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Plakatmotiv: Midway (2019)

Ein Film wie ein großer Hamburger
Schmeckt gut, ist frei von Inhaltsstoffen

Titel Midway – Für die Freiheit
(Midway)
Drehbuch Wes Tooke
Regie Roland Emmerich, China, USA 2019
Darsteller

Ed Skrein, Patrick Wilson, Woody Harrelson, Luke Evans, Mandy Moore, Luke Kleintank, Dennis Quaid, Aaron Eckhart, Keean Johnson, Nick Jonas, Etsushi Toyokawa, Tadanobu Asano, Darren Criss, Brandon Sklenar, Jake Manley u.a.

Genre Krieg
Filmlänge 138 Minuten
Deutschlandstart
7. November 2019
Inhalt

Im Jahre 1937 besucht Edwin Layton, der amerikanische Marineattaché in Japan, ein Bankett von Admiral Yamamoto. Bei einem persönlichen Gespräch mit Layton warnt Yamamoto, ein gemäßigterer Vertreter der imperialistischen japanischen Politik, dass ein Abschneiden Japans von der amerikanischen Ölversorgung zur Durchsetzung der Radikalen in Japan führen würde.

In Folge zeigt der Film die Entwicklung des Pazifikkrieges, vorrangig aus der Perspektive des Sturzkampf-Piloten Richard Best und jener von Layton, nunmehr Chef des Nachrichtendienstes der Pazifikflotte. Dem japanische Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 folgt der erste amerikanische Gegenschlag gegen die Marshallinseln, der Doolittle Raid gegen Tokio und die Schlacht im Korallenmeer.

Der japanisch-amerikanische Krieg kulminiert in der Schlacht von Midway im Juni 1942. Der Sieg in dieser Schlacht wendet den Krieg zugunsten der Amerikaner …

Was zu sagen wäre

Ein Film wie ein Hamburger von der Schnellbraterei. Du weißt, was Du kriegst und was Du nicht kriegst – Wohlschmeckendes, aber kein Sternemenue. Insofern mag ich dem Film seine Leere gar nicht vorhalten: Wo Roland Emmerich draufsteht ist auch Roland Emmerich drin (Independence Day: Wiederkehr – 2016; White House Down – 2013; Anonymus – 2011; 2012 – Das Ende der Welt – 2009; "10.000 BC" – 2008; The Day After Tomorrow – 2004; Der Patriot – 2000; Godzilla – 1998; Independence Day – 1996; Stargate – 1994; Universal Soldier – 1992; Moon 44 – 1990; Hollywood Monster – 1987; Joey – 1985; "Das Arche Noah Prinzip" – 1984).

Es beschleicht mich während der 138 Minuten das Gefühl, das alles schon mal gesehen zu haben. Und ich meine nicht Die Schlacht um Midway, Jack Smights Spielfilmversion von 1976. Sondern dieses Schema F: Böse greifen Gute an, Gute betrauern Verluste und schlagen zurück, Gute gewinnen; angereichert das Ganze mit ordentlich Special-Effekt-Lärm und Pixelfeuerwerk. Warum gibt es diesen Film? Jetzt? Demnächst kommt Sam Mendes mit "1917", einem Film, der im ersten Weltkrieg spielt. Ist das, weil sich gerade vielerorten Potentaten aufbauen, denen Demokratie Schnuppe ist, die sich gegen andere Länder abgrenzen, und die Gefahr eines großen Krieges wieder hochkocht? Roland Emmerich ist bekannt für Kinospektakel und die Menschheit hat er da oft genug an den Rand ihrer Auslöschung gebracht. Aber die Luftschlacht um Midway?

Okay: Ich intoniere das Mantra. „Ich, Jahrgang 1961, habe durch Unterricht, Kino, Bücher, gelernt, dass Krieg die schlechteste aller Lösungen ist.“ Warum also 2019 dieser Film?

