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Plakatmotiv: X-Men - Dark Phoenix

Starker Anfang,
flacher Ausgang

Titel X-Men: Dark Phoenix
(Dark Phoenix)
Drehbuch Simon Kinberg + Bryan Singer + Michael Dougherty + Dan Harris
nach den Marvel Comics von Stan Lee, Jack Kirby sowie von John Byrne + Chris Claremont + Dave Cockrum
Regie Simon Kinberg, USA 2019
Darsteller
James McAvoy, Michael Fassbender, Sophie Turner, Jessica Chastain, Jennifer Lawrence, Nicholas Hoult, Tye Sheridan, Alexandra Shipp, Evan Peters, Kodi Smit-McPhee, Scott Shepherd, Ato Essandoh, Brian d'Arcy, Halston Sage, Lamar Johnson u.a.
Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
06. Juni 2019
Website X-Men Wiki
Inhalt

1979: Bei einem Autounfall wird Jean Grey zur Waise. Sie ist acht Jahre alt. Ein Kind mit besonderen Fähigkeiten. Sie hält sich für verantwortlich für den Autounfall. Nicht ganz zu Unrecht. Weil niemand das Mädchen mit den Kräften bändigen kann, nimmt sich Charles Xavier ihrer an. Er verspricht ihr, sie zu lehren ihre Kräfte zu bändigen und bewusst einzusetzen.

1992: Durch einen Triebwerksschaden strandet eine Raumfähre der NASA im Orbit. Der US-Präsident bittet die X-Men um Hilfe, die umgehend starten. Die Rettungsaktion verläuft okay. Aber Jean Grey wird von einer geheimnisvoll strahlenden Wolke durchdrungen. Zurück auf der Erde werden die X-Men, die endlich ein akzeptierter Teil der Gesellschaft sind gefeiert. Der Medizincheck bei Jean aber zeigt, dass sich ihre Kräfte vergrößert haben.

Und diese Kräfte hat sie nicht mehr unter Kontrolle. Eher kontrollieren die Kräfte sie; Gedankenbarrieren brechen, Erinnerungen kommen zurück, die den Autounfall von einst und dessen Folgen in einen neuen Zusammenhang stellen. In Jean kocht die Wut. Sie explodiert förmlich und flieht, um die wahren Hintergründe aufzudecken. Dabei trifft sie auf eine Frau namens Wuk, die alles über sie und ihre Kräfte weiß.

Wuk und ihre Gruppe kommt von einem anderen Planeten. Und sie will Jeans geheimnisvolle Superkräfte übernehmen. Weil sie das aber nicht einfach so tun kann, hetzt sie X-Men und Magnets Mutanten erst gegeneinander und dann gegen Jean, um ihr zu zeigen, dass alle gegen sie sind …

Was zu sagen wäre

Nach etwa der Hälfte fällt der Film auseinander und zerschellt in leeren Bombastbildern. Es hatte so schön begonnen. Wir erleben die Ursprünge der mächtigsten Mutantin der Marvel-Geschichte. Es gibt einen erschreckenden Autocrash, eine – CGI sei Dank – fulminante Rettung der Astronauten im All, eine ungeheuerliche Grenzüberschreitung des stets untadeligen Charles Xavier und eine ihm gegenüber höchst kritisch gewordene Raven. Die blaue Gestaltwandlerin wirft ihm Eitelkeit vor. Er genieße es mehr, im Weißen Haus empfangen zu werden, als sich noch um das Schicksal seiner Schülerinnen und Schüler zu kümmern. Bei den zentralen Figuren hängt der Haussegen mächtig schief und das lässt ein interessantes X-Men-Kapitel über Allmachtsphantasien und über Inklusion erwarten – welche Mutanten gehören zur Gruppe der Mutanten und welche lieber nicht mehr, weil sie zu mächtig sind? Mensch, Mutant, Super-Mutant?

Spoiler Warnung

Das interessante Kapitel ist der Film aber nicht geworden. Jean haut nämlich ab und ab da fallen dann viele Hubschrauber vom Himmel, werden Züge verknetet, prügeln sich die Mutanten untereinander und dann mit Außerirdischen, zwischendurch hebt Magneto in New York mal eine U-Bahn aus dem Boden, und US-Soldaten machen Überstunden mit Anti-Mutantenkraft-Halsbändern, die im Ernstfall dann aber auch nichts nützen. Das ist viel Spektakel, aber ohne Drama.

x-men2019plakat02Jean ist ziemlich pissed, nachdem die interstellare Macht Erinnerungsbarrieren in ihrem Kopf aufbricht, die Xavier dort errichtet hatte. Jeans Vater hatte nämlich den Autounfall überlebt, konnte aber mit seinem Kind irgendwie nichts mehr anfangen und entließ es in die Obhut des Mutantenprofessors. Auch das hätte nun eine interessante Geschichte werden können über die Anmaßung des Charles Xavier, derart in das Leben eines Kindes einzugreifen für ein angeblich besseres Ganzes. Wird es aber nicht. Jean sucht also ihren Vater auf, der immer noch im selben Haus wohnt wie damals und erfährt also, dass ihr Vater wusste, dass Jean noch lebt. Sie ist enttäuscht, wird wütend, Blitze zucken, Häuser fallen zusammen, die X-Men tauchen auf, haben gegen die fünf Meter über dem Boden schwebende Dark Phoenix keine Chance und müssen sogar einen Todesfall in den eigenen Reihen verkraften.

Dann flieht Jean zu Magneto, der auf einer abgelegenen Insel mit seinen Mutanten ungestört leben kann und eigentlich auch nicht gestört werden will. Ehe die beiden so richtig ins Gespräch kommen, landen US-Marines und verlangen die Herausgabe der Mutantin. Es fliegen Hubschrauber durch die Gegend, explodieren, und schon tauchen Außerirdische in Menschdesign in New York auf, wollen Jean für sich überzeugen, wieder tauchen die X-Men auf, prügeln sich erst mit Magnetos Mutanten und dann eher kaum mit Jean, die einfach immer da steht oder da schwebt, eine Geste macht und, schwupps, ist der Kontrahent am Boden. So geht das immer weiter, aber nie in die Tiefe.

Die durchaus interessante Diskussion über Macht und Allmachtsphantasien wird nicht geführt, sie wird in ein paar Sätzen gebrüllt und dann erledigt. Jeans noch lebender Vater, der eine Rolle hätte spielen können, ja müssen, hat seinen Part, nämlich Jean nun gänzlich heimatlos zu machen, nach ein paar Sätzen erledigt und ist dann auch rasch tot.

In diesem wahrscheinlich letzten Teil der X-Men-Reihe – die Rechte liegen mittleweile bei Disney, und die werden die Mutanten sicher neu in ihr MARVEL-Universum einbauen – werden eine Menge guter Schauspieler für ein SFX-Spektakel verheizt, das ihnen keine Chance lässt. Die Dialoge sind flach, das Drama Vorabend-tauglich. Glücklich, wer da wie etwa Jessica Chastain über die Gabe verfügt, mit einem Augenzittern Furcht zu erzeugen.

Immerhin ist die CGI-Produktion ordentlich bunt.

Wertung: 3 von 8 €uro
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