Plakatmotiv: Black Panther (2018)

Farbenfroher Erbfolgekrieg
im unsichtbaren Königreich

Titel Blck Panther
(Black Panther)
Drehbuch Ryan Coogler + Joe Robert Cole
nach den Comics von Stan Lee + Jack Kirby
Regie Ryan Coogler, USA 2018
Darsteller

Chadwick Boseman, Michael B. Jordan, Lupita Nyong'o, Danai Gurira, Martin Freeman, Daniel Kaluuya, Letitia Wright, Winston Duke, Sterling K. Brown, Angela Bassett, Forest Whitaker, Andy Serkis, Florence Kasumba, John Kani, David S. Lee u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 134 Minuten
Deutschlandstart
15. Februar 2018
Website marvel.com/blackpanther/
Inhalt

Nachdem sein Vater im UN-Gebäude in Wien getötet wurde, wird T’Challa, sein Sohn, im afrikanischen Wakanda nach einer traditionellen Zeremonie zum neuen König des Landes ausgerufen.

Wakanda und seine von modernen Hochhäusern geprägte Metropole ist eine von der Außenwelt abgeschnittene, technologisch fortgeschrittene Nation, die vorgibt, ein armes Dritte-Welt-Land zu sein. Dank eines Meteor-Einschlags und einer dadurch entstandenen Rohstoffquelle für das Metall Vibranium kann sich das afrikanische Land unter einer riesigen Tarnvorrichtung für die restliche Welt unsichtbar machen. Auch weil die Quelle des Fortschritts in den falschen Händen großen Schaden anrichten könnte, haben sich die Führer von Wakanda bisher für die Isolation entschieden.

T'Challa weiß: Die Abschottung seines Landes ist in der heutigen, vernetzten Welt kaum mehr aufrecht zu erhalten und der Reichtum seines Landes, den einst der Meteor aus dem All brachte, sollte für Frieden und Wohlstand weltweit eingesetzt werden. Diese Ansicht teilen nicht alle Stämme im Königreich Wakanda. Und auch außerhalb des verborgenen Reiches gibt es sehr wohl Menschen, die das Geheimnis kennen.

Ex-Soldat Killmonger und Ulysses Klaue stehlen ein aus Vibranium bestehendes Artefakt aus einem Londoner Museum. Das bleibt in Wakanda nicht unbemerkt. T’Challas Schwester Shuri ist ein technisches Genie, das in Vibranium ihr schönstes Spielzeug gefunden hat. Sie hält ein ganzes Arsenal von Verteidigungs- und auch Überwachungstechnologien bereit, um den König zu schützen und das Geheimnis um Wakanda zu wahren. So erfährt T'Challa, dass das in London gestohlene Vibranium im südkoreanischen Busan verkauft werden soll. Mit seiner persönlichen Leibwächterin, General Okoye, und seiner ehemaligen Freundin, der erfahrenen Kämpferin Nakia, fliegt er nach Busan, um den Vibranium-Deal zu verhindern und das wertvolle Metall nach Wakanda zu bringen. Seinem loyalen Freund W'Kabi, Stammeshäuptling der Grenzwächter Wakandas, verspricht er, Ulysses Klaue, der W'Kabis Eltern ermordet hat, nach Wakanda zu bringen, wo er sich vor einem Richter verantworten soll.

Die Mission in einem Spielcasino in Busan läuft aus dem Ruder, denn Killmonger hat andere Pläne mit dem Vibranium als Klaue sie hat und der vorgebliche Käufer in Busan ist zudem CIA-Agent Everett K. Ross, der das Artefakt im Auftrag seiner Regierung kaufen soll. T’Challa kann zwar das Vibranium sicherstellen, Klaue aber entkommt und Ross wird schwer verletzt. T’Challa beschließt, ihn mit nach Wakanda zu nehmen, um ihn dort zu heilen.

