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Plakatmotiv: Das dreckige Dutzend (1967)
Sie haben keine Chance.
Aber die nutzen sie!
Titel Das dreckige Dutzend
(The Dirty Dozen)
Drehbuch Nunnally Johnson + Lukas Heller
nach dem gleichnamigen Roman von E.M. Nathanson
Regie Robert Aldrich, UK, USA 1967
Darsteller Lee Marvin, Ernest Borgnine, Charles Bronson, Jim Brown, John Cassavetes, Richard Jaeckel, George Kennedy, Trini López, Ralph Meeker, Robert Ryan, Telly Savalas, Donald Sutherland, Clint Walker, Robert Webber, Tom Busby u.a.
Genre Action, Abenteuer, Krieg
Filmlänge 150 Minuten
Deutschlandstart
9. November 1967
Inhalt

England, März 1944: Wegen seiner unkonventionellen Methoden ist der amerikanische Major Reisman bei seinen Vorgesetzten schlecht angesehen. Dennoch erhält der Offizier den Auftrag, ein Spezialkommando auszubilden, das hinter den feindlichen Linien ein Schloss angreifen soll, in dem sich deutsche Wehrmachtsoffiziere zur Erholung aufhalten. Den gefährlichen Auftrag sollen zwölf amerikanische Militärangehörige ausführen, die wegen schwerer Verbrechen in einem amerikanischen Militärgefängnis in England einsitzen und zum Tode oder zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Im Gegenzug wird ihnen Strafmilderung versprochen.

Reisman rekrutiert seine zwölf Leute, die zunächst nicht bereit sind, sich weiter der militärischen Disziplin zu unterwerfen. Doch der Major, ein harter Schleifer, macht den Männern schnell klar, dass sie sich keine Unregelmäßigkeiten erlauben können. In einem Ausbildungslager wird das Kommando mit Hilfe des Militärpolizisten Sergeant Bowren auf den Einsatz vorbereitet. Zunächst sträuben sich die Männer noch, und vor allem der zum Tode verurteilte Soldat Franko macht Reisman ein ums andere Mal das Leben schwer; nachdem dieser sich über kaltes Wasser zum Rasieren beschwert hatte, wird allen Männern das Rasier- und Waschzeug abgenommen, weshalb sie als das titelstiftende „dreckige Dutzend“ bekannt werden.

Plakatmotiv: Das dreckige Dutzend (1967)Der harte Drill schweißt die Männer, die bis dahin alle egoistische Individualisten waren, allmählich zu einer verschworenen Gruppe zusammen. Bei einem militärischen Empfang machen sie sich dann über Colonel Breed, Reismans Intimfeind, lustig. Das bringt einige Offiziere und Generäle gegen Reisman auf. Damit die Männer nicht zur Verbüßung ihrer Strafen ins Gefängnis zurückmüssen, sollen sie sich in einem Manöver beweisen und dort Breeds Stab gefangen nehmen, und durch trickreiche Art und Weise gelingt dem Dutzend dann auch dieses Unterfangen.

Das Spezialkommando springt in Frankreich hinter den feindlichen Linien ab, und nach einem genau festgelegten Plan infiltrieren und umstellen die Männer das Wehrmachtsschloss. Als der psychopathische Frauenhasser Maggott aufgrund der im Schloss anwesenden Frauen durchdreht, bricht Chaos aus …

Was zu sagen wäre

Hollywood überholt sich selbst. Robert Aldrich, Spezialist für die Dekonstruktion des durch Uniform definierten Mannes (Der Flug des Phoenix – 1965; „Wiegenlied für eine Leiche“ – 1964; „Hollywood-Story“ – 1955) treibt die Comando-Story auf die Spitze.

Irgendwo in Übersee tobt seit Jahren ein Krieg, in dem US-Soldaten die Freiheit der westlichen Welt verteidigen sollen, obwohl das schon länger niemand mehr versteht. Der Krieg in Vietnam verändert das Bewusstsein der US-Bürger – und damit die Sehgewohnheit des Kinopublikums: Krieg ist keine plumpe Heldengeschichte mehr. Robert Aldrich macht das beste draus, verknüpft die Ratlosigkeit des Publikums mit dessen Lust an der Action. Seine Kämpfer haben – ähnlich denen in Vietnam – schon keine Chance mehr, als wir sie kennen lernen. Es sind Mörder, Vergewaltiger und sonstwie Gewalttätige, die auf den Strick warten; die eher dem eigenen General an die Gurgel gehen würden, als dem deutschen – „Was sie kennen“, sagt Major Reisman, „ist die Armee. Die Deutschen haben ihnen bisher nichts getan.

Plakatmotiv: Das dreckige Dutzend (1967)Einen Krieg gewinnen, sagt der Film, kann man nur mit Leuten, die nichts zu verlieren haben. Wer sonst sollte sich freiwillig für solch einen Wahnsinn melden? Aldrich macht den Wahnsinn in einer kleinen Randnotiz seines Films deutlich. Da läuft im Radio ein melancholisches Liebeslied und zwei der der Männer sinnieren: „Bei allen Völkern wird jetzt dasselbe gesungen.“ „Ja, von den einsamen Frauen, die zuhause warten, von den Männern, die aus den Schrecken des Krieges gesund heimkommen sollen. Aber alle machen das Kriegsspiel munter mit.

