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Kinoplakat: The Equalizer
High-End-Produkt mit
erwartet dünner Story
Titel The Equalizer
(The Equalizer)
Drehbuch Richard Wenk
nach der geichnamigen TV-Serie von Michael Sloan + Richard Lindheim
Regie Antoine Fuqua, USA 2014
Darsteller Denzel Washington, Marton Csokas, Chloë Grace Moretz, David Harbour, Haley Bennett, Bill Pullman, Melissa Leo, David Meunier, Johnny Skourtis, Alex Veadov, Vladimir Kulich, E. Roger Mitchell, James Wilcox, Mike O'Dea, Anastasia Sanidopoulos Mousis u.a.
Genre Action
Filmlänge 132 Minuten
Deutschlandstart
9. Oktober 2014
Inhalt

Robert McCall führt als Angestellter in einem Baumarkt ein unscheinbares Leben. Er ist allseits beliebt, immer hilfsbereit und in der lage, über sich selbst zu witzeln. Allerdings hat er ein schlafproblem – er schläft so gut wie nicht, verbringt seine Nächte statt dessen Bücher lesend in einem Diner. Hier lernt er Teri kennen. Und das verändert alles.

Teri ist eine junge Prostituierte, die ihre Zeit zwischen zwei Kunden im selben Diner verbringt und eines Nachts wird McCall Zeuge, wie sie von ihrem Zuhälter verprügelt wird. McCall macht kurzen Prozess: Es gibt Tote und fortan hat er die Russenmafia am Hals. Jetzt droht McCall seine Vergangenheit einzuholen.

Kinoplakat: The EqualizerWas niemand weiß und wissen soll: McCall ist ein ehemaliger Agent eines Spezialkommandos, hat seinen eigenen Tod vorgetäuscht und versucht nun, seine neue Identität und sein relativ friedliches Leben in Boston vor den Schatten der Vergangenheit zu schützen …

Was zu sagen wäre

An Filmen wie diesem, die keine andere Ambition haben, als unterhalten zu wollen, kann ich schön sehen, warum ich solche Filme gerne gucke: Sie sind ausgezeichnet fotografiert und geschnitten, haben knackig geschriebene Dialoge, die Typen sind kantig geschrieben und gespielt und die Story versucht nicht mehr zu sein als spannend oder witzig; der den-gucke-ich-mehrfach-Faktor entsprechendist hoch.

Dafür verzichte ich auf eine intelligente Handlung, facettenreiche Figuren und überraschende Entwicklungen. Hier auch: Antoine Fuqua (Olympus Has Fallen – 2013; Gesetz der Strasse – Brooklyn's Finest – 2009; „Shooter“ – 2007; „King Arthur“ – 2004; „Tränen der Sonne“ – 2003; Training Day – 2001; Bait – Fette Beute – 2000; The Replacement Killers – 1998) bleibt sich treu und erzählt von harten Männern in einer harten Welt, in der ein falscher Schritt dein letzter ist. Das packt er in ein bündig choreografiertes Bilderkarussell, das in den besseren Momenten durchaus die Eleganz eines Balletts erreicht. In der polierten Inszenierung hat er viel von seinem mittlerweile verstorbenen Regiekollegen Tony Scott abgeguckt, mit dem er auch die Vorliebe für seinen Hauptdarsteller Denzel Washington teilt.

Denzel Washington (2 Guns – 2013; Flight – 2012; Safe House – 2012; „Unstoppable: Außer Kontrolle“ – 2010; Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3 – 2009), hat unter Fuqua schon einen Oscar erspielt in Training Day; das war noch zu jener Zeit, als Fuqua noch rauer inszenierte und der Kinogänger eher überrascht zur Kenntnis nahm, dass Mr. Washington, der bis dato eher als bis an die Grenze zur Langeweile gelackter Good Guy auftrat (Der Knochenjäger – 1999; Ausnahmezustand – 1998; „Rendezvous mit einem Engel“ – 1996; Crimson Tide – 1995; Philadelphia – 1993), auch Bad Guy ganz gut kann – was bei ihm freilich nur bedeutete, Oscar hin oder her, dass er von seinen wenigen Gesichtsausdrücken noch ein paar mehr ausschaltete und auf diese Weise stattlich bedrohlich aussah. Mittlerweile hat er jenes Alter erreicht, das zu seinem melancholischen Blick passt. Als schlankere Version Arnold Schwarzeneggers jedenfalls sticht er, Fuqua und Washington dürften sich mittlerweile ohne Worte und ohne Regieanweisung verstehen.

Unter Wert verkauft wird Chloë Grace Moretz (Grow Up!? - Erwachsen werd' ich später – 2014; Carrie – 2013; Dark Shadows – 2012; Hugo Cabret – 2011; Let Me In – 2010; Kick-Ass – 2010), die die junge Prostituierte Teri – also die Auslöserin der ganzen Geschichte – spielt. Sie spielt professionell ihre Zeilen durch, bekommt aber keine Szene zum Glänzen; Fuqua hat sich für die zielstrebige Unbekümmertheit interessiert, die sie seit ihrer Rolle als Hit-Girl in Kick-Ass zu ihrem Markenzeichen ausgebaut hat.

Der Film hat überraschende Schausplätze: Treffpunkt des schweigsamen Schlaflosen und der Prostituierten ist ein bei Edward Hopper entlehntes Nighthawks-Diner, das ausgesprochen gemütlich wirkt. Der Showdown findet im Baumarkt statt, wo es neben allerlei handwerkszeug für professionelle Killer auch eine Sprinkleranlage gibt, die die Szenerie in eine Art Regenwald verwandelt.

Nichts neu ist an der Story: Den einfachen Mann mit Geheimdienst-Vergangenheit hat Steven Seagal schon in den 1980er Jahren kultiviert, Chuck Norris ebenso oder Jean-Claude van Damme; im vorliegenden Fall ist nur die Verpackung um Klassen hochwertiger. Und die böse Russenmafia (oder Osteuropa-Mafia) ist nicht erst seit den großen Erfolgen der „Taken“-Filme mit Liam Neeson Liebling der Actionfilmer.

Wer einfach nur eine Geschichte erzählen, eine Message bringen möchte, sollte Artikel oder Bücher schreiben. Gute Arbeit der unterschiedlichen Gewerke zu einem Großen Ganzen zu choreografieren – Kamera, Schnitt, Maske, Kostüm, Design, Ausstattung, Score, Schauspielerei, Ton – gehört zum Kino unbedingt dazu. Der Satz, ein guter Film brauche „vor allem drei Dinge, ein gutes Drehbuch, ein gutes Drehbuch und ein gutes Drehbuch“, beinhaltet ja nicht zufällig das Wort „Dreh“. Ein gutes Drehbuch macht auch aus einer dünnen Story wie der vorliegenden noch einen ansehbaren Film.

Wertung: 4 von 8 €uro
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