Kinoplakat: Sador – Herrscher im Weltraum
Kurosawas Sieben Samurai im Weltraum
Geringe Klasse. Billige Kulisse. Gute Aliens!
Titel Sador – Herrscher im Weltraum
(Battle beyond the Stars)
Drehbuch John Sayles + Anne Dyer
Regie Jimmy T. Murakami & Roger Corman (uncredited), USA 1980
Darsteller
Richard Thomas, Robert Vaughn, John Saxon, George Peppard, Darlanne Fluegel, Sybil Danning, Sam Jaffe, Morgan Woodward, Earl Boen, John Gowans, Steve Davis, Lawrence Steven Meyers, Lara Cody, Lynn Carlin, Jeff Corey u.a.
Genre Science Fiction, Fantasy
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
13. November 1980
Inhalt

Die humanoiden Bewohner des friedlichen Planeten Akir werden vom Tyrannen Sador von den Malmori bedroht. Sador verfügt an Bord seines Raumschiffes über den Stellarkonverter, mit dem er sämtliches Leben auf dem Planeten vernichten kann. Er gibt der Bevölkerung ein Ultimatum von einer Woche, sich ihm zu unterwerfen. Um seine Macht zu unterstreichen, zerstört er mit einem bemannten veralteten Wettersatelliten die einzige offensichtliche Präsenz des Planeten im Weltraum und tötet wahllos einige Bewohner.

Die friedliche Zivilisation hat es verlernt zu kämpfen, nur ein blinder Ältester namens Zed hat eine Zeit des Krieges noch erlebt. Sie suchen außerdem Rat in einem Kodex namens Varda. Zeds Rat lautet allerdings: gewalttätige Kreaturen am besten mit gewalttätigen Kreaturen zu bekämpfen, und so wird der junge Pilot Shad mit dem einzigen Raumschiff ausgesendet, um Söldner anzuheuern. Trotz der Tatsache, dass der Planet keine nennenswerten Reichtümer hat, ist vor allem Zed zuversichtlich, dass sich Söldner finden werden, die aus anderen Motiven heraus bereit sind zu kämpfen. Das Raumschiff trägt den Namen Nell, es bringt dem friedfertigen Shad bei, sich der Waffen des Raumschiffs zu bedienen.

Das erste Ziel ist eine riesige Raumstation, in der nur noch Dr. Hephaestus mit seiner Tochter Nanelia mit einigen Robotern lebt. Dr. Hephaestus, der künstlich am Leben erhalten wird, will Shad bei sich behalten und er soll mit seiner Tochter, die noch nie andere Menschen gesehen hat, für Nachwuchs sorgen. Nanelia versteht allerdings Shads Mission und verhilft ihm zur Flucht. Wenig später schließt sie sich mit einem modernen Raumschiff an und gewinnt Cayman, dessen Zivilisation von Sador ausgerottet wurde, als Verbündeten. Bei ihm sind zwei Thermalwesen, die nur durch Wärme miteinander kommunizieren.

Kinoplakat (US): Sador – Herrscher im WeltraumShad rettet dem Raumcowboy von der Erde das Leben. Er hat Handwaffen geladen, aber das System, wohin er liefern sollte, wird von Sador mit dem Konverter zerstört. Als Dank für seine Rettung verspricht der Raumcowboy, sich um die Bodenverteidigung von Akir zu kümmern. Die weitere Suche nach Söldnern bringt Shad zu Nestor, einer telepathischen Spezies vieler Klone mit einem gemeinsamen identischen Bewusstsein. Sie schließen sich aus Langeweile an. Auf einem verwahrlosten Planeten trifft Shad in einer verlassenen unterirdischen Stadt auf den Kopfgeldjäger Geld. Dieser ist ein reicher Mann, der sich aber so viele Feinde geschaffen hat, dass er nirgendwo anders mit Zuflucht und Unterstützung rechnen kann. Das letzte Wesen, das sich dem Bündnis anschließt, ist die kriegerische Walküre Saint-Exmin, die in einem winzigen Raumschiff fliegt und daher von Shad nicht ernst genommen wird.