Sein Gefolgsmann W’Kabi ist sauer: T'Challa hat sein Versprechen, den Mörder W'Kabis Eltern mitzubringen, nicht gehalten – offenbar ist T'Challa genauso durchsetzungsschwach wie dessen Vater T'Chaka es einst war. Umso überraschter ist er, als Killmonger plötzlich im Grenzland auftaucht, sich als Wakandaner zu erkennen gibt und W'Kabi den toten Ulysses Klaue überreicht.

Killmonger steht kurz vor Vollendung seines eigentlichen Plans: Er beansprucht – als Mitglied der Herrscherfamilie – den Thron von Wakanda. Mit dem Reichtum des Landes will er seine schwarzen Brüder und Schwestern in aller Welt bewafnnen und zum Aufstand gegen die herrschende Weltordnung führen …

Was zu sagen wäre

… Achtung: Spoiler …

Erik Stevens hat eine Mission. Sie heißt MacGuffin. Diese Mission dient dem Drehbuch lediglich dazu, die neue Nebenlinie im Marvel Cinematic Universe zu etablieren, die sich in Captain America – Civil War in Person des Black Panther schon offenbart hat. In den Comics tauchte er 1966 bei den Fantastic Four erstmals auf, auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung, und galt als Versuch, den afroamerikanischen Lesern – und mehr noch: jenen, die es werden sollten – eine Identifikationsfigur zu präsentieren, einen eigenen Helden, der all den bunt kostümierten Weißbrötchen auf Augenhöhe begegnen kann. Sein agitatorischer Name war Programm: Black Panther. Schnell zählte er zu den Standards neben Captain America, Spider-Man oder dne Fantastic Four.

Dass nun 2018 endlich der „Black Panther“-Film in die Kinos kommt, wirkt wie quasi im letzten Moment. Nach Jahren zunehmender Rassenunruhen und der starken #BlackLivesMatter-Bewegung musste sich dann vor zwei Jahren auch die Hollywoodgesellschaft der alten weißen Männer(produzenten) unter dem Hashtag #OscarsSoWhite allerlei geschäftsschädigenden Hohn, Spott und Empörung anhören, weil das Mainstreamkino immer noch so tut, als seien Farbige eine zu vernachlässigende Klientel, die im Film den Best Buddy, den finsteren Rapper oder den Boss der Killerbande geben – ähnlich wie Frauen, die im Hollywoodkino erst glücklich scheinen, wenn der Kerl sie dann doch zur Tür herein lässt.

Dem Kino geht es gerade nicht so besonders gut: Spielekonsolen, Streamingportale, soziale Netzwerke rauben der Zielgruppe die Zeit, um ins Kino gehen. Die Filmstudios haben also gute Gründe, sich neue Zielgruppen aufzubauen, wollen sie nicht mittelfristig abrauchen. Wie das geht, hat im vergangenen Jahr zuerst Warner Bros. gezeigt. Mit Wonder Woman tobte ein vorgebliches No-Go über die Leinwand unter einer vorgeblichen No-Go-Regie: eine Superheldin als Hauptfigur unter der Regie – horrible dictu – einer Frau. Der Film war mit bislang 821,8 Millionen Dollar Box Office so erfolgreich, dass das Studio anschließend seine männerdominierten Superheldenfilm-Produktionen um Superman und Batman einer Millionen schweren Kurskorrektur unterzog. Im Dezember trieb dann Star Wars – Episode VIII, bevölkert mit starken Kämpferinnen, selbständig denkenden Heerführerinnen und unabhängigen Frauen, die Bruderschaft der Fans auf die Barrikaden – und die Schwestern in die Kinos. Und aktuell nun macht Marvels 200-Millionen-Dollar-Produktion „Black-Panther“ weltweit die Kinokassen voll, wiederholt, was die Comicvorlage vor 52 Jahren schaffte. Die drittgrößte ethnische Gruppierung in den USA bekommt ihren eigenen Superhelden – aus den Händen der weißen Disneybosse (zu denen Marvel seit 2009 gehört).

