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Plakatmotiv: Die verwegenen Sieben (1983)
Ted Kotcheff belebt die
Kommandofilme der 60er
Titel Die verwegenen Sieben
(Uncommon Valor)
Drehbuch Joe Gayton
Regie Ted Kotcheff, USA 1983
Darsteller Gene Hackman, Robert Stack, Fred Ward, Reb Brown, Randall 'Tex' Cobb, Patrick Swayze, Harold Sylvester, Tim Thomerson, Alice Lau, Kwan Hi Lim, Kelly Junkerman, Todd Allen, Gail Strickland, Jane Kaczmarek, Gloria Stroock u.a.
Genre Krieg, Action
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
23. März 1984
Inhalt

Colonel Jason Rhodes lebt seit über zehn Jahren in einem Albtraum auf der Suche nach seinem Sohn, der in Vietnam als vermisst gilt. Nach erfolgloser Recherche bei der Regierung nimmt Rhodes die Sache selbst in die Hand.

Mit der finanziellen Unterstützung eines texanischen Ölbarons und fünf Freunden seines Sohnes von den Marines bereitet Rhodes eine wagemutige Mission vor. Nach Wochen des mörderischsten Trainings brechen die Veteranen nach Laos auf. Dort beginnt die letzte Schlacht in Vietnam …

Was zu sagen wäre

Aus dem Vietnam-Film ist ein bisschen die Luft raus. Nachdem in den 70ern erst Michael Cimino den Krieg mit „Die durch die Hölle gehen“ (1978) zum ultimativen Zersetzer humanitärer Gesellschaft machte, Francis Ford Coppola ihn mit Apocalypse Now (1979) zum metaphysischen Trip, oder Hal Asby ihn mit „Coming Home“ zum Familiendrama verdichtete, war über den so ungeliebten Krieg alles gesagt; und mit „Hair“ gibt es längst auch das Musical zum Krieg. Dann drehte Ted Kotcheff noch Rambo – First Blood (1982) und damit war auch der Blick auf den Kriegsheimkehrer erschöpfend behandelt, und dieser Kriegsheimkehrer war offenbar genauso unbeliebt wie der Krieg, aus dem er kam. Die Amerikaner in diesen Filmen wollten mit diesem Jahre zurückliegenden Krieg, der für sie so schmachvoll geendet hatte, nichts mehr zu tun haben und ließen dessen Protagonisten im Stich – eine Parallele zur Sicht vieler Veteranen, die sich im echten Krieg von ihrer Regierung und ihrer militärischen Führung im Stich gelassen fühlten.

In den USA wabern seit Jahren Mutmaßungen, Gerüchte, angebliche Beweise dafür, dass es immer noch Gefangenenlanger in Vietnam gibt. Daraus hat Ted Kotcheff, der Rambo-Regisseur, jetzt einen gradlinigen Actionfilm gemacht, in dem die Amerikaner jetzt doch mal gewinnen dürfen in Vietnam. Das US-Plakatmotiv zum Film tönt passend dazu: „Okay, Lass uns nach Hause gehen!

Kotcheff greift auf Strukturen jener Kommandofilme zurück, die in den späten 60er Jahren en vogue waren (Agenten sterben einsam – 1968; Der Etappenheld – 1968; Das dreckige Dutzend – 1967; Die Kanonen von Navarone – 1961), in denen ein Trupp grimmer Männer hinter den feindlichen Linien Rettungseinsätze oder Attentate verüben. Heute ist es ein altgedienter Ex-Colonel, der an den Behörden seines Landes verzweifelt, weil niemand seine Theorien und unscharfen Fotobeweise sehen will, die darauf hindeuten, dass es im Dschungel noch Gefangenenlager gibt, in denen er auch seinen vermissten Sohn vermutet. Elf Jahre hat sich der Mann hinhalten lassen, bis er die Schnauze voll hat von den – wieder – Männern in Maßanzügen, die in Washingtoner Büros „auf ihren Ärschen sitzen“, er also das Schicksal selbst in die Hand nehmen muss – die Verwerfungen, die die US-Politik während und nach dem Krieg in Vietnam in der eigenen Bevölkerung ausgelöst hat, sind fester Bestandteil der Vietnamfilme. Diese Hinterzimmer-Sesselpupse drohen denn auch schurkenmäßig dem Finanzier der Rettungsaktion, einem schwer reichen Unternehmer, unverhohlen mit der Steuerbehörde: „Du bist mein Freund. Wir wollten es nicht so weit kommen lassen. Aber wir sind drauf und dran, gewisse Sanktionen gegen Dein Unternehmen einzuleiten. Kartelluntersuchungen … Anti-Trust-Klagen …

Den grimmen Colonel spielt der ebenso altgediente Kino-Haudegen Gene Hackman („Unter Feuer“ – 1983; „Reds – Ein Mann kämpft für Gerechtigkeit“ – 1981; Superman – 1978; „Die Brücke von Arnheim“ – 1977; French Connection II – 1975; Frankenstein Junior – 1974; „Der Dialog“ – 1974; Die Höllenfahrt der Poseidon – 1972; French Connection – Brennpunkt Brooklyn – 1971; „Bonnie und Clyde“ – 1967). Der versammelt Männer mit traumatisierter Vergangenheit um sich – „Der Boden war so tief gefrorenen, dass wir unsere Toten nicht begraben konnten.“ – und dann läuft es alles in allem nach Schema F ab. Es ist ein Film, in dem die Pyrotechniker mehr zu tun haben, als Schauspieler und Regisseur.

<Nachtrag2001>Die Jagd auf zu befreiende Kriegsgefangenen wurde in Hollywood nach diesem Film zu einem Subgenre des Vietnamfilms. Plötzlich war praktisch ganz Vietnam ein Gefangenenlager, aus dem B- und C-Actionmovie-Helden immer wieder Amerikaner heimbrachten und Vietnamesen im Dutzend killten. Chuck Norris drehte die „Missing in Action“-Filme über Rettungsmissionen im Nachkriegsvietnam. George Pan Cosmatos drehte zwei Jahre nach Kotcheffs „Verwegenen Sieben“ eine Fortsetzung von Kotcheffs Rambo, in dem der Veteran zurück nach Vietnam geht, um vergessene Kriegsgefangene rauszuhauen. Rambo II – Der Auftrag erzählt im Grunde dieselbe Geschichte wie Kotcheffs „Uncommon Valor“ (Außergewöhnliche Tapferkeit); nur nicht als Kommandofilm, sondern als Einzelkämpfer-Movie. Der vorliegende Film spielte ordentliche 31 Millionen Dollar ein und ging in der gesellschaftlichen Wahrnehmung unter. Ganz anders Cosmatos' Film zwei Jahre später mit dem sehr populären Sylvester Stallone in der Rolle des ebenfalls populären Einzelkämpfers. Kritiker und Zuschauer nahmen es Hollywood übel, dass da ein einzelner Mensch nachträglich den Vietnamkrieg gewinnen konnte, ärgerten sich über Verharmlosung des Kriegs und Gewaltverherrlichung. Rambo II kostete rund 26 Millionen Dollar und spielte weltweit 300 Millionen Dollar ein.</Nachtrag2001>

Wertung: 4 von 9 D-Mark
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