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Plakatmotiv: No Way Out - Es gibt kein Zurück
Eleganter Thrill,
souverän gespielt
Titel No Way Out – Es gibt kein Zurück
(No Way Out)
Drehbuch Robert Garland
nach dem Roman „The Big Clock“ von Kenneth Fearing
Regie Roger Donaldson, USA 1987
Darsteller
Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton, Howard Duff, George Dzundza, Jason Bernard, Iman, Fred Dalton Thompson, Leon Russom, Dennis Burkley, Marshall Bell, Chris D., Michael Shillo, Nicholas Worth u.a.
Genre Thriller, Drama
Filmlänge 114 Minuten
Deutschlandstart
3. März 1988
Inhalt
Navy-Offizier Tom Farrell wurde gerade erst dem Verteidigungsminister Bryce unterstellt. Ohne zu wissen, dass sie auch die Geliebte von Bryan ist, beginnt Tom ein Verhältnis mit Susan Atwell.

Als der Verteidigungsminister kurz darauf den Unfalltod von Susan verursacht, soll der Mord vertuscht werden – ein angeblicher KGB-Maulwurf soll der Schuldige werden. Ein unter dem Bett aufgefundenes Polaroid dient dazu, die Vertuschung zu stützen. Tom, der die Untersuchung leitet, weiß genau, dass er auf dem Foto zu sehen ist …

Tom Farrell, Commander der US Navy, schildert in einem Verhör die Geschehnisse, die ihn in diese Situation gebracht haben:

Farrell lernt auf Einladung seines alten Schulkameraden Scott Pritchard, Sonderberater des Verteidigungsministers, auf einer Wahlparty dessen Chef, Minister David Brice, kennen und trifft auf Susan Atwell, in die er sich verliebt. Susan ist zugleich auch die heimliche Geliebte des Verteidigungsministers.

Nachdem Farrell auf hoher See einen Kameraden gerettet hat, lässt ihn Verteidigungsminister Brice in seinen Stab ins Verteidigungsministerium holen. Als Brice wieder einmal Susan besucht, ist Farrell noch da und benutzt den Hinterausgang, wird jedoch von Brice gesehen, der Farrell allerdings nicht erkennt. Brice will daraufhin von Susan mehr über ihren Geliebten erfahren und schlägt sie dabei, wodurch sie über ein Geländer fällt und stirbt.

Brice will sich der Polizei stellen, wird jedoch von seinem Berater Scott Pritchard dazu überredet, den Fall zu vertuschen. Dazu soll der Unfall als Mord dargestellt werden, ausgeführt von Juri, dem Stereotyp eines sowjetischen „Maulwurfs“ in den eigenen Reihen, welcher versucht, über Susan an Geheimnisse von Minister Brice zu kommen. Dadurch kann das Verteidigungsministerium den Fall an sich ziehen und das lokale FBI sowie die Polizei aus den Ermittlungen heraushalten. Da Brice und Scott nichts von Susans Verhältnis mit Farrell wissen, wird dieser mit der Leitung der Suche nach dem Agenten betraut. Commander Farrell versucht nun Brice die Tat nachzuweisen, während sämtliche Indizien mehr und mehr auf ihn selbst hinweisen …

Was zu sagen wäre

Washington. Hauptstadt der der Politik, Stadt des Pentagons. Militärischer ubnd politischer Machismo. Geheimdienste, Inrtrigen und heimliche Verhältnisse während gesellschaftlicher Empfänge. Großmänner in stars and Stripes. Über diese Bretter steigt Roger Donaldson in seinen Thriller ein. Kommt wahre Liebe ins Spiel – und das kommt hier schnell – schaltet Donaldson auf einen fast europäischen Stil um. Das Liebespaar fährt im italienischen Spider Cabrio über baumgesäumte Straßen zwischen Klinkerbauten und weitem Himmel – viel Grün, wenig Asphalt, mit Segelboot und Monaco-Sonnenbrillenambiente, ganz als wäre man an der Riviera. Wenn es dann politisch wird, kehrt Donaldson zurück zum kalten Blick auf ein kaltes Washington.

Der Film lässt sich Zeit, bis er in medias res geht, richtet erst gewissenhaft seine Welt ein und zieht erst nach einer halben Stunde sein Tempo an, die Schlinge zu. Abseits des zu vertuschenden Mordes sind die handelnden Personen geschickt über einen wie ein MacGuffin funktionierenden U-Boot-Deal, den der Geheimdienst will und der Verteidigungsminister nicht, beide Seiten aber mehrmals in den Clinch treibt, sowie ein unidentifizierbares Polaroid-Portrait, das der Computer Stunde um Stunde schärfer zeichnet. Dieses Polaroid ist der Ersdatz für die in Thrillern gerne bemühte ticking clock, eine Zeitbombe, die dem Helden mit jedem TickTack gefährlicher wird.

Diesen Helden spielt Kevin Costner (Die Unbestechlichen – 1987) souverän und kühl. Als Liebhaber ist der Mann nicht erste Besetzung – sein Lächeln versprüht Lausbubencharme, in seine Leidenschaft für die Frau an seiner Seite, die Sean Young („Baby – Das Geheimnis einer verlorenen Legende“ – 1985; „Der Wüstenplanet“ – 1984; Der Blade Runner – 1982; Ich glaub' mich knutscht ein Elch! – 1981) verspieltem Mädchen und parkettsicherer Grande Dame anlegt, aber muss man sich eher hineindenken. Seine ruhige Art kommt besser zur Geltung, wenn er Alpharüden wie Gene Hackman Raum gibt sich zu entfalten (Superman – 1978; „Die Brücke von Arnheim“ – 1977; French Connection II – 1975; Frankenstein Junior – 1974; „Der Dialog“ – 1974; Die Höllenfahrt der Poseidon – 1972; French Connection – Brennpunkt Brooklyn – 1971; „Bonnie und Clyde“ – 1967) – Hackman nimmt den Raum dankend und ist als schwiemeliger Verteidigungsminieter großartig. Costners Coolness strahlt hier besonders schön. Costner gibt seiner jungen Karriere in diesem Drehbuch getriebenen Film einen souveränen Schub, es ist ein Leichtes, uns an ihn anzuhängen.

Auch Will Patton („Die Zeit nach Mitternacht“ – 1985; „Susan... verzweifelt gesucht“ – 1985; „Silkwood“ – 1983) gewinnt als aalglatter Assistent des Ministers viele schöne Momente. Vom ersten Frame an ist klar, er ist ein echter Washingtonian – intrigant, loyal, rätselhaft.

Roger Donaldson („Marie – Eine wahre Geschichte“ – 1985; „Die Bounty“ – 1984) wählt eine klassische Thrillerkonstruktion: Es beginnt überschaubar für den jungen, kompetenten Offizier, dann wird er in den Todesfall verstrickt – privat wie beruflich – und jedes Mal, wenn wir glauben, er habe eine Ausweichmöglichkeit, taucht eine neue Hürde auf – und in Washington heißen die naturgemäß FBI, CIA, NSA-Killer. Maurice Jarre‘s Soundtrack unterstreicht die orientierungslosen Momente des Protagonisten und halten eine diffuse Spannung über den ganzen Film.

<Nachtrag 2007>Der Film wirkt heute wie gehobene Fernsehware. Damals, 1987, konntest Du solche Geschichten im Kino erzählen, weil es nur das Kino gab und den zahlenden Besucher konnte man mit Schauspielern – Costner, Hackman, Young – überzeugen; die gab es halt nur da. Heutzutage sind solche Filme für das Kino nicht mehr realisierbar.</Nachtrag2007>

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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