Die Konfrontation mit Sador beginnt, als die Raumschiffe Akir erreichen und die zurückgelassene feindliche Patrouille abfangen und zerstören. In einem ersten Raumgefecht werden kleine Schiffe zerstört und das Hauptschiff Sadors geschwächt. Das Bodengefecht entwickelt sich zugunsten der Verteidiger, aber die von Sador eingesetzte Schallwaffe erscheint unbesiegbar …

Was zu sagen wäre

Fantasy mit Raumschiffen ist ziemlich In, seit George Lucas mit Krieg der Sterne (1977) den Überraschungserfolg des Jahrzehnts gelandet hat. Jetzt hagelt es Epigonen des Sternenkriegs im Weltall und Reiter der Weltraumwelle. Star Crash war 1978 einer der ersten. Der sah damals aus, wie aus dem Portemonnaie von Sparfuchs Roger Corman finanziert, aber damals war er unschuldig. Jetzt nicht. Mit „Sador“ setzt der weithin geschätzte Produzent von Filmen mit ultraknappem Budget nach (Piranhas – 1978; Der Mann mit den Röntgenaugen – 1963; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963). Er hat seine Autoren den Westernklassiker Die glorreichen Sieben ins Weltall übertragen lassen, seinerseits ein Remake des japanischen Klassikers „Die sieben Samurai“ (1954) von Akira Kurosawa – weshalb nun der Planet, der hier angegriffen wird, als höfliche Verbeugung Akir heißt. Corman hat auch gleich, ohne sich selbst im Abspann zu nennen, Regie geführt.

Robert Vaughn spielt den einsamen Killer und gibt eine Karikatur seines Söldners Lee aus John Sturges' Western Die glorreichen Sieben (1960); ein Kerl, der über die Jahrzehnte so viele Wesen getötet hat, dass er sich nirgendwo mehr blicken lassen kann, dabei so viel Geld verdient hat, dass er sich selbst nur noch „Geld“ nennt; ein Killer, dem nichts fremd ist und der sogar für ein einfaches Bett kämpft („Mein Name ist Geld. Ich bin im Weltraum geboren.“ „Dann übernimm du die Rückendeckung.“ „Das tue ich immer.“). Auf Akir sitzt er im abendlichen Schein des Lagerfeuers und versucht, sich die neugierigen Kinder vom Hals zu halten: „Ich denke nicht so wie Ihr auf Akir. Und wer anders denkt, den nennt man böse.“ „Und was denken Sie?“ „Gar nicht!“ „Waren Sie schon böse, als Sie klein waren? „So klein war ich nie.

Kurz: Man darf diese SciFi-Fantasy bloß nicht ernst nehmen, aber mit Filmen wiedem „Battle beyond the Stars“ wird erst so recht klar, was George Lucas tatsächlich für das moderne Kino getan hat: Seine Special Effects 1977 waren schon ausgefuchster, als die in diesem Film von 1980. Lucas Kriegsraumer hatten echte Dimensionen. Da konnte man sehen, wie groß die Schiffe im Verhältnis zueinander, im Verhältnis zu den Menschen waren, die sie steuern. Im vorliegenden Film fliegen die Raumschiffe nur einzeln durchs Bild – vorwiegend mit einkopierten Laserstrahlen auf die Kamera zu, wie einst die Raumjäger in der TV-Serie „Kampfstern Galactica“ (1978 – 1980). Das ist weniger charmant, weil so sympathisch billig. Das ist eher langweilig, weil an den Bedürfnissen für die große Leinwand vorbei produziert. Einziger Pluspunkt in diesem Discounterkino: Die meisten Kampfraumer erinnern im Design an Insekten; das ist ganz hübsch, bleibt letztlich aber ohne Belang <Nachtrag 2017>bis auf die Tatsache, dass als einer von zwei Art Directors der junge James Cameron fungiert, der später mit Filmen wie TerminatorTitanic oder Avatar Schlagzeilen machte. Auch Alec Gillis baut hier seine ersten Filmtricks; er wurde später für seine Kreaturen in Alien vs. Predator bekannt.</Nachtrag>

