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Plakatmotiv: Pippa Lee (2009)
Frauen haben es nicht
leicht. Männer auch nicht.
Titel Pippa Lee
(The Private Lives of Pippa Lee)
Drehbuch Rebecca Miller
nach ihrem gleichnamigen Roman
Regie Rebecca Miller, USA 2009
Darsteller Robin Wright, Keanu Reeves, Alan Arkin, Blake Lively, Winona Ryder, Julianne Moore, Mike Binder, Ryan McDonald, Cornel West, Maria Bello, Arnie Burton, Tim Guinee, Drew Beasley, Madeline McNulty, Beckett Melville, Zoe Kazan, Billy Wheelan, Shirley Knight u.a.
Genre Western
Filmlänge 122 Minuten
Deutschlandstart
26. Oktober 1973
Inhalt

Pippa Lee ist mit dem erfolgreichen Verleger Herb Lee verheiratet. Der ist 30 Jahre älter als sie und feiert bereits seinen 80. Geburtstag. Ihre Kinder Grace und Ben gehen mittlerweile ihrer eigenen Wege.

Nach mehreren Herzanfällen von Herb ist das Paar von New York in eine „Siedlung für Ruheständler“ gezogen – nach Marigold Village, Connecticut. Das aufregende Leben in der New Yorker High Society hat damit ein Ende. Doch nicht Pippa hat Probleme mit dem Leben in der Altersresidenz, sondern Herb, der sich wie lebendig begraben fühlt. Seinen Verlag führt er nun vom Telefon aus, was ihm eher mehr Stress verursacht als früher. Pippa ist besorgt um seine Gesundheit. Gleichzeitig geschehen in ihrem Haus merkwürdige Dinge, die Herb zunächst auf seine Altersdemenz zurückführt. Als sie Kameras installieren, um Gewissheit zu erlangen, müssen sie feststellen, dass Pippa schlafwandelt und sie also für die Turbulenzen im Haus verantwortlich ist. Pippa fängt daher an, über ihr Leben nachzudenken.

Plakatmotiv (US): The private Lives of Pippa Lee (2009)Als Kind litt sie unter ihrer tablettensüchtigen Mutter Suky. Um ihr zu entkommen, zog sie bereits als Teenager zu Hause aus. Zunächst kam sie bei ihrer Tante Trish in Greenwich Village unter, die eine lesbische Beziehung mit der Fotografin Kat führte. Als Kat mit Pippa eine erotische Fotosession veranstaltet hat, wurden sie von der Tante erwischt. Pippa fühlte sich am Zerbrechen dieser Beziehung mitschuldig, sie flüchtete sich in Drogen. Erst als sie den Verleger Herb Lee kennenlernte, schien Ruhe in ihr Leben zu kommen. Herb war in die wilde junge Frau so verliebt, dass er seine Ehefrau Gigi für sie verlassen hat.

Nach jahrelanger Ehe scheint diese Beziehung nun am Ende. Pippa verliebt sich in den Nachbarssohn Chris Nadeau. Eine Liebesbeziehung entsteht jedoch erst, als Pippa feststellen muss, dass Herb sie mit der jungen Sandra Dulles betrügt …

Was zu sagen wäre

So ist das also, wenn Du ein Mädchen bist: Deine Eltern schleifen Dich eher so mit, kümmern sich vor allem um Deine Brüder. Deine Mutter stopft sich voll mit Anti-Depressiva und als Du zu Deiner Tante fliehst, lebt die in einer lesbischen Beziehung mit einer, die Lack-und-Leder-Fotoromane für zweifelhafte Magazine knippst. Aus der daraus folgenden Drogenkarriere holt Dich ein 30 Jahre älterer Sugardaddy mit hohem intellektuellen Anspruch, dem Du zwei Kinder gebärst – ein Sohn, dessen Schicksal unbekannt bleibt, und eine Tochter, die als Kriegsfotografin durch die Welt reist, und Dich hasst – und den Du dann in die Pflege begleitest.

