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Kinoplakat: Rendezvous mit Joe Black
Hochglanz Schmachtfetzen
mit einem guten Brad Pitt
Titel Rendezvous mit Joe Black
(Meet Joe Black)
Drehbuch Ron Osborn + Jeff Reno + Kevin Wade + Bo Goldman + Walter Ferris
nach dem Theaterstück „Death takes a Holiday“ von Alberto Casella, inspiriert durch ein früheres Drehbuch von Maxwell Anderson + Gladys Lehman
Regie Martin Brest, USA 1998
Darsteller

Brad Pitt, Anthony Hopkins, Claire Forlani, Jake Weber, Marcia Gay Harden, Jeffrey Tambor, David S. Howard, Lois Kelly-Miller, Jahnni St. John, Richard Clarke, Diane Kagan, June Squibb, Gene Canfield, Suzanne Hevner u.a.

Genre Drama, Romanze
Filmlänge 178 Minuten
Deutschlandstart
14. Januar 1999
Inhalt

Ein Frühstückscafé in New York: Susan Parrish, Tochter des Medien-Tycoons William Parrish, ist fasziniert von einem jungen, gutaussehenden Mann, der ihr gegenüber Platz nimmt und mit ihr ein Gespräch beginnt. Wenn es so etwas gibt, wie Liebe auf den ersten Blick, dann erwischt es jetzt gerade Susan. Nach einer herzlichen Konversation verabschieden sich die beiden. Sie gehen getrennte Wege. Als der junge Mann die Straße überquert, wird er von einem heranrasenden Lkw überfahren. Er ist auf der Stelle tot. Susan hat von dem Unfall nichts mitbekommen.

Am gleichen Morgen hat William Parrish in seinem Büro eine Begegnung mit dem Tod. Heftige Brustschmerzen, die in Wellen kommen, werfen den mächtigen Manager um. Irritiert, nicht nur vom Herzanfall, sondern auch von einer nicht zu lokalisierenden Stimme, erkennt Parrish, dass er nur noch wenige Tage zu leben hat.

Am Abend in der feudalen Stadtwohnung der Parrishs: Die Familie trifft sich zu einem der seltenen gemeinsamen Abendessen. Alles dreht sich um Parrishs bevorstehenden 65. Geburtstag, als er wieder diese eigenartige Stimme wahrnimmt, die ihm einen Besucher ankündigt. Er stehe bereits vor der Tür. Nur Minuten später begegnet er einem jungen, blonden Mann, der sich nicht lange vorzustellen braucht: es ist der Tod, der gekommen ist, William Parrish in eine andere Welt zu begleiten. Doch vorher hat der Tod ein Anliegen. Er hat sich eine kleine „Auszeit” genommen, in der er das Leben und insbesondere seinen Klienten William Parrish kennenlernen möchte. Parrish willigt ein. Er bittet den Besucher zu Tisch und stellt ihn vor – als Joe Black.

Kinoplakat: Rendezvous mit Joe BlackBesonders Susan ist vom Anblick des jungen Mannes überrascht. Es ist der charmante Junge, in den sie sich am Morgen im Café Hals über Kopf verliebte. Eigenartig nur: Joe Black kann sich an diese Begegnung kaum erinnern. Wie auch: „Ich habe einen Körper gebraucht“, wird er später seinem „Gastgeber“ erzählen. Susan jedenfalls ist verwirrt. Ihre schüchternen Annährungsversuche werden seltsam unbeholfen zur Kenntnis genommen.

