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Kinoplakat: Disneys Tarzan
Der Herr des Dschungels surft gut
gelaunt zu Phil Collins' Pop-Musik
Titel Tarzan
(Tarzan)
Drehbuch Tab Murphy + Bob Tzudiker + Noni White + Stephen J. Anderson + Mark Kennedy + Carole Holliday + Gaëtan Brizzi + Paul Brizzi + Don Dougherty + Ed Gombert + Randy Haycock + Don Hall + Kevin Harkey + Glen Keane + Burny Mattinson + Frank Nissen + John Norton + Jeff Snow + Michael Surrey + Chris Ure + Mark Walton + Stevie Wermers + Kelly Wightman + John Ramirez
nach dem Buch von Edgar Rice Burroughs
Regie Chris Buck & Kevin Lima, USA 1999
Stimmen

Tony Goldwyn/Jaron Löwenberg, Minnie Driver/Anke Engelke, Nigel Hawthorne/Osman Ragheb, Brian Blessed/Michael Brennicke, Phil Proctor/Ivar Combrinck, Glenn Close/Eva Mattes, Lance Henriksen/Joachim Höppner, Rosie O’Donnell/Heike Makatsch, Wayne Knight/Detlev Buck, Alex D. Linz/Max Felder, Taylor Dempsey/Tim Schwarzmaier u.a.

Genre Trickfilm
Filmlänge 88 Minuten
Deutschlandstart
11. November 1999
Website WaltDisney.org
Inhalt

Schiffbruch zwang das britische Paar, Zuflucht im nahegelegenen dunklen Dschungel zu suchen. Rettung war ausgeschlossen. Also richtete sich das Paar auf ein neues Leben ein, errichtete ein Haus hoch oben in den Wipfeln der Bäume und gebar ein Kind.

Monate später findet die Gorilladame Kala die verwaiste Hütte. Offenbar hat ein Raubtier ganze Arbeit geleistet. Überlebt hat nur ein kleines, haarloses Kind, dass die Gorilla-Dame in ihre Obhut nimmt. Die Jahre gehen in den Dschungel. Das Kind, „Tarzan” genannt, wächst auf wie ein Affe, bewegt sich flink wie ein Affe und ist tollkühner als seine Stief-Geschwister. Nur der Stammvater der Gorillas, Kerchak, will Tarzan nicht akzeptieren, sieht durch ihn großes Unheil auf die Kolonie zukommen.

Er soll recht behalten.

Eines Tages tauchen Wesen im Dschungel auf. Wesen, die aussehen wie Tarzan. Es sind ein alter Gorillaforscher und seine junge Tochter Jane. Sowas wie das Mädchen hat Tarzan noch nie gesehen. Keiner ahnt, dass der Führer der beiden Forscher Übles im Schilde führt …

Was zu sagen wäre

Als Trickfilm losgelöst von physikalischen Realitäten und Beschwernissen tobt der Herr des Dschungels jetzt leichtfüßig durch den Wald von Liane zu Liane, surft über Baumstümpfe und Äste und ist dem Schurken mit maliziösem Lächeln, dessen Vorbild Clark Gable in John Fords Mogambo (1953) ist, immer einen Schritt voraus.

Großes Erzählkino

Die (vielen) Autoren haben aus dem Abenteuer aus Edgar Rice Burroughs‘ Feder einen zu Herzen gehenden Familienfilm gemacht mit einem Einstieg, bei dem manche Kinder vielleicht doch lieber noch an der Popcorn-Theke vor dem Kinosaal ausharren sollten. Mit schnellen Schnitten, plakativen Bildern wird da Tarzans Herkunft skizziert, wie seine Eltern sich nach Schiffbruch retten, sich im Dschungel einrichten, wie Kala schließlich das Kind in der Wiege findet und anhand von Tatzenspuren das Schicksal der Eltern des Jungen versteht.

Kinoplakat: Disneys Tarzan

Das ist Erzählkino auf hohem Niveau. Wenn Tarzan seine Wiege findet, benimmt und bewegt er sich, wie ein … Affe, nicht wie ein Mensch. Er nimmt diese Vergangenheit, die nicht die seine war, als Familiengeschichte zur Kenntnis, die abgeschlossen ist. Die Disney-Leute machen aus dieser Situation eine kunstvolle Miniatur, unterstreichen das Drama, das in der Szene steckt dadurch, dass Kala vor der Tür wartet – bangend, dass sie ihren adoptierten Sohn verlieren könnte: „No matter, where I go, You will always be my mother“, sagt Tarzan dann. Er hat sich längst entschieden, wo er hingehört. Und wenn er die wirklich bezaubernde Jane kennenlernt, ist auch bei der von vorneherein klar, dass sie es im Dschungel gut aushalten kann.

Tolle Bildsprache und Phil Collins

Die Regisseure Chris Buck und Kevin Lima (Der Goofy-Film – 1995) brauchen genau ein Bild, um die Abenteuer-Gene Tarzans zu erklären. Im erwähnten Prolog stemmt sein Vater einen schweren Baum für den Hausbau und wie selbstverständlich springt seine Frau ihm bei – im Dschungel ist kein Platz für Geschlechterrollen. Solchen Eltern traut man einen Jungen wie Tarzan zu.

Auf der Tonspur läuft zu diesen Szenen Phil Collins mit dem Song „Two Worlds (one Family)“. Der Easy-listining-Pop-Maestro steuert insgesamt fünf Songs bei (die er auch in japanisch, französisch, und deutsch eingesungen hat). Erstaunlicherweise geht das nicht schief. Obwohl allesamt Ohrwürmer, stören sie nicht den Erzählfluss, im Gegenteil. Phil Collins wird zum Storyteller. Die Songs machen aus dem dramatischen Abenteuer buntes Pop-Art-Kino mit erstaunlicher Tiefe und – aber das überrascht bei Phil Collins, der von Haus aus Drummer und Perussionist ist, nicht – Rythmus. In einer Szene entdecken die jungen Affen das Camp der Menschen. Sie schauen sich um, schnüffeln hier, grabschen da und … machen Geräusche, die sich im Laufe der Situation zu einem wunderbaren Percussion-Solo steigert.

Disneys Animation ist überragend

Die Qualität der Animaton hat bei Disney eine Evolutionsstufe übersprungen, fast dreidimensional wirkt das Bild, grobe Striche, wie sie noch bei Mulan im Jahr zuvor auftauchten, gibt es nicht mehr. Deutlich haben Computer Einzug gehalten am Arbeitsplatz der  Zeichner. Ein Tool namens „Deep Canvas“ erlaubt CGI-Hintergünde, die (nur noch) wie Zeichnungen aussehen.

Dieser hier ist rundum gelungen und steht am Ende der zweiten goldenen Ära der Disney-Trickfilme - am Horizont war mit Toy Story und Monster AG schon der Trickfilm der Zukunft angetreten, die der Kunst des Zeichentricks bald den Garaus machen würden.

Wertung: 11 von 11 D-Mark
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