Das ist eine ganze Menge gesellschaftlicher Ballast für eine Comicverfilmung in ethnologisch aufgeheizten Zeiten, und sicher ist es kein ulkiger Zufall, dass König T'Challa, als er sich und sein Land am Ende des Films der Weltöffentlichkeit offenbart, dies mit den Worten tut: „Der Weise baut Brücken zwischen den Ländern. Der Narr baut Mauern.“ Der amtierende Bewohner im Weißen Haus wird die Botschaft bei einem Morning Briefing sicher serviert bekommen haben.

Der Story des Films ist die aufgeheizte Stimmung abträglich, man merkt den engagierten Machern um Line Producer Kevin Feige (weiß) und Regisseur Ryan Coogler (schwarz) an, wie sie um strittige, hitzige Themen lavieren und sich mehr auf Kultur und Folklore konzentrieren.

Afrika wird auch Die Wiege der Menschheit genannt und Wakanda liegt ziemlich genau mittendrin – da, wo auf der Weltkarte die Demokratische Republik Kongo ist. Übersetzt heißt das wohl: Das nie durch Kolonisation von außen korrumpierte Wakanda ist sowas wie das Zentrum der Wiege der Menschheit und König T'Challa wird der erschöpften, in regionale Kriege, Verteilungskämpfe, ethnische Unruhen und Religionsmassaker zerfallenen Weltgemeinschaft anbieten, sie mit seinem unermesslichen Reichtum vor sich selbst zu retten; man möchte sich gar nicht vorstellen, wie der sympathische junge König in den kommenden Monaten bestürmt werden wird von Investoren aus aller Welt, die Vibranium-Geschäfte mit den global sicher unerfahrenen Wilden machen wollen, und von Staatenlenkern und deren Geheimdiensten, die es ganz ungerecht finden, dass Wakandas Grenzen genau jenes Gebiet umschließen, in das vor vielen hunderttausend Jahren der Vibranium-Meteorit aus dem Weltall (das ja immer noch allen gehört) eingeschlagen ist – das ist vielleicht eine Story für Teil 2.

Im Kinosessel also erleben wir ein farbenprächtiges, actionreiches Spektakel in Abenteuerland, wir wohnen Stammesriten bei, Kämpfen um die Erbfolge auf dem Thron, sehen viele Wakandaner in farbenfrohen Gewändern, die rythmisch klatschend und singend ihrem König huldigen, dem wir durch eine klassische Origin-Story folgen. Wir lernen die Leibgarde des Königs kennen – eine Grupe stolzer und ausgesprochen fähiger Kämpferinnen. Wir lernen des Königs Schwester kennen, die eine Enkelin des James-Bond-Tüftlers Q sein könnte und ständig neue Hightech-Gimmicks auffährt. Und wir lernen Nakia kennen, eine streitbare Menschenrechtsaktivistin – und des Königs Ex-Freundin. Ähnlich wie im jüngsten Star-Wars-Film sind die Männer in diesem Film meist breitbräsige Ballermänner oder testosteron gesteuerte Stammeshäuptlinge, denen zum Griff nach der Krone jeweils die entscheidend dickeren Eier fehlen und die deshalb auf Typen wie Erik Stevens hoffen, um den ungeliebten Weichei-König loszuwerden.