Nach einem kurzen Prolog explodieren die Bomben in Pearl Harbor. Das sieht spektakulär aus und darin wird sogar noch ein kleines Drama um zwei Seeleute zwischen Feuertod und Ertrinken erzählt. Dem folgt ein zerknirschter Moment um den Chef des Nachrichtendienstes, der zwar vor sowas gewarnt hatte, aber wohl nicht nachdrücklich genug. Und dann folgt schon der nächste Angriff. Zwischendurch lernen wir Soldaten kennen, die wir nur schwer auseinanderhalten können, weil die Figuren ohne Charakter bleiben und keiner Dramaturgie folgen, sondern eben noch auf der USS Enterprise Übungsflüge machen, dann in Pearl Harbor auf einem Friedhof stehen, dann wieder auf der USS Enterprise und nach Japan zu den dortigen Militärs schaltet der Film mit deutschen Untertiteln auch noch. Dem kann man folgen, das ist nicht schwer und im Grunde ist es zweitrangig, wer nochmal wer ist; die Stereotypen sind eh klar und die meisten fallen über kurz oder lang vom Himmel.

Immerhin: Einer, der gerade seinem Vorgesetzten seine Angst eingestanden hat, ins Flugzeug einzusteigen und der nach gängiger Lesart in der Folge prädestiniert ist für den Blattschuss gegen den bösen „Japsen“, fällt mit seinem Flugzeug bei zu viel Gegenwind gleich beim Start vom Flugzeugträger und wird von dem unter Wasser gedrückt. Auch das so ein kleines Drama am Rande, das die Spannung hält und den – meist historisch verbürgten – Figuren Personality gibt.

Die heimliche Liebe Emmerichs gehört den schrägen Vögeln. Natürlich gibt es Admiral Nimitz, Oberbefehlshaber der Flotte, dem der weißhaarige Woody Harrelson ("Zombieland 2 – 2019; Three Billboards outside Ebbing, Missouri – 2017; Freunde mit gewissen Vorzügen – 2011; 2012 – Das Ende der Welt – 2009; Zombieland – 2009; EDtv – 1999; Palmetto – 1998; Welcome to Sarajevo – 1997; Larry Flynt – Die nackte Wahrheit – 1996; Money Train – 1995; Natural Born Killers – 1994; Machen wir's wie Cowboys – 1994; Ein unmoralisches Angebot – 1993; Doc Hollywood – 1991; L.A. Story – 1991) eine menschliche Wärme abseits jeden militärischen ZackZacks gibt nach dem Motto Wir haben keine Chance und die nutzen wir. Natürlich gibt es Admiral 'Bull' Halsey, den Dennis Quaid (The Day After Tomorrow – 2004; Traffic — Die Macht des Kartells – 2000; An jedem verdammten Sonntag – 1999; Leben und lieben in L.A. – 1998; Dragonheart – 1996; "Great Balls of Fire" – 1989; D.O.A. – Bei Ankunft Mord – 1988; "The Big Easy – Der große Leichtsinn" – 1986; Enemy Mine – Geliebter Feind – 1985) mit John-Wayne-artiger Hart-aber-Fair-Attitüde versieht. Diesen ehemaligen Jungbullen des Actionkinos der 1980er und -90er jähre in der Rolle der alten Profis, denen keiner mehr was vormacht,  zuzuschauen, macht Spaß. Aber das sind die Haudegen.

Emmerichs heimliche Liebe gehört den Bastlern, die in fensterlosen Räumen Codes knacken, jede militärische Etikette ignorieren und dadurch die Schlachten gewinnen. Sie schlurfen in Filzpantoffeln zwischen ihren Aktenschränken, genehmigen sich mal einen Schluck – und erkennen dann, wo die Japaner als nächstes zuschlagen. Dann sind wieder die knurrigen Draufgänger in ihren Sturzkampfbombern dran, die sich auch gerne an keine Regeln halten. Das hatten wir zuletzt in allen Marvel-Filmen, in den letzten beiden Star Wars-Filmen, in den jüngeren Star Trek-Filmen, in der Fast & Furious-Reihe; eigentlich dauernd.

Warum also macht Emmerich diesen Film? Weil er diese Art Kino kann!

Wertung: 4 von 8 €uro
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