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Plakatmotiv: Tomb Raider (2018)
Mittelmäßiger Abenteuerfilm
mit großer Alicia Vikander
Titel Tomb Raider
(Tomb Raider)
Drehbuch Geneva Robertson-Dworet + Alastair Siddons + Evan Daugherty
nach Motiven des Computerspiels „Tomb Raider“
Regie Roar Uthaug, UK, USA 2018
Darsteller Alicia Vikander, Dominic West, Walton Goggins, Daniel Wu, Kristin Scott Thomas, Derek Jacobi, Alexandre Willaume, Tamer Burjaq, Adrian Collins, Keenan Arrison, Andrian Mazive, Milton Schorr, Hannah John-Kamen, Peter Waison, Samuel Mak u.a.
Genre Abenteuer, Action
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
15. März 2018
Inhalt

Lara Croft arbeitet als Fahrradkurier in London. Sie lebt ein eigenständiges Leben und weigert sich, die Firma ihres seit sieben Jahren vermissten Vaters, die Croft Holding, zu übernehmen und damit gleichzeitig anzuerkennen, was Behörden, Polizei und Detektive seit Jahren sagen, dass ihr Vater, Richard Croft, tot ist.

Nachdem sie nach einem Fahrradrennen und einem Unfall mit einem Streifenwagen verhaftet wird, drängt sie Richard Crofts Geschäftspartnerin Ana Miller erneut dazu, die Papiere zu unterzeichnen und in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, da sein Erbe sonst verfallen würde. Lara lenkt widerwillig ein und erhält so Zugang zu Richards persönlichen Erbstücken, darunter einem Schlüssel, der ihr Zugang zu seinem persönlichen Zimmer gibt.

Dort erfährt sie durch eine zuvor von ihrem Vater aufgezeichnete Videobotschaft, dass dieser sich neben dem Geschäftsleben intensiv mit den Mythen der japanischen Königin Himiko, Herrscherin über das Reich Yamatai, beschäftigt hatte, bevor er verschwand. Sie erfährt, dass Himiko der Legende nach die Fähigkeit besaß, allein durch ihre Berührungen über Leben und Tod zu bestimmen, weshalb sie in einem geheimen Grab beerdigt worden sein soll. Lara findet außerdem heraus, wo ihr Vater vermutlich zuletzt nach diesem Grab gesucht hatte und begibt sich trotz der ausdrücklichen Anweisung ihres Vater, alle Aufzeichnungen über Himiko zu zerstören, auf die Suche nach ihm.

Lara reist nach Hongkong, wo sie auf Lu Ren trifft, den Kapitän eines kleinen Schiffs und Sohn des Mannes, der Laras Vater einst auf die Insel, die früher wohl Yamatai war, brachte. Gemeinsam begeben sie sich erneut dorthin, erleiden aber durch ein heftiges Unwetter Schiffbruch. Sie schafft es dennoch an Land, wo sie von Soldaten bewusstlos geschlagen wird.

Als sie zu sich kommt, erzählt ihr Mathias Vogel, der Anführer einer Expedition um das Grabmal Himikos zu finden, dass er ihren Vater vor vielen Jahren getötet habe. Die Expedition wird von einer Geheimorganisation namens Trinity angeführt, die die mystischen Kräfte Himikos entfesseln und für ihre Zwecke nutzen will …

Was zu sagen wäre

Darf man sich ärgern, einen schlechten Abenteuerfilm gesehen zu haben, der den Titel „Grabräuber“ trägt? Klar: Hätte man wissen können. Die Verfilmung von Videpspielen war selten ein Vergnügen. Meisterns sitzt man dann im Kino und hofft, man könne mit Konsole eingreifen, ein bisschen neues Terrain erkunden gehen. Geht aber nicht. Und die diesem Film zugrunde liegenden Lara-Croft-Games sind nun auch kein Ausbund an Originalität, schließlich geht es vor allem darum, die schöne Abenteurerin über Klippen, reißende Flüsse, tödliche Fallen und ballernde Kerle zu lenken; die Kulisse ist exotisch, das, was gesucht wird, immer irgendwie mordstödlich und eigentlich auch noch nicht so wichtig.

Hauptsache, Lara springt und kämpft und schießt. Oder auch: Hauptsache, Lara! Viele Abenteuerspiele haben heute einen Titelhelden, der seine Spieleserie dominiert. Aber nur den Namen Lara Croft behält man im Kopf. Weil sie die erste Frau im Adventuregame war. Weil sie Schlagzeilen wegen ihres Aussehens machte. Weil sie in einem Genre, das nahezu komplett von Jungs bevölkert war – auf der Seite der Programmierer sowieso, aber auch auf der Seite der Spieler – als feuchter Jungstraum designt war: eine Frau mit ausgeprägten sekundären Geschlechtsmerkmalen, mit der man(n) auch noch Pferde stehlen gehen konnte. Lara war der Mittelpunkt ihrer Abenteuer-Action-Spiele. Nicht das Abenteuer. Nicht die Action.