Bis zu dem Moment, wo es auch bei „Joe Black“ funkt. Seinem erschrockenen Klienten offenbart er, dass er gedenke, auch dessen Tochter mitzunehmen. Jetzt beginnt Parrish, gegen sein Schicksal anzukämpfen …

Was zu sagen wäre

Das nenne ich mal eine Romanze. Fernab der modernen Sucht, alles zu ironisieren und zu verwitzeln, nimmt sich dieser Film samt seines – tödlichen – Sujets sehr ernst. Und das funktioniert. Erzählt wird die Geschichte, wie der Tod einst auf die Welt kam, um Anthony Hopkins zu holen und sich dabei in Claire Forlani verliebte. Martin Brest erzählt das mit Hochglanz und Hochglanz-Akteuren. Das erste Aufeinandertreffen von Claire Forlani und Brad Pitt im Frühstöckscafé ist eine kleine Zungenschnalz-Miniatur.

Hochglanz-Profis in der Hochglanz-Kulisse einer Hochglanz-Gesellschaft mit leicht intriganter Note. Dass der Tod da aussieht, wie Brad Pitt, ist irgendwie folgerichtig – wenn nicht sogar so etwas wie beißende Ironie. Wenn sich dem Claire Forlani („Basquiat” – 1996; The Rock – Fels der Entscheidung – 1996) mit ihren immer nah am Wasser gebauten Augen in eindeutiger Absicht nähert, wird er unruhig, der Herrscher über die unendliche Ewigkeit. Brad Pitt („Sieben Jahre in Tibet“ – 1997; 12 Monkeys – 1995; Sieben – 1995; „Interview mit einem Vampir“ – 1994; Thelma & Louise – 1991) spielt diesen Allmächtigen klug – wahlweise mit nervös flackerndem Blick in hin und her huschenden Augen oder eiskalt, wenn er Tycoon Anthony Hopkins („Die Maske des Zorro“ – 1998; Amistad – 1997; Auf Messers Schneide – 1997; Nixon – 1995) klar macht, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. In sowas haben die beiden Übung, seit sie sich vor vier Jahren in Legenden der Leidenschaft schon leidenschaftlich gezofft und verehrt haben. Martin Brest („Der Duft der Frauen“ – 1992; „Midnight Run“ – 1988; „Beverly Hills Cop“ – 1984) entscheidet sich für die zurückhaltende Regie und als sein eigener Produzent kann er sich die auch bewilligen und den nötigen Platz dazu gleich mit – drei Stunden Film für so eine Geschichte ist viel (in den letzten 45 Minuten stellt sich heraus: zu viel). Brest spart mit Musik – er braucht sie nicht. Auch seine Montage ist zurüchaltend, viele lange Einstellungen prägen den Rhythmus seines Films – Ruhe. Brest lässt seinen Schauspielern viel Raum ohne Getöse und Brimborium und die danken es ihm mit großer Spielfreude und vielen Momenten.

Manmal ist dieses Hochglanzprodukt aber dennoch zum Stöhnen, weil all der Hochglanz die Leere mancher Szenen nicht zu überstrahlen vermag: Zum Höhepunkt des Films feiert der Tycoon seinen 65. Geburtstag in seiner Villa auf Long Island. Dort anwesend der rätselhafte Joe Black sowie die beiden Töchter. Während Mr. Parrish selbst in seinem Arbeitszimmer letzte Geschäfte erledigt, können beide Töchter über die Party lustwandeln, ohne dass irgerndjemand sie anspricht – dabei hat die eine alles organisiert und die andere – Susan – ist eine bildschöne Singlefrau, die lediglich mit ihrem alten Vater spricht. Nicht ein Gast kommt mal und wünscht einen guten Abend, dankt für das Fest, will sich ranwanzen an den Mächtigen in Begleitung Brad Pitts. Die Party bleibt Eye Candy, Steh-Ort für Statisten, denen niemand Regieanweisungen gegeben hat – reine Staffage. Das ist sogar für so ein Märchen so bar jeder Realität, dass ich Augen rolle und stöhne. So ist das im Film mehrfach: Das Setting spielt einen halben Zentimeter neben unserer realen Dimension, gibt aber vor mittendrin zu sein - eine Art abgeschottetes Theaterstück mitten in New York.

Aber sonst. Ein eleganter Hochglanz-Schmachtfetzen!

Wertung: 8 von 11 D-Mark
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