Plakatmotiv: Logan Lucky
Steven Soderbergh is back
und er hat nichts verlernt
Titel Logan Lucky
(Logan Lucky)
Drehbuch Rebecca Blunt
Regie Steven Soderbergh, USA 2017
Darsteller Channing Tatum, Adam Driver, Seth MacFarlane, Riley Keough, Katie Holmes, Hilary Swank, Daniel Craig, Katherine Waterston, Dwight Yoakam, Sebastian Stan, Brian Gleeson, Jack Quaid, Farrah Mackenzie, Jim O'Heir, Rebecca Koon, Boden Johnston, Sutton Johnston, David Denman, Charles Halford, Alex Ross, Tom Archdeacon, Eric Perez u.a.
Genre Komödie, Crime
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
14. September 2017
Website bleeckerstreetmedia.com
Inhalt

Die Brüder Jimmy und Clyde Logan werden vom Pech verfolgt. Während der impulsive Jimmy einen Job nach dem nächsten verliert, wird Barkeeper Clyde, der nur einen Arm hat, regelmäßig schikaniert.

Und dann wären da noch die Geldsorgen. Aber Jimmy hat eine brillante Idee, die den beiden aus der misslichen Lage helfen soll: ein Raubüberfall im großen Stil! Das prestigeträchtigste und legendäre NASCAR-Rennen der Welt, der „Coca-Cola Cup 600“, bietet scheinbar die perfekten Voraussetzungen für einen cleveren, unterirdischen Raubzug.

Unterstützung erhoffen sich die Brüder vom berüchtigtsten Safeknacker des Landes: Joe Bang. Der sitzt allerdings noch im Gefängnis fest. Während der Planung des großen Coups tauchen immer neue Hindernisse auf, doch gemeinsam mit ihrer Schwester Mellie setzen die beiden Brüder alles daran, ihre lebenslange Pechsträhne endlich zu beenden …

Was zu sagen wäre

Steven Soderbergh hat Kino nicht verlernt (Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll – 2013; Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen – 2013; Magic Mike – 2012; Haywire – Trau' keinem – 2011; Contagion – 2011; Solaris – 2002; Ocean's Eleven – 2001; Traffic – Die Macht des Kartells – 2000; Erin Brockovich – 2000; Out of Sight – 1998; „Sex, Lügen und Video“ – 1989) – und der hat auch noch immer ein Händchen für gutes Typecasting.

Ob Daniel Craig, der James Bond unter den Schauspielern, der hier als blondierter, volltätowierter Knastbruder mit erstaunlichem Sprengstofwissen auftritt, der im Abspann nur bescheiden als „And introducing Daniel Craig as Joe Bang“ genannt wird.

Plakatmotiv (US): Logan LuckyOb dessen zwei Brüder, die beide einen moralisch an der Waffel haben, ob Channing Tatum (Hail, Caesar! – 2016; The Hateful 8 – 2015; Jupiter Ascending – 2015; „Foxcatcher“ – 2014; White House Down – 2013; Don Jon – 2013; Magic Mike – 2012) und Adam Driver (Star Wars: Das Erwachen der Macht – 2015; Sieben verdammt lange Tage – 2014; Gefühlt Mitte Zwanzig – 2014; The F-Word – 2013; Spuren – 2013; Inside Llewyn Davis – 2013; Lincoln – 2012; J. Edgar – 2011) als die Gebrüder Logan mit dem Fluch des Pechs und Riley Keough (Mad Max: Fury Road – 2015; Magic Mike – 2012) als deren Hot-Pants-Schwester, die mit aufgeklebten Fingernägerln eine Meisterin im Frisörsalon ist oder ob es der Gefängniswärter oder zwei Polizisten beim Speedway sind – alle diese Figuren, ob Haupt- oder Nebenfigur sind gezielt ausgesucht, gecastet und souverän gespielt.

Es ist fast, als atmete die Schauspielergilde des Kinos auf, dass Soderbergh zurück ist. Da ist sich auch Hilary Swank (Happy New Year – 2011; Betty Anne Waters – 2010; „P.S. Ich Liebe Dich“ – 2007; Black Dahlia – 2006; „Million Dollar Baby“ – 2004; 11:14 – 2003; The Gift – Die dunkle Gabe – 2000; Boys Don't Cry –1999) nicht zu schade, in einer kleinen Verlierer-Rolle elegant das letzte Viertel des Films zu adeln und Katie Holmes gibt mit viel Lust die liebenswerte, aber eben verlorene Ex („Thank You for Smoking“ – 2005; Batman Begins – 2005; „Pieces of April – Ein Tag mit April Burns“ – 2003; Nicht auflegen! – 2002; The Gift – Die dunkle Gabe– 2000; Die Wonder Boys – 2000; Tötet Mrs. Tingle! – 1999; Muppets aus dem All – 1999; Go! Das Leben beginnt erst um 3.00 Uhr morgens – 1999; Der Eissturm – 1997).

Souverän auch Soderberghs Arbeit hinter der Kamera: Ruhige Einstellungen, pointierter Musikeinsatz, unaufgeregte Schauspielerführung und wunderbar lakonische Dialoge, die Rebecca Blunt in einer ausgefuchste Story gepackt hat, die eine Hälfte lang so aussieht, als wisse man im Kinosessel schon genau, wie das weitergeht und endet. Nur, um dann ein ums andere Mal überrascht zu werden.

Plakatmotiv (US): Logan LuckySoderbergh weiß offensichtlich um die Problemstellen der erste Hälfte seines Films, in der der moderne, durch Netflix, Youtube und 200 TV-Kanäle gestählte Zuschauer glaubt, ohnehin zu wissen was kommt und sich im Kinosessel also seinem Smartphone zuwenden könnte. Für ihn zündet er geniale Gags, visuelle wie sprachliche, die wirken, wie aus der Hüfte geschossen. Ein Arbeiter schmeißt frustriert seinen Helm weg, der über Bande punktgenau in einer Tonne landet, die daraufhin ordentlich zuklappt. Joe Bang, der Tresor-Fachmann macht aus Salz, Gummibärchen und Bleichmittel einen explosiven Sprengsatz, schreibt aber den beiden begriffsstutzigen Brüdern die dazu nötige Formel vorher noch mal an die Wand, damit die's auch kapieren.

Wichtig für den Raubzug sind auch Gefängnisinsassen, die zur rechten zeit streiken. Die streiken aber nicht für besseres Essen oder gemütlichere Knastbedingungen. Sie streiken, weil sie endlich „Winterwinde“ in der Gefängnisbibliothek haben wollen, George R.R. Martins Fortsetzung von „Lied von Eis und Feuer“, und der Gefängnisdirektor verzweifelt, weil sie ihm nicht glauben, dass es das Buch noch nicht gibt und dass das, was die Häftlinge wohl über den Inhalt gehört hätten, wohl aus der TV-Serie „Game of Thrones“ stamme, die sich von der Buchvorlage mittlerweile entfernt habe und weiter sei, als die Bücher. Nonchalant greift Soderbergh hier eine unter Fans sehr aktuelle Diskussion auf und macht eine charmante Szene daraus.

Die Leichtigkeit, die auch schon die Oceans-Reihe und Teile von Magic Mike kennzeichnete, macht aus „Logan Lucky“ ein echtes Feelgood-Movie mit Witz, family values und grandiosen Typen. Dieser Mix gibt dem auf den ersten Blick simplen Heist-Movie Seele.

Schön, dass sich Soderbergh nach vier Jahren entschieden hat, seinen Kinoabschied nochmal zu überdenken.

Wertung: 7 von 8 €uro