Kinoplakat: Solaris
Ein traumhafter
McGuffin im All
Titel Solaris
(Solaris)
Drehbuch Steven Soderbergh
nach dem gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem
Regie Steven Soderbergh, USA 2002
Darsteller George Clooney, Natascha McElhone, Viola Davis, Jeremy Davies, Ulrich Tukur, John Cho, Morgan Rusler, Shane Skelton, Donna Kimball, Michael Ensign, Elpidia Carrillo, Kent Faulcon, Lauren Cohn u.a.
Genre Drama
Filmlänge 99 Minuten
Deutschlandstart
6. März 2003
Inhalt
„Wir brauchen Sie hier!” Gibarians Hilferuf von der Raumstation Prometheus bleibt ein Rätsel. Als Dr. Chris Kelvin auf der Station im Orbit des Planeten Solaris eintrifft, ist Missionsleiter Gibarian tot - Selbstmord -, die beiden noch lebenden Besatzungsmitglieder offenbar geistig instabil. „Ich könnte Ihnen das alles erklären! Aber... würde Ihnen das etwas erklären?”, ist alles, was Kelvin von den Wissenschaftlern Snow und Dr. Gordon zu hören bekommt.

Auch, wie Gibarians Sohn auf die Raumstation kommen konnte, bleibt Kelvin ein Rätsel, denn eigentlich ist der Junge gar nicht hier. Aber „hier” herrscht offensichtlich die Welt des Uneigentlichen - am nächsten Morgen liegt Rheya neben ihm, seine Frau.

Rheya ist seit Jahren tot. Die schwer depressive Frau hatte sich umgebracht. Aber jetzt sitzt sie hier und spricht mit Kelvin. Irgendetwas hat sie neu erschaffen - nach dem Muster aus den Träumen Kelvins. Rheya erinnert sich an alles, aber nicht, dabei gewesen zu sein. Ist sie echt? Ist sie eine Illusion? Ist sie die nach Kelvins Erinnerungen geschönte Rheya. Oder passiert mit Kelvin dasselbe, was mit den anderen Crew-Mitgliedern geschah?

Dr. Gordon und Snow beschließen, die Raumstation im Solaris-Orbit mit Kelvins Raumschiff zu verlassen. Kelvin will seine „Frau” mitnehmen. Er glaubt an die Chance, jetzt alles richtig zu machen, was er im damaligen Leben - vielleicht - falsch gemacht hat …
Was zu sagen wäre
Steven Soderberghs große Philosophie-Stunde. Hinter mir im Kino saß eine Gruppe offensichtlicher George Clooney-Fans, die an ein flottes Science Ficton Movie glaubten. Sie wurden enttäuscht.

Kinoplakat: SolarisIn großartigen Bildern, unterlegt mit einem an Tangerine Dream gemahnenden Soundtrack hat Soderbergh einen Traum visualisiert. Statt einer geradlinigen Story springt er zwischen Heute und Gestern und Morgen und überlässt es seinen Zuschauern, sich einen Reim auf all das zu machen. Wurde der Planet Solaris in der frühen verfilmung von Andrei Tarkovsky (Sowjetunion 1972) als lebender Organismus beschrieben, bleibt das heute offen - es ist auch nicht wichtig. Solaris ist nur der Auslöser für Soderberghs Traum-Experiment, eine Art McGuffin im All.

Gegen alle Regeln des modernen Hollywood-Komerz-Kinos hat Soderbergh („Voll frontal“ – 2002; Ocean's Eleven – 2001; Traffic – 2000; „The Limey“ – 1999; Out of Sight – 1998; „König der Murmelspieler“ – 1993; „Kafka“ – 1991; „Sex, Lügen und Video“ – 1989) einen großen Film gedreht, der über rätselhafte Bilder eine Geschichte um Schuld, Sühne und die zweite Chance erzählt.

Clooney-Fans verlassen das Kino empört oder verstört. Dass man seinen Hintern zu sehen bekommt, befriedigt da auch nicht wirklich.

Bedauerlich ist, dass der Verleih 20th Century Fox die deutschen Kopien offenbar in einem Billig-Kopierwerk herstellen ließ. Anders ist die zum Verzweifeln schlechte Tonqualität nicht zu erklären - dauernd springt die Anlage von DTS auf Dolby auf Surround auf Digital wieder auf DTS. Das war schon bei der Wiederaufführung von „Star Wars - Special Edition” (auch Fox) ein Graus, aber hier, wo der Zuschauer gefordert ist, sich zu konzentrieren, ist das ganz unmöglich.
Wertung: 5 von 6 €uro