit der City Cobra (1986).

Ich bin austauschbar“ („I'm expendable“), sagt der Vietnam-Veteran John Rambo und in der Rückschau dürfen wir annehmen, dass dies Sylvester Stallones Lieblingszeile ist in Rambo II (1985). Umgekehrt wäre es auch nicht so verwegen anzunehmen, dass er spätestens seit 1985 mit dem Gedanken spielte, diese militärische Personalpolitik („austauschbar“) zu einem eigenen Filmthema zu machen. Das lag – erstens – nahe. Und zweitens wirkt Stallones „The Expendables“ tatsächlich wie aus der Zeit gefallen. Hier feiern die 1980er-Jahre fröhliche Urständ – bis hin zu den Vokuhila-Matten mancher Akteure.

Man sollte den Marketendern des Business' nicht über den Weg trauen, man sollte aber auch die griffige Formel von der „handmade Action“, der Action ohne Computer-Effekte, nicht wegen von vorneherein nicht durchzuhaltender Glaubwürdigkeit beiseite schieben. Der 80ies'-Charme erweist sich in der rabulistischen Machart und der Muskelschweiß-Note der Kerle. Was hier explodiert, explodiert analog und also wirklich. Ein schönes Guck-Gefühl macht sich da im Kinosessel breit in der Erkenntnis, wie knallbunt und leer die Computer-Bilder aktueller Kinoware sind.

Stallone beweist, dass diese Art Kino weder in die Schmuddelecke des privat organisierten Nachtprogramms gehört, noch auf den Müllhaufen gewesener Kinotrends. Seine brachiale Männer-Oper ist bestes Anything Goes und beweist – dies als drittes – dass Stallone durchaus genügend Humor besitzt, um sich und seine Charaktere ironisch zu spiegeln. Dass er dies seinem Rambo (1982) nicht habe angedeihen lassen, wird seitdem gegen ihn argumentiert. Es fällt mir immer noch schwer, mir den Original-Rambo, First Blood, mit dem geforderten „Schuss Selbstironie“ vorzustellen. Aber das ist dann mit Expendables ja jetzt gegessen: Stallone hat Humor. *uff* Und alle seine Mitstreiter ganz offensichtlich auch. Mickey Rourke ist ein echter Hingucker als Leder-Proll (Iron Man 2 – 2010; Sin City – 2005; Mann unter Feuer – 2004; Irgendwann in Mexico – 2003; Das Versprechen – 2001; Get Carter – Die Wahrheit tut weh – 2000; „Der Regenmacher“ – 1997; „White Sands“ – 1992; Angel Heart – 1987; 9 1/2 Wochen – 1986; Im Jahr des Drachen – 1985; Rumble Fish – 1983; American Diner – 1982).

Die Auftritte von Arnold Schwarzenegger und Bruce „Die Hard“ Willis sind komplett entbehrlich – diese Drehbuch-Notwenigkeit, dem Film eine Background-Story und Argumentationshilfe für seine Actionsequenzen zu geben, hätte jedes Dutzend-Gesicht spielen können. Aber es sind eben Schwarzenegger und Willis. Die gehören zur Familie. Wie Stallone. Und Rourke. Und der neue, Jason Statham, ist auch dabei. Da macht sich im Bauch des Zuschauers, der seine Pubertät in den 1970er Jahren erlebt hat, ein wärmendes Familie-Gefühl inmitten der frostigen Männerwelt breit.

Und wenn wir schon bei der Freude über die Darsteller sind: Schön auch, das Sylvester Stallone die Qualitäten Eric Roberts' so gut einschätzen kann. Der Mann, der sich gerne als „Julias Bruder“ vermarkten lässt, kann Zähnefletchen, böse gucken und Fluchen besonders gut. Nichts weiter hat er hier zu tun. Aber ziselierte Schauspielkunst zwischen all dem Testosteron wäre ja auch verschenkt.

Wertung: 5 von 7 €uro
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