IMDB
Plakatmotiv: Cocoon (1985)
Ein unerwartet großartiger Film über
die großen Fragen der Menschheit
Titel Cocoon
(Cocoon)
Drehbuch Tom Benedek + David Saperstein
Regie Ron Howard, USA 1985
Darsteller Steve Guttenberg, Tahnee Welch, Don Ameche, Wilford Brimley, Hume Cronyn, Brian Dennehy, Jack Gilford, Maureen Stapleton, Jessica Tandy, Gwen Verdon, Herta Ware, Barret Oliver, Linda Harrison, Tyrone Power Jr., Clint Howard u.a.
Genre Drama, Mystery
Filmlänge 117 Minuten
Deutschlandstart
24. Oktober 1985
Inhalt

Joe, Ben und Art sind schon etwas betagter, weshalb sie ihren Lebensabend im Altersheim verbringen. Doch im Gegensatz zu ihren anderen Mitbewohnern fühlen sie sich noch recht fit und wollen noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Deshalb verlassen sie auch regelmäßig das Heim, vor allem der Pool des Nachbarhauses hat es ihnen angetan.

Daher lassen sie sich auch nicht vom neuen Mieter beeindrucken, der das leer stehende Objekt erworben hat. Als dieser jedoch eines Tages im Meer mysteriöse Kokons findet und sie im Pool zwischenlagert, geschieht etwas Unglaubliches, dass das Leben der drei Rentner auf ungeahnte Weise verändern soll …

Was zu sagen wäre

Was für ein bezaubernder, charmanter, überraschender, ernsthafter, tiefgründiger Film. Ron Howard bietet uns die leichte Unterhaltung mit Spielbergs Close Encounter-Touch und berührt dabei mal eben so nebenbei die großen Fragen der Menschheit: Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wo wollen wir hin?

Interessanterweise verkauft das Marketing uns den Film als Komödie; so als habe es bestenfalls etwas Clowneskes, wenn alte Menschen davon träumen, noch einmal so wie damals … noch ein einziges Mal schmerzfrei die Bowlingkugel zu werfen, einmal den jungen Schnöseln auf dem Dancefloor zu zeigen, wer den Move erfunden hat … als sei Alt sein nur noch jener Teil, der der nachwachsenden Generation mit Krankheit, Pflege und Siechtum begegnet.

Da entscheiden also ein paar Senioren auf der Schwelle von Rüstig zu Pflegefall, ihr nahendes Schicksal nicht zu akzeptieren und statt dessen die Chance, die sich ihnen da plötzlich in Form eines Jungbrunnens bietet, mit offenen Armen zu greifen. Das ist ja verständlich: Wer lebt schon gerne mit einem das Leben sehr arg begrenzenden Tumor im Kopf, wenn er statt dessen schnöseligen Dico-Jugendlichen den echten Groove zeigen kann? Dieser lockeren Frage und ihrer einfach zu formulierenden Antwort folgt der Film eine ganze Weile.

Bis uns im Kinosessel Bernie beginnt, auf die Nerven zu gehen; Bernard Lefkowitz, der immer irgendwelche juristischen Bedenken vorbringt, wenn die drei Freunde ihn in diesen Swimming Pool mit den belebenden Kokons drängeln. Erst, als es ernst wird, wird Bernie Lefkowitz zur entscheidenden Figur in diesem Drama, das als Komödie verkauft wird – das es nur ist, wenn wir Clowns als lebenserfahrene Charaktere akzeptieren, die das Leben selbst als göttliche Komödie begreifen. Bernard Lefkowitz verkörpert die Frage, was das menschliche Leben denn eigentlich ist; das auf Endlichkeit aufbaut. Bernie hat das für sich gerade schmerzhaft beantworten müssen, und als ihm das Ewige Leben im Universum angeboten wird, fragt er, was er damit anfangen soll, wo doch seine geliebte Rosie nun nicht mehr ist. Schon vorher hat er den Jugendwahn seiner alten Freunde als falsches Leben im richtigen entlarvt, nachdem Alma ihren Joseph verlassen hat, der – wieder agil und Beschwerdefrei – sein Leben als Schwerenöter wieder aufgenommen hat. Ist das der Segen ewiger Jugend: Dieselben Fehler wieder und wieder machen zu dürfen, ohne für die Konsequenzen gerade stehen zu müssen? Ron Howards Film findet hierfür eine sehr salomonische Lösung.

Dann ist da ja noch die Frage, wo wir herkommen. Offenbar gibt es da eine Alien-Rasse, die vor einigen zehntausend Jahren auf der Erde aktiv war und sich irgendwie in unserem Gencode verewigt hat. Sie will uns nichts Böses, macht uns der robuste Brian Dennehy als Chef-Alien klar („Silverado“ – 1985; Rambo – 1982; „10 – Die Traumfrau“ – 1979); am liebsten wollen sie uns gar nicht begegnen, während sie ihre Freunde, die einst, damals, vor vielen tausen Jahren aus irgendwelchen Gründen zurückbleiben mussten, heimholen wollen – aber würden sie nicht bemerkt, gäbe es diesen Film nicht. Da gibt es dann eine Liebelei zwischen einem Mensch und einer Antareanerin, die überflüssig ist und ausschließlich dem Hollywood-Gesetz folgt, demzufolge die Zielgruppe bedient werden muss; und die Zielgruppe ist nicht zuerst der alte Mensch. Die Zielgruppe ist junges Popcorn-Publikum. Also haben Steve Guttenberg (Erdenbewohner), gerade hip in Hollywood („Police Acadamy“ – 1984; American Diner – 1982; Achterbahn – 1977), und Tahnee Welch (Alien), einfach eine aparte Erscheinung, eine fragwürdige Swimmingpool-Begegnung, die dem männlich-juvenilen Kinozuschauer jene Portion Erotik bietet, zu der er nötigenfalls auch Frau und Kind mitnehmen kann.

So ein Storyelement wie die unerfüllte Liebe zwischen Mensch und Alien, das in überhaupt gar keiner Weise auch nur annähernd tiefer ausgearbeitet ist, sollten wir als Verkaufsargument an der Kinokasse akzeptieren, um uns nicht vom schönen Ganzen ablenken zu lassen. Es geht nicht um die Frage, wie ich die schöne Tahnee ins Bett kriege (Okay: Wenn man glauben will, dass Steve Guttenberg in jener Pool-Szene tatsächlich Befriedigung gefunden hat, kann man sogar eine historische Verbindung zwischen den Aliens und der Menschheit herleiten, die aber sonst an keiner Stelle im Film eine Rolle spielt).

Den friedlichen Kontakt zwischen Außerirdischen und Erdenmenschen können nur Senioren oder Kinder herstellen, also Menschen, die nichts mehr beweisen müssen (so sie und die Gesellschaft denn ihr Alt-sein als Wert akzeptieren) oder jene, denen die Zukunft gehört (sofern die Erziehungsberechtigten akzeptieren, dass Kinder manchmal einfach mehr wissen). „Sie kommen von einem anderen Stern“, raunt das Plakat zum Film, „und machen uns überirdisch glücklich!“ Das genau ist es eben nicht. Die Aliens mögen einige Senioren glücklich machen, die nach Zukunft suchen; aber sie geben anderen Menschen ebenso zu denken, was denn dieses Glücklich sein eigentlich bedeutet.

Weil es in der Lage ist, für solche Fragen Antworten zu formulieren und zu bebildern, gehen wir ins Kino!

Wertung: 10 von 10 D-Mark
IMDB