Kinoplakat (US): Sador – Herrscher im Weltraum

Die in solchen Filmen unausweichliche – in Analogie zum übermächtigen Vorbild Star Wars könnte man sagen – „Han Solo“-Rollo übernimmt George Peppard (Straße der Verdammnis – 1977; Frühstück bei Tiffany – 1961), der als Cowboy lustvoll alle Klischees ausspielt, die zu so einem Haudegen gehören („Ich habe schon öfter gekämpft, als alte Filme gesehen; und das will was heißen. Ich habe die größte Sammlung alter Western.“). Das ist rasch ermüdend, weil hinter der Whiskey-Kettenraucher-Schnellfeuer-Coolness keine menschliche Figur zutage tritt. Da sorgt sogar der mütterliche Bordcomputer NELL, der den juvenilen Helden Shad – Richard Thomas spielt ihn, als wäre er für immer im Körper John Boy Waltons gefangen – durch die Fährnisse einer Sternenschlacht und jene romantischer Verzwickungen führt („Wer A sagt muss auch B sagen.“), für mehr Empathie beim Zuschauer. Während Robert Vaughn dann erwartungsgemäß einen ihm angemessenen, stoisch einsamen Heldentod in seinem Kampfraumer stirbt, darf sich Cowboy Peppard ein paar echte Schusswaffen-aus-der-Hüfte-Duelle liefern – und ununterbrochen rauchen.

Zwischen ihnen marodiert die unvermeidliche Sybil Danning („Tag der Kobra – 1980; „Meteor“ – 1979; „Airport ’80 – Die Concorde“ – 1979) in martialischer Leder-Bikini-Montur als Walküre, die die billigen Gelüste des Bahnhofskinovolkes befriedigen soll, sowie John Saxon, auch einer jener ewig gleich dreinblickenden Schurkenfiguren (Asphaltkannibalen“ – 1980; Der elektrische Reiter – 1979; „10.000 PS – Vollgasrausch im Grenzbereich“ – 1979; Sinola – 1972) als Titelgebender Herrscher Sador, der mit geschmiktem Auge und in lederner SA-Montur (inkl. abstrahierter Todeskopf-Loge am Kragen) hijter gelbgrün ausgeleuchteten Pulten steht und flucht WIR WERDEN SIE BRENNEN LASSEN! BRÄNNÄN!!

Phantasievoller sind allemal die Extraterrestren in diesem Film („Sie sind Kelvin. Thermalwesen. Sie verständigen sich durch Wärmeenergie.“), die zwar in Maske und Kostüm aussehen, als seien sie aus der TV-Serie Star Trek aus den 60er Jahren herübergebeamt (und als habe es Star Wars – 1977, Star Trek – The Movie – 1979, oder Alien –1979 nicht gegeben), aber wenigstens für einen gewissen Witz sorgen; und Witz hat dieser komische Film dringend nötig. Da macht er so ganz nebenbei ein großes Fass auf, als er die Nestor in die Geschichte einführt. Viele tausend Wesen, die – feuchter Traum aller Verfechter eines klassenlosen Sozialismus‘ – alle dasselbe denken und fühlen: „Unser Bewusstsein ist identisch. Es gibt nur einen Nestor. In vielen Körpern. Du kannst Dir denken, dass es einen vereinsamen lässt. Und sehr langweilig ist.“ Und dann sind es außerdem jene gleichgeschalteten Nestor, die den Individualismus feiern: „Solange es Leben gibt, sind die Möglichkeiten unbegrenzt.

Und der reptilienartige Cayman, Kopfgeldjäger und Händler mit allem, was sich handeln lässt hat den schönsten Satz des Films: „Natürlich würde ich Dich verkaufen. Lebendig oder als Protein. Je nachdem, was mehr einbringt.

Wertung: 3 von 9 D-Mark