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Kinoplakat: Barbarella
Schwül-schwitzige Altherren-Phantasie
mit allen Zutaten, zur Kino-Ikone zu reifen
Titel Barbarella
(Barbarella)
Drehbuch Terry Southern + Roger Vadim + Vittorio Bonicelli + Clement Biddle Wood + Brian Degas + Tudor Gates + Jean-Claude Forest
nach dem gleichnamigen Comic von Jean Claude Forest + Claude Brulé
Regie Roger Vadim, Frankreich, Italien 1968
Darsteller
Jane Fonda, John Phillip Law, Anita Pallenberg, Milo O'Shea, Marcel Marceau, Claude Dauphin, Véronique Vendell, Giancarlo Cobelli, Serge Marquand, Nino Musco, Franco Gulà, Catherine Chevallier, Marie Therese Chevallier, Umberto Di Grazia, David Hemmings u.a.
Genre Abenteuer, Komödie, Fantasy
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
11. Oktober 1968
Inhalt

Im Jahr 40.000 erhält die Astronautin Barbarella vom Erdpräsidenten den Auftrag, den vermissten Wissenschaftler Durand-Durand zu finden und ihn an der Entwicklung einer Waffe zu hindern, die den jahrhundertelangen galaktischen Frieden bedrohen könnte. Streng genommen ist ihr Beruf nicht Astronautin, sondern Astronavigatrice und der Gruß vom Erdpräsidenten an sie, die splkitternakt vor ihm steht („Ach nein, Sie müssen sich doch nichts überziehen. Es ist doch nur ein offizieller staatstermin.“) und retour ist: „Sieg der Liebe“.

Kinoplakat: BarbarellaAuf dem Weg zu dem Planeten, auf dem Durand-Durands Raumschiff abgestürzt ist, geraten Barbarella und ihr Raumschiff  in der Atmosphäre des Planeten ebenfalls in einen „elektrischen Strudel“ und stürzen ab. Nach der Bruchlandung trifft sie auf einen stark behaarten Unbekannten, der ihr die Vorzüge des körperlichen Sexes offenbart – sie kannte bisher nur eine simulierte Form des Geschlechtsverkehrs durch „Verzückungsübertragungspillen“.

Darüberhinaus jedoch ist der Behaarte samt seiner zwei Roboter keine Hilfe und so zieht Barbarella weiter und trifft sie auf den blinden Engel Pygar, nach eigenem Bekunden letzter der Ornithanthropen, der sie zu einem Labyrinth bringt, wohin „Der große Tyrann“, der Herrscher des Planeten, all jene verbannt, die seinem Regime gegenüber nicht absolut loyal sind. Zudem werden in Sogo, der Hauptstadt des Planeten, nur sehr bösartige Wesen toleriert …

Was zu sagen wäre

Während ich Jane Fonda durch geradezu grotesk billige Fremder-Planet-Kulissen folge, wunder ich mich, dass das in der Endabnahme des Films niemandem aufgefallen ist; denn der (oder die) hätte doch sonst Alarm geschlagen. Oder?

Für Jane Fonda, die wir bisher vor allem als Tochter des gestrengen Henry Fonda kennen, wird die Barbarella-Rolle Segen und Fluch sein: Die Tochter vom großen Henry zieht vor laufender Kamera blank, kann gar nicht genug sich an den Wonnen fleischlicher Liebe satt lieben? Jetzt kennt Jane Fonda auf jeden Fall jeder. Jetzt ist sie nicht mehr die Tochter von …; jetzt ist sie die attraktive Rothaarige mit den langen Beinen aus diesem Weltraum-FlowerPopArt-Film unterv der Regie ihres Mannes Roger Vadim.

Kinoplakat: Barbarella

Vadim hatte sich eigentlich die blonde Italienerin Virna Lisi als seine Titelheldin gebucht, aber die brach die Verhandlungen ab und ging zurück nach Italien. Nachdem ich den Film gesehen habe, kann ich das verstehen. Hier hat sich ein Herr mittleren Alters, Vadim ist 40 Jahre alt, eine schöne Frau engagiert, sie in plüschige Trash-Kulissen gerekelt, wo sie sich laufend von verhaltensauffälligen Männern begatten lässt – der eine ist sehr (sehr) behaart und wird von Italiens lustigem Kerl Ugo Tognazzi gespielt, der andere hat Flügel. Dafür ist er aber blind und noch, wie man so sagt, Jungfrau.

Und dann lässt der Herr mittleren Alters die Frau in Großaufnahme genießen, sich an etwas erfreuen, stöhnen und sie sogar die „Lustorgel“ getaufte Superwaffe des Oberschurken, eine tödliche Perversion der sexuellen Befreiung, schadlos überleben. Französisch-italienische Film-Machos machen sich mal eine schöne Zeit mit Jane Fonda.

Das ist alles so schlecht. Das kann nur so gewollt sein: So schlecht, dass es schon wieder gut ist. So grell überzeichnet, dass aus dem Film ein Standardwerk des Genres werden könnte. Immerhin schreiben wir das Jahr 1968, die Studenten sind auf den Barrikaden, die Röcke werden kürzer, werzweimalmitderGleichenpenntgehörtschonzumEstablishment, und all den kantigen, aber gütigen graumelierten Herren, die in anderen Science-Fiction-Possen den Commander mit zusammengebissenen Zähnen spielen, hier eine knapp bekleidete, langbeinige Schönheit entgegenzustellen, hat auch seinen Reiz. In der Tat habe ich gerne zugeguckt. Und die gruseligen Plasikbälle, die irgendeine Bodenbeschaffenheit eines fremden Planeten darstellen sollen, als Teil des Spiels interpretiert.

Wertung: 3 von 8 D-Mark
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