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Plakatmotiv: Zwei glorreiche Halunken (1966)
Irre Charaktere irren durch die Wüste
und jagen eine vergrabene Schatzkiste
Titel Zwei glorreiche Halunken
(Il buono, il brutto, il cattivo)
Drehbuch Luciano Vincenzoni + Sergio Leone + Agenore Incrocci + Furio Scarpelli
Regie Sergio Leone, Italien, Spanien, BRD 1966
Darsteller Eli Wallach, Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Aldo Giuffrè, Luigi Pistilli, Rada Rassimov, Enzo Petito, Claudio Scarchilli, John Bartha, Livio Lorenzon, Antonio Casale, Sandro Scarchilli, Benito Stefanelli, Angelo Novi, Antonio Casas u.a.
Genre Italo Western
Filmlänge 161 Minuten
Deutschlandstart
15. Dezember 1967
Inhalt

Tuco und der Namenlose, der von allen nur „Der Blonde“ genannt wird, sind Partner bei einem äußerst lukrativen Geschäft. Während Tucos Aufgabe darin besteht alles zu tun, um auf sich ein Kopfgeld aussetzen zu lassen, ist „Der Blonde“ ein Kopfgelderjäger und muss Tuco fangen, ausliefern und das Geld kassieren.

DVD-Cover: Zwei glorreiche Halunken (1966)Kurz bevor Tuco gehängt wird, rettet ihn der Blonde dann wieder. Nach getaner Arbeit wird das Kopfgeld unter den beiden aufgeteilt. Alles läuft gut, bis Tuco eines Tages mehr Geld verlangt.

Der Blonde ist von der Forderung nicht angetan und setzt Tuco daraufhin 70 Meilen entfernt von der Zivilisation in der Wüste aus. Tuco lässt sich das natürlich nicht gefallen und schwört Rache …

Was zu sagen wäre

Sergio Leone hat die Welt des Wilden Weswtens verändert, hat ihr den letzten Funken Moral und Integrität genommen. In Leones Wilden Westen zählen Freundschaften nicht mehr, hier ist auch das letzte Sozialgefüge verloren. Zu Beginn wird eine Familie erschossen, danach irrlichtern Kopfgeldjäger, Killer und Betrüger durch die Wüste.

Armeen, deren Uniformen im Staub des texanischen Sommers nicht mehr auseinanderzuhalten sind, aber gegeneinander kämpfen, weil ihre einzige Gemeinsamkeit „der Gestank von Alkohol“ ist, den alle ständig trinken, weil die Soldaten sonst nicht übereinander herfallen würden. Sie reiten durch zerstörte Städte, und wenn mal zwei Männer zusammen reiten, gehen sie sich wenig später schon wieder an die Kehle. Freundschaften zählen wenig, wenn Geld im Spiel ist. Und 200.000 Dollar sind eine Menge davon.

Aber das Geld ist nur der MacGuffin, der die Glücksritter in Bewegung hält. Denn was sollten sie auch machen mit so viel Geld? In dieser Welt? Es muss neben dieser kalten, leeren, von Killern ausgelaugten Welt auch eine lebendige Welt geben – irgendwo, womöglich im Osten. Denn wo sonst sollten 200.000 Dollar tatsächlich einen Wert haben? In der Welt, der wir im Kinosaal folgen, scheint es schon schwer, nur 1.000 Dollar auszugeben, es sei denn natürlich, man sucht einen Killer oder einen Kopfgeldjäger.

Nach einer halben Film-Stunde sind die drei Titelfiguren eingeführt, inklusive Titeleinblendung. Aber die Geschichte geht dann noch nicht so recht los. Leone lässt sich diesmal sehr viel Zeit damit. Sein Autor Luciano Vincenzoni hat das Drehbuch in elf Tagen geschrieben, Leone nimmt sich fast drei Filmstunden Zeit für dessen Umsetzung. Lange beschäftigt er sich mit dem Scharmützel zweier Gauner – Clint Eastwood und Eli Wallach – das nach einer Stunde in der Wüste endet, in der Eastwood, sonnenverbrannt und ausgetrocknet, dem Tode nahe ist und Wallach unter rosa Sonnenschirm dreckig darüber lacht. Zwischendurch beobachten wir Lee van Cleef auf der Suche nach einem Mann mit Augenklappe, der weiß, wo die Schatzkiste versteckt ist. Dieser Mann fällt ausgerechnet Eastwood und Wallach (Die glorreichen Sieben – 1960) vor die Füße. Spätestens hier ist der Film ganz Film, der sich von etwaiger Realität verabschiedet hat – bizarre Zufälle wie den in der Wüste sollte man im Kinosessel schmunzelnd hinnehmen, nicht kritisch hinterfragen.