Über den Kunstgriff der Todeskandidaten kann Aldrich seinen Film in jede noch so krude Richtung lenken, was im Ergebnis zu einer zynischen Betrachtung des Kriegs und seiner Notwendigkeiten führt. Vom Kinosessel aus sind diese Notwendigkeiten nicht schön, gleichzeitig aber Garant für spannende Szenen.

Robert Aldrich ist einer der großen, unabhängigen Liberalen des amerikanischen Kinos. Patrioten kann Major Reisman sicher nicht aus seinen Leuten machen, wie also kann er sie disziplinieren, zum Heroismus zwingen? Verurteilte müssen nicht zum Drill, erklärt John Cassavetes mit bösem Blick dem Major, und da können Sie gar nichts machen, Mister. Der Major lässt es auf eine kleinme Rauferei ankommen – der Leitwolf muss seine Stärke eben stets physisch beweisen.

Wie die zwölf in der Anfangsszene zusammenstehen, sind sie wie Schulbuben auf dem Pausenhof, widerspenstig, rebellisch, böse, lauernd auf eine Schwäche des Lehrers – es steckt viel vom antiautoritären Geist von '68 in diesem Dutzend. „Einen schönen Haufen Soziopathen haben Sie da“, sagt der Adjutant angewidert. „Ich wüsste keine bessere Art, erwidert der Major, einen Krieg zu führen.

Aldrich und seine Autoren Nunnally Johnson und Lukas Heller tauchen tief ein in eine Männerwelt – eine Welt des Rituals, mit der sich die Spezies im Rudel sortiert, behauptet, orientiert. Es gibt die vorlauten Sprücheklopfer, die zunächst die meiste Aufmerksamkeit erhalten, es gibt die zickigen und weinerlichen Typen, die durch eine harte Ausbildung zu verlässlichen Teamplayern werden, es gibt die Psychopathen, die für Ärger sorgen und vor Beginn des Abspanns abtreten werden und es gibt die ängstlichen Männer, die – womöglich – zum entscheidenden Zeitpunkt das richtige, lebensrettende tun werden. Dass das funktioniert, dafür steht Lee Marvin („Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming – 1965; „Der Tod eines Killers“ – 1964; Der Mann der Liberty Valance erschoss – 1962). Marvin gibt ein grandioses Portrait des Hart-aber-Gerecht-Schleifers gibt. Er redet ohne den Mund aufzumachen, sieht alles durch fest zusammengekniffene Augen und lässt sich von keinem der Nix-zu-verlieren-Typen seiner Truppe verarschen.

Es sind keine unbesiegbaren Supermänner. Das macht eine Szene ausgerechnet in der Latrine deutlich. Da wird Joseph Wladislaw von zwei Männern des eitlen Colonels Breed angegriffen. Und obwohl der harte-Kerl-Darsteller Charles Bronson diesen Wladislaw spielt, der in anderen Filmen auch mal fünf Angreifer ausschaltet („Vier für Texas“ – 1963; Gesprengte Ketten – 1963; Die glorreichen Sieben – 1960), wird er hier ordentlich vermöbelt und muss von zwei Kameraden rausgeboxt werden. Tatsächlich unterscheidet sich das psychologische Profil in Aldrichs Team nicht so sehr von dem aus früheren Kommandofilmen wie Die Kanonen von Navarone (1961) – nur, dass die Männer hier halt keine Wahl haben, sofern man die Wahl zwischen Hinrichtung und Todeskommando als keine Wahl durchgehen lässt.

Entsprechend gnadenlos verhalten sich die Männer in der Ausübung ihres Auftrags. Wir haben uns daran gewöhnt, dass in solchen Filmen zahllose deutsche Soldaten – meist solche, die unaufmerksam am Wachposten herumlungern, gerne rauchend – abgeschossen, erstochen oder durch Genickbruch aus dem Leben befördert werden. Die Delinquenten in Aldrichs Film aber pferchen eine ganze Partygesellschaft – Offiziere, Frauen, Zivilisten – ins Kellergeschoss und lassen sie dann per Handgranten und Benzin hochgehen. Da bekommt sogar der ein oder andere aus dem Dreckigen Dutzend Gewissensbisse.

Es ist dann aber eben auch ein Kriegsfilm, und im Krieg gelten andere Regeln, sterben Menschen, auch unschuldige. Das machen die Männer schon in einem Manöver zuvor deutlich, als sie fröhlich blaue, rote und grüne Erkennungsbinden tauschen, damit zwischen den Fronten wandeln, sich sogar als Sanitäter tarnen, sich also nicht an die Spielregeln halten – und genau deshalb im Manöver den Sieg davon tragen.

Krieg ist kein Spiel, ist keine Spaßveranstaltung. Das ist vielleicht die erstaunlichste Botschaft, die dieser Männer-im-Krieg-Film vermittelt.

Wertung: 8 von 8 D-Mark
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