IMDB
Plakatmotiv: Ocean's 13 (2007)
Zurücklehnen, entspannen
Auf das Unmögliche vertrauen
Titel Ocean's 13
(Ocean's Thirteen)
Drehbuch Brian Koppelman + David Levien
mit Charakteren von George Clayton Johnson + Jack Golden Russell
Regie Steven Soderbergh, USA 2007
Darsteller George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Michael Mantell, Elliott Gould, Vincent Cassel, Andy Garcia, Ray Xifo, Al Pacino, Adam Lazarre-White, Eddie Jemison, Don Cheadle, Shaobo Qin, Casey Affleck, Scott Caan, Bernie Mac, Carl Reiner, Ellen Barkin, Jerry Weintraub, Julian Sands, Oprah Winfrey u.a.
Genre Thriller, Crime
Filmlänge 122 Minuten
Deutschlandstart
6. Juni 2007
Inhalt

Tishkoff, einer von den ursprünglichen Ocean´s Eleven, baut zusammen mit dem skrupellosen Geschäftsmann Banks ein neues Casino. Geschäftlich war das für Tishkoff ein schlechter Deal, denn er wurde übers Ohr gehauen.

Das ruft seinen Kumpel Ocean wieder auf den Plan. Er will mit seinem Team die Bank des Casinos sprengen und somit dafür sorgen, dass Banks an seiner sensiblen Stelle getroffen wird: seinem Portemonnaie …

Was zu sagen wäre

Wenn man einen einachen Heist-Film zu solchem Erfolg führt, dass er zwei Fortsetzungen zur Folge hat, bekommt man leicht ein Problem: Was soll man noch Überraschendes erzählen? Offenbar hat sich Steven Soderbergh einfach gedacht Dasselbe wie immer, nur als große Familiensaga. Danny Ocean grinst seinem Antagonisten am Ende ins Gesicht und sagt, er kenne all die Typen, diese „Profis, die wissen, wie man einem schadet, und die mögen mich mehr als sie.

Der Film ist ein großer Quatsch. Ein Vergnügen, ja. Aber Quatsch. Hauptsache, das Feel Good gewinnt. Und Frank Sinatra singt „This Town is a lonely Town, is a Make-You-Town!“ Steven Soderbergh serviert ein Gefühl, keine ernst zu nehmende Geschichte. Nach einer halben Stunde hat er schon verraten, wie die Geschichte ausgehen wird. Nachdem Danny und Rusty ihrem technischen Ausstatter Roman erklärt haben, was sie schon alles getan und beeinflusst haben, um am Premierenabend groß abzuräumen, sagt Roman „Ihr seid analoge Spieler in einer digitalen Welt. Ihr seid erledigt.“ Denn da ist noch der Greco Player Tracker.

Der dann aber natürlich auch kein Problem darstellen wird.

Das ist halt ein Ocean's-Film, da geht, das wissen wir im Kinosessel, nichts schief und also schauen wir anschließen 90 Minuten dabei zu, wie ein absolut irrwitziger Plan am Ende doch funktioniert, ohne, dass eine Anstrengung zu erkennen wäre – weder bei den Figuren, noch bei der Regie, noch gar bei den Schauspielern. Die einst entscheidenden Frauen spielen nicht mehr mit. Danny und Rusty haben da gerade Beziehungsprobleme, die sie bei einem Spaziergang durchs romantische abendliche Las Vegas nur in typisch männlichen Anspielungen besprechen – „Es ist so …“ „Ja, Du hast recht!“ „Schwierig, weil … “ „Exakt“; und dann erinnern sie sich ausführlich daran, wie sie Reuben kennenlernten und wie Las Vegas früher war. Ihre Romantik gehört eindeutig den Spielern und der Spielerstadt, nicht den Frauen. Die Szene dauert 90 Sekunden, erzählt aber mehr über die beiden, als alle drei Ocean-Filme zusammen. It's a Boys Thing.

Die Freunde unternehmen diese geradezu unmögliche Tour, um einem Freund zu helfen. Nicht aus Gewinnstreben. Und sind dann verwirrt, als sie in der Oprah-Winfrey-Show sehen, wir dort einer bedürftigen Familie ein neues Haus samt Mobiliar geschenkt wird. Die Samariter aus persönlicher Motivation finden erst hier ihren Clou für den Coup. Später spenden sie Terry Benedicts 70-Millionen-Dollar-Anteil an Waisenkinder, worauf der, anstatt den Charity-Verlust mörderisch wieder einzutreiben, sich vor Oprahs Live-Kameras als Wohltäter aus Las Vegas spreizen darf. Der hatte eigentlich nur mitgemacht, um den lästigen Konkurrenten Willy Bank loszuwerden, dessen „Monstrosität, die Bank ein Hotel nennt, einen Schatten auf meinen Pool wirft.

Dieser Willy Banks verkörpert tatsächlich das neue Las Vegas, das Gewinn orientierte, in dem Unternehmer nicht mehr darauf setzen, dass die Gewinne an den Slot Machines sprudeln, und Unterkunft und Verpflegung deshalb möglichst günstig sein müssen. Bank baut ein Hotel für die Reichen, die Luxus überall wollen, auf deren Zimmer das Silberbesteck aus Gold ist, wo Sterneköche auftischen. Willy Banks, dem Al Pacino mit viel Spiellaune rauen Charme gibt (An jedem verdammten Sonntag – 1999; Insider – 1999; Im Auftrag des Teufels – 1997; City Hall – 1996; Heat – 1995; Der Duft der Frauen – 1992; „Carlito's Way“ – 1993; „Glengarry Glen Ross“ – 1992; Frankie und Johnny – 1991; Dick Tracy – 1990; Sea of Love – 1989; Scarface – 1983; „Cruising“ – 1980; Hundstage – 1975; Der Pate – 1972), legt auf Otto Normalverbraucher, einst Stammgast in Vegas, keinen Wert mehr, ist also aus Hollywoodperspektive ein Schurke.

Fairerweise müsste man sagen: Früher haben Mobster Otto Normalverbraucher über den Spieltisch gezogen, während die ein tolles Wochenende hatten. Heute ziehen Investoren Multimillionäre erst an und dann über ihre Spieltische. Damit machen sie viel mehr Gewinn, wandeln aber Sin City zum Spielplatz des Establishment. Otto muss leider qua Geldmangel draußen bleiben.

So bekommen im Film tatsächlich alle ihr Fett weg, oder ihren verdienten Lohn. Und es ist unterhaltsam, dem zuzusehen.

Matt Damon, im Zenit seiner Karriere (Departed – Unter Feinden – 2006; Die Bourne Identität – 2002; All die schönen Pferde – 2000; Forrester – Gefunden! – 2000; Die Legende von Bagger Vance – 2000; Der talentierte Mr. Ripley – 1999; Dogma – 1999; Der Soldat James Ryan – 1998; Good Will Hunting – 1997; Der Regenmacher – 1997; Chasing Amy – 1997), bald populärer als Clooney und Pitt, bekommt einen besonderen Abgang: „Dann bis neulich!Mal sehen, wann Gage und Renomee des Films nochmal stimmen, um mit Euch zu arbeiten. Ein schöner Film. Nicht wichtig. Aber schön.

Wertung: 4 von 7 €uro
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