Plakatmotiv (US): The Good, the Bad, the Ugly – Zwei glorreiche Halunken (1966)

Es ist aber schon etwas anstrengend, Leones an sich ja eleganten Manierismen hier in Extenso zuzuschauen, und der Film Spannung nur aus dem Geflecht seiner drei Titelfiguren zieht, die aber lange kein Ziel haben – wenn man außen vor lässt, dass sie sich gegenseitig umbringen wollen. „Zwei glorreiche Halunken“ enthält viele von Leones Markenzeichen: kurze Dialoge, lange Szenen, in denen Spannung sehr langsam aufgebaut wird, und wieder stellte er schweifenden Weitwinkelaufnahmen und dichtgedrängte Nahaufnahmen von Gesichtern, Augen und Fingern gegeneinander. In den ersten Minuten des Films wird kein Wort gesprochen.

Wo sonst nichts ist, hält sich der zivilisationsmüde Kinozuschauer an die Figuren, die er vorfindet, selbst solche Irren wie Tuco und Blondie, der so genannt wird, obwohl er gar nicht blond ist. Denn natürlich wollen wir dann schon erleben, wie diese Glücksritter, Lügner und Betrüger ihrem Ziel, den 200.000 Dollar auf einem fernen Friedhof näher kommen und dabei sogar zwei Brigaden gegeneinander ausspielen – indem sie eine Brücke sprengen, über die die Grauen rüberwollen und die die Blauen verbissen verteidigen. Nicht einmal mehr Brücken halten etwas zusammen in dieser Welt, in der sich alle immer nur bekämpfen. Ein bisschen irre ist das schon.

Gegen den Western der 60er Jahre aus deren Stammland USA tritt Leone mit Zynismus und satirischer Überhöhung an – das ist mal was Neues. Die illusionslosen, amoralischen Desperados des Films sind die passenden Figuren für dieses Jahrzehnt von Vietnamkrieg, Flowerpower und Studentenunruhen – Anti-Helden die auf die traditionellen Werte pissen. Klassische Western-Helden wie Gary Cooper, James Stewart, Henry Fonda oder John Wayne, die in der Regel auf der Seite des Gesetzes kämpfen, wurden vom jungen Publikum eher als antiquiert wahrgenommen. Zudem hat der Film durch die Verstrickung seiner drei Hauptfiguren in den amerikanischen Sezessionskrieg teilweise auch Merkmale eines Anti-Kriegsfilms.

Das Schlussduell hat es dann nochmal in sich. Leone versammelt alle seine Kniffe – die harten Gitarren Ennio Moricones, die Großaufnahmen von Gesichtern, wieder eine Totale, Hände am Colt, Gesichter, eine Totale – es ist eine poetische Montage, eine Meditation in Stil, in der Leone die Spannung bis zum Schluss hält und auskostet. Der dreieckige Mexican Standoff, wird von dem Lied L’estasi Dell’oro („Ekstase des Goldes“) auf einem Massenfriedhof eingeleitet, an den sich das Duell mit Il Triello anschließt mit der „glorreichen“ Solotrompete. Dieser epische Showdown wird von vielen Kritikern als einer der elektrisierendsten Filmhöhepunkte überhaupt betrachtet, und die Musik bildet einen integralen Teil davon.

Gegen Ende des Films dann findet Clint Eastwood den Poncho, den er schon in Für eine Handvoll Dollar und Für ein paar Dollar mehr trug. Das sollte nochmals unterstreichen, dass dieser Film eigentlich das Prequel zu den zwei Filmen darstellt – auch wenn Clint Eastwoods Fremder ohne Name in jedem Film einen anderen Namen hat.

Wertung: 5 von 7 D-Mark
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