Dieser Erik Stevens agiert unter dem nom de guerre Killmonger – was in etwa heißt, dass er sich als ein Handelsvertreter in Sachen Mord versteht, ein Profikiller also – und hat, wie eingangs erwähnt, die Mission, den kulturell-folkloristischen Actionreigen auf abendfüllende Spielfilmlänge zu bringen. Erics Vater, N’Jobu, war der Bruder des Königs von Wakanda, T'Chaka; jedenfalls war er es, bis T'Chaka N'Jobu tötete. Der hatte nämlich versucht, statt in Kalifornien als Spion für Wakanda zu arbeiten, sein Land zu verraten und mit dem Vibranium eine Weltrevolution seiner schwarzen Brüder und Schwestern loszutreten. Als T'Chaka N'Jobu in Oakland deswegen zur Rede stellte, kam es zu einem Handgemenge, bei dem N'Jobu ums Leben kam. Dessen knapp zehn Jahre alter Sohn, N’Jadaka, blieb als Waisenkind alleine in Oakland zurück – und wurde vergessen; T'Chaka breitete den Mantel des Schweigens über die Geschichte. N'Jadaka hat das nie vergessen, schwor Rache und ließ sich dazu bei den US-Marines und diversen geheim operierenden Einzelkämpfertruppen zum Profikiller ausbilden. Jetzt will er seine Rache erfüllen und erhebt Anspruch auf den Thron Wakandas, auf dem sein Cousin T'Chala sitzt, Sohn des T'Chaka – der von der ganzen Geschichte eben erst und zu seiner Bestürzung erfahren hat.

Wie sein Vater will N'Jadaka, also Killmonger, die Schwarzen in aller Welt, deren Vorfahren einst als Sklaven aus Afrika entführt wurden, mit unzerstörbaren Waffen aus Vibranium ausrüsten und zur Weltrevolution führen. Und in diesem komplizierten Erzählstrang liegt die Krux der Geschichte. Dieser Killmonger wirkt nicht, als habe er wirklich einen Plan. In keiner Szene erleben wir ihn strategisch. Als Kind Rache zu schwören und sich zum Killer trainieren zu lassen, ist keine Strategie, die einen zum Herrscher von irgendwas macht. Seine größte Leistung diesbezüglich ist der Klau des Vibranium-Artefakts aus dem Londoner Museum, der aber nicht sonderlich schwer ist, weil das Museum gar nicht wusste, was es da für einen Schatz hat und diesen also auch gar nicht großartig gesichert hat. Über die strategischen Fähigkeiten des Profikillers also bleiben wir im Unklaren. Der Film zeigt ihn als hochgewachsenen Schläger, der etwas haben will und sich das dann nimmt.

Wie dieser Mann eine Revolution von weltweit etwa zwei Milliarden Schwarzen zu was auch immer für einem Ziel orchestrieren will, bleibt ganz offen – „Wir haben unsere Leute überall“, sagt er einmal. Was für Leute? Agenten? Kämpfer? Infiltratoren? Wo hat er, das einfache Waisenkind aus Oakland, das sich zum CIA-Killer ausbilden ließ, sie her? Wo ist überall? Solche Drehbuchsätze aus Schurkenmund sind aus der Mode, diese diffuse Strategie, die an alte Usurpatoren-Träume aus den 60er-Jahre-Bond-Filmen erinnert – „Ich werde die WELT behärrrschän!“ – und so ähnlich damals auch durchaus von Schurken aus den Marvel-Comics geträumt wurde, ist längst der grausamen Realpolitik außerhalb des Kinos zum Opfer gefallen; es ist schlicht unmöglich, die ganze Welt beherrschen zu wollen – vor allem, wenn man keinen Plan hat, wie. Er wird es ja nicht einmal schaffen, das versteht sich von selbst, dauerhaft auf Wakandas Thron zu sitzen.

So wird diese tragisch begründete Mission des Killmonger, die den Film anschiebt, die seinen Figuren Motivation sich zu bewegen gibt, zur immer größeren Leerstelle des Films. Übrig bleibt ein bunter, über seine ausgefeilte Green-Screen-3D-CGI stolpernder, sehr unterhaltsamer, mal spaßiger, mal dramatischer, immer visuell bombastischer Film mit zu Spontanapplaus animierenden Designs und soziokulturell interessanten Entwicklungen, der aber nie spannend ist.

Wertung: 5 von 8 €uro