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Kinoplakat: The Player

Das Leben imitiert die Kunst
Und diese Kunst ist Geschäft

Titel The Player
(The Player)
Drehbuch Michael Tolkin
nach seiner gleichnamigen Romanvorlage
Regie Robert Altman, USA 1992
Darsteller
Tim Robbins, Greta Scacchi, Fred Ward, Whoopi Goldberg, Peter Gallagher, Brion James, Cynthia Stevenson, Vincent D'Onofrio, Dean Stockwell, Richard E. Grant, Sydney Pollack, Lyle Lovett, Dina Merrill, Angela Hall, Leah Ayres u.a.
Genre Comedy, Crime, Drama
Filmlänge 124 Minuten
Deutschlandstart
2. Juli 1992
Inhalt

Die Sterne stehen schlecht für den Hollywood-Produzenten Griffin Mill. Zum einen sitzt dem Erfolgsverwöhnten ein Konkurrent im Nacken, zum anderen erhält er per Post laufend mysteriöse Morddrohungen.

Er verdächtigt den Drehbuchautor David Kahane. Bei einer Aussprache zwischen den beiden kommt es zum Streit, Kahane stürzt – und ist tot. In der Hoffnung, ungeschoren davonzukommen, täuscht Mill einen Raubüberfall vor.

Im Verhör durch Detecitve Avery streitet er natürlich alles ab. Bei Kahanes Beerdigung lernt er dessen Freundin June kennen und eine heiße Liebesgeschichte beginnt. Als die Polizei jedoch eine Zeugin des Mordes präsentiert, scheint die Katastrophe unabwendbar …

Was zu sagen wäre

Ein Film im Film im Film … im Film? Das auf den ersten Blick verborgene, aber dann nächstliegende Gütesiegel für diesen Film ist seine Besetzung – vor allem die der stummen Statistenrollen. Robert Altman hat sie alle bekommen. Vor seiner Kamera tummelt sich tout Hollywood, selbst die gerade angesagten Megas Bruce Willis und Julia Roberts räumen für ein knapp zweiminütiges Stelldichein ihren Terminkalender frei. Das tun diese A-Stars ja nicht, weil sie gerade Geld brauchen und auch ein Statist schonmal mehr als einen Hunderter Tagesgafge cash bekommt. Altman hat offensichtlich einen Nerv getroffen mit seiner in der Heimat des Filmbusiness‘ angesiedelten Krimikomödie. Die zahlreichen Cameoauftritte sind so etwas wie eine Promimäßige Unterschriftenaktion.

Nur: Unterschriften wofür? Oder wogegen?

Hollywood durch Robert Altmans Brille ist ein abstoßender Haufen Machtmenschen, brillant, kreativ, nie aufgebend und darüber zynisch geworden, desinteressiert an den Läufen der normalen Welt da draußen vor den Studiotoren. Die Filmkunst, an die wir Europäer uns so klammern, hat Hollywood längst zum Filmgeschäft gewandelt – das ist ein altes Lamento; aber Robert Altman hat dieses Lamento gefällig verfilmt. Produziert wird, was sich kalkulieren lässt. Also hören sich die Executive Producers der Studios in ihren kleinen Büros, die immer unpersönlich wirken, weil diese Leute täglich damit rechnen, gefeuert zu werden, tagein tagaus Filmideen an, die immer in dem Satz gipfeln, das Buch sei „eine Mischung aus Pretty Woman und Jurassic Park“ oder „Star Wars und Der dritte Mann“ oder „Der weiße Hai und Rain Man“, wenn es sich bei dem Script nicht gleich um die Fortsetzung zu einem Erfolgsfilm handelt.

Solche Vorstellungsriten heißen in der Branche Pitch; da hat dann der Anbieter zehn Sätze, drei Minuten, eine DIN-A5-Seite Platz, seine Idee und die Erfolgsaussichten einer möglichen Verfilmung zu skizzieren. Der britische Mime Richard E. Grant spielt bei Altman den erfahrenen Drehbuchautor Tom Oakley. Der hält sich gar nicht mit inhaltlichen Ideen bei der Präsentation auf. Er stellt seine Idee gleich über die eindringliche Schilderung der ersten fünf Kameraeinstellungen vor. Produzenten wollen offenbar nicht denken, nicht kalkulieren, nicht lesen, die wollen einen Film mit verkaufsfördernden Kameraeinstellungen („Oh, klingt gut. So etwas gab es noch nicht.“). Dass Menschen in dieser Welt nach denselben Marktkriterien angezogen und abgestoßen werden, bedarf kaum einer weiteren Erklärung und auch der Sympathieträger ist nur das schöner lächelnde Arschloch.

Es ist eine gewaltige Unterschriftenaktion, die die vielen Hollywoodstars als Robert Altmans Gäste da personifizieren. Und eine tiefe, respektvolle Verbeugung vor einem ausgezeichneten Erzähler („Vincent & Theo“ – 1990; „Popeye – Der Seemann mit dem harten Schlag – 1980; „Quintett“ – 1979; „Eine Hochzeit“ – 1978; „Buffallo Bill und die Indianer“ – 1976; „Nashville“ – 1975; „M.A.S.H.“ – 1970).

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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