Und damit sind wir bei Alicia Vikander, die nicht Angelina Jolie ist. Was ein Glück ist – für diesen Film und für den Zuschauer im Kinosessel. Klar: Die 1990er Jahre, in der Lara Croft erfunden wurde, sind nicht die 2010er Jahre, in denen die Abenteurerin einen Reboot auf der Konsole erlebte, insofern ist ein Vergleich von Angelina Jolie als Lara Croft vor 17 Jahren, basierend auf dem 90er-Jahre-Game, und Alicia Vikander als Lara Croft aus dem 2013er-Reboot albern. Jede Zeit hat die Kinohelden, die sie verdient; auch der ewige Vergleich zwischen dem jeweils aktuellen Hauptdarsteller der James-Bond-Reihe mit Sean Coonnery, dem ersten Hauptdarsteller (in den 1960er Jahren), ist ja ein rein akademischer, der keinen Erkenntnisgewinn liefert.

Aber Alicia Vikander macht die Heldin menschlich erlebbar (Tulpenfieber – 2017; Liebe zwischen den Meeren – 2016; Jason Bourne – 2016; The Danish Girl – 2015; Codename U.N.C.L.E. – 2015; Seventh Son – 2014; Ex Machina – 2014; „Inside WikiLeaks“ – 2013; „Anna Karenina“ – 2012). Wo die Lara Croft Angelina Jolies genauso so irreal wirkte wie die Abenteuer, die sie erlebte, diese Abenteuer folglich immer neues, nie gesehenes Augenfutter liefern mussten (und daran scheiterten), ist die Lara Croft Vikanders verletzlich. Am Anfang wird sie beim Kickbox-Training vermöbelt, anschließend scheitert sie als begabte Fahrradkurierin in einem Wettbewerb, der dem Film nach einer viertel Stunde schon dessen schönste Actionsequenz bietet, sie schreit Aua, wenn sie gegen eine Felswand prallt, heult auf, wenn ihr ein Pfeil aus dem Fleisch gezogen wird, sie ist klein, zierlich und, vergleichen wir sie mit dem stereotypen Kino-Abenteurer – eigentlich gar nicht gebaut für so einen Abenteuertrip.

Aber dann ist da dieser Blick, der Entschlossenheit ausstrahlt. Zu den imposanten Muskelpartien, die dem Kinozuschauer schon beim eingangs gezeigten Kickboxing signalisieren, dass da kein wehrloses Mädchen im Ring verprügelt wird, ist es dieser Blick, der Lara Croft in dem, was sie nun anstößt, immer glaubhaft wirken lässt. In diesem Film steht Alicia Vikander ihre Schönheit eher im Weg, weil ich mich dauernd frage, ob ich eigentlich nur lustvoll glotze, um das Mädchen ein bisschen leiden zu sehen, oder ob ich gefesselt bin, weil ich ihr die Motivation aufs Abenteuer tatsächlich glaube.

Es ist Letzteres. Der Abenteuerfilm ist langweilig, Vikander nicht. Das Abenteuer, die Schurken, die Hürden bieten nichts großartig Neues, im Grunde hat man das schon in den 1980er Jahren alles sehen können bei Indiana Jones und Konsorten; heute sind die Special Effects halt digital und 3D. Aber das, was sie zeigen, ist austauschbar – wo war das noch mit dem Flugzeugwrack über dem Wasserfall? Wo war dieser Motorrad-Stunt? In welchem Film hing Tom Cruise noch gleich an der Tür des Flugzeugs?

Aber aus dem Mädchen, das keine reiche Prinzessin sein will, sich statt dessen lieber durchs harte Leben schlägt, bis sie in einem XXL-Abenteuer landet, macht die schwedische Schauspielerin einen überrschenden, abwechslungsreichen Charakter, dem ich gerne zwei Stunden durchs Kinouniversum folge. Die erotische Komponente, die bei der auf der 90er-Vorlage basierenden Vorgängerin eine Rolle spielte, ist weg. Auf sowas wie Beziehungskram hat die moderne Frau gerade keine Lust.

Es wird interessant sein, wie wir auf Alicia Vikanders Lara Croft zurückblicken, wenn weitere 17 Jahre ins Land gegangen sind.

Wertung: 5 von 8 €uro
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