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Plakatmotiv: Ocean's Twelve (2004)
Die Fortsetzung scheitert an
der Coolness der Originals
Titel Ocean's Twelve
(Ocean's Twelve)
Drehbuch George Nolfi + George Clayton Johnson + Jack Golden Russell
Regie Steven Soderbergh, USA 2004
Darsteller George Clooney, Brad Pitt, Julia Roberts, Catherine Zeta-Jones, Andy Garcia, Matt Damon, Don Cheadle, Vincent Cassel, Elliott Gould, Bernie Mac, Carl Reiner, Robbie Coltrane, Eddie Izzard, Eddie Jemison, Casey Affleck, Ed Kross, Don Tiffany, Anne Jacques, David Sontag, Larry Sontag, Dina Connolly, Scott Caan, Nelson Peltz, Mini Anden, Shaobo Qin, Cherry Jones, Albert Finney, Bruce Willis, Mini Anden, Jared Harris, Don Tiffany, Topher Grace, Scott L. Schwartz u.a.
Genre Thriller, Crime
Filmlänge 125 Minuten
Deutschlandstart
16. Dezember 2004
Inhalt

Casino-Boss Benedict sinnt auf Rache und schickt den Meisterdieben um Danny Ocean einen europäischen Supergauner an den Hals. Der verwickelt die zum Dutzend aufgestockte Bande in einen bizarren Wettstreit.

Plakatmotiv: Ocean's Twelve (2004)Nach einer Zusammenkunft in Chicago geht es unter anderem nach Amsterdam, Rom und Paris, um nationale Kunst- und Schmuckschätze aus bestens bewachten Asservaten wie dem Louvre zu stibitzen.

Dabei ist ihnen eine attraktive Europol-Agentin dichter auf den Fersen, als alle denken …

Was zu sagen wäre

Die Welt hat sich geändert. Jetzt ist es eine Welt voller Menschen, denen es Spaß macht, andere zu betuppen und andere daran zu hindern, sie selbst zu betuppen. Eine Fortsetzung unterliegt in Hollywood Regeln. Es muss etwas passieren, was im Vorgänger noch nicht passiert ist.

Nun ist aber im ersten Teil schon … nichts passiert. Ocean's Eleven ist ein gut gelauntes Anything-Goes-Movie, das davon lebt, dass Hindernisse einfach per Filmschnitt und cooljazzigem Score wegorchestriert werden. Es kommt auf die smarten, fingerlickin' good lookin' Guys an, die mich (egal ob m oder w) im Kinosessel mit ihren Tricks verzaubern. Story second, Guys first. Diese Fortsetzung stolpert darüber, dass sie es eigentlich besser macht.

Komplexität steht den Ocean's-Filmen nicht. Wenn wir den Mitgliedern der Gang dabei zusehen, wie sie hinter dicken Gittern in pastellfarbenen Zellen darben, sinken Temperatur und Laune im Publikum. Für Probleme habe ich kein Geld für das Ocean's-Ticket gelöst, ich wollte es wieder so locker haben. Und am Ende stimmt auch alles wieder. Um den Preis einer sehr großen Konstruktion über drei Ebenen.

Und eben das macht den Film so schwer. Alte Lieben werden beschworen, tote Väter, weitere Meisterdiebe, die in Wettbewerb treten wollen, ganze Häuser müssen angehoben werden für lächerliche 2,5 Millionen Euro Gewinn; da fühle ich mich lange nicht zuhause, aber auch nicht gut unterhalten, denn: nähme ich das alles ernst, was mir da auf der Leinwand erzählt wird, wäre die ganze Edelräuber-und-Edel-Gendarm-Kiste ein großer Mist! Sie funktioniert nur über das Spielerische, das Anything-Goes eben.

Plakatmotiv: Ocean's Twelve (2004)Matt Damon bekommt mehr Spielfläche (Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind – 2002; All die schönen Pferde – 2000; Forrester – Gefunden! – 2000; Die Legende von Bagger Vance – 2000; Der talentierte Mr. Ripley – 1999; Dogma – 1999; Der Soldat James Ryan – 1998; Good Will Hunting – 1997; Der Regenmacher – 1997; Chasing Amy – 1997). Zu Produktionszeiten von Ocean's Eleven noch war er ein interessaner Schauspieler mit Potenzial. Mitterweile hat er die Kinokassen mit zwei Jason-Bourne-Filmen gerockt, also braucht er Platz im Ensemble. Und so seltsam Linus' Emanzipationsversuche als Nachwuchs-Profigauner in dieser Profigaunerwelt auch wirken, Damon spielt das ohne Manierismen so locker, als spiele er gar nicht.

Julia Roberts ist … gar nicht Julia Roberts („Hautnah“ – 2004; Mona Lisas Lächeln – 2003; Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind – 2002; Ocean's Eleven – 2001; America's Sweethearts – 2001; Erin Brockovich – 2000; Die Braut, die sich nicht traut – 1999; Notting Hill – 1999; Fletchers Visionen – 1997; Die Hochzeit meines besten Freundes – 1997; Alle sagen: I love you – 1996; Mary Reilly – 1996; The Player – 1992; Hook – 1991; „Flatliners“ – 1990; Pretty Woman – 1990; „Magnolien aus Stahl“ – 1989; „Mystic Pizza“ – 1988). Der Abspann klärt uns über die Gastauftritte im Film auf, wo es dann unter anderem heißt „introducing Tess as Julia Roberts“. Hier meldet sich der klassische Steven Soderbergh zurück. Der in Hollywwod gut vernetzte Regisseur hatte sie für Teil 1 gewinnen können und rollt ihr jetzt den roten Teppich aus. Als Oceans Ehefrau Tess soll sie für einen Raub in Rom wegen ihrer Ähnlichkeit Julia Roberts spielen. Sie – und alle Bewteiligten – tut das mit Lust, dekonstruiert ihre PR-Julia-Roberts und trifft auch noch auf Bruce Willis, der sie auch für die echte Julia hält und es kommt zu einer sehr schönen, hektischen Fehlervermeidungsorgie auf höchstem gesellschaftlichen Nivieau. Dass auch Willis wirkt, als habe er großen Spaß bei seiner Kleinstrolle, spricht für die Laune beim Dreh insgesamt, die sich in den Kinosaal überträgt.

Wenn unmittelbar vor Start des Abspanns die Dinge wieder im Lot sind, die Gaunerfamilie komplett ist, stimmt die Stimmung wieder. Aber ich werde das Gefühl nicht los, als hätten Soderbergh und seine Autoren die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als das Studio verfügte, da müsse müsse gefälligst eine Fortsetzung für den erfolgreichen Ocean's Eleven her.

Wertung: 3 von 6 €uro
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