Und als der alte Knacker endlich mit einer noch Jüngeren fremd geht, fängst Du endlich an, über Dein Leben nachzudenken, das da auch schon etwa 50 Jahre alt ist. Rebecca Miller hat ihr eigenes Drehbuch verfilmt, das sie nach ihrem gleichnamigen Roman geschrieben hat; ich darf also annehmen, hier mal die ungeschminkte Sicht der Frauen auf die Welt gezeigt zu bekommen. Und tatsächlich hält mich das auf Abstand.

Ich fühle mich dem Drama so nah, als würde ich einen Film über Außerirdische gucken, die auf der Erde heimisch zu werden versuchen. Schon das allein ist ja eine Leistung eines künstlerischen Werks, mich durchzuschütteln, mich darauf aufmerksam zu machen, dass ich mich für die Erde und Frauen für Fremde halte.

Alan Arkin spielt seine Seniler-Intellektueller-mit-Lust-auf-Mädchen-Rolle mit Würde („Marley & ich“ – 2008; „Get Smart“ – 2008; Firewall – 2006; Little Miss Sunshine – 2006; America's Sweethearts – 2001; Gattaca – 1997; Grosse Pointe Blank: Ein Mann – Ein Mord – 1997; „Glengarry Glen Ross“ – 1992; Rocketeer – 1991; Havanna – 1990; Edward mit den Scherenhänden – 1990; „Catch 22 – Der böse Trick“ – 1970; „Inspektor Clouseau“ – 1968; „Warte, bis es dunkel ist“ – 1967). Seine Verlegerfigur changiert zwischen intellektuellem Furor, väterlichem Charme und schicksalsergebenem Alt sein.

Plakatmotiv (US): The private Lives of Pippa Lee (2009)Den anderen zentralen Mann spielt Keanu Reeves. Er schläft wieder in seinem Kinderzimmer und jobbt an der Tanke, nachdem er seine Frau dabei überraschte, als die seinen besten Freund ritt. Modell: Männer fliegen aus der Bahn, wenn Frauen ihnen übel mitspielen. Jedenfalls Männer, die früher mal an Gott geglaubt haben. Reeves' Chris Nadeau hat sich den Jesus in Normalgröße auf die Brust tätowiert. Pippas Vater übrigens war auch Pfarrer. Eine gewisse Skepsis gegenüber der Kirche … gegenüber den Männern der Kirche kann man(n) in dieser Erzählung also auch erkennen.

Interessanterweise macht es uns Männern die Autoren-Regisseurin dann einfach, indem sie alle Frauenrollen einfach mit sehr attraktiven Schauspielerinnen besetzt. Die sind alle auch gute Schauspielerinnen, die ihre Rollen überzeugend spielen, und womöglich hätte Herb, der reiche Verleger, Pippa ja auch nicht so toll gefunden, wenn sie in ihren jungen Jahren nicht ausgesehen hätte wie Blake Lively („New York, I Love You“ – 2008; „S.H.I.T. - Die Highschool GmbH“ – 2006; „Eine für 4“ – 2005); oder, wenn sie älter ist, wie die sehr attraktive, kantige Robin Wright Penn („Inside Hollywood“ – 2008; „Die Legende von Beowulf“ – 2007; Das Versprechen – 2001; Unbreakable – 2000; Message in a Bottle – 1999; „Crossing Guard“ – 1995; Forrest Gump – 1994; „Toys“ – 1992; Die Braut des Prinzen – 1987)?

Und womöglich hätte er seine erste Frau nie geheiratet, wenn die nicht ausgesehen hätte wie Monica Belucci? Und als er Pippa final mit der jungen Lyrikerin Sandra betrügt, ist es möglicherweise hilfreich, dass die aussieht wie Winona Ryder („Mr. Deeds“ – 2002; Es begann im September – 2000; Durchgeknallt – 1999; Celebrity – Schön, reich, berühmt – 1998; Alien – Die Wiedergeburt – 1997; Ein amerikanischer Quilt – 1995; „Betty und ihre Schwestern“ – 1994; Reality Bites – Voll das Leben – 1994; Das Geisterhaus – 1993; „Zeit der Unschuld“ – 1993; Bram Stokers Dracula – 1992; „Night on Earth“ – 1991; Meerjungfrauen küssen besser – 1990; Edward mit den Scherenhänden – 1990; „Ein Mädchen namens Dinky“ – 1990; „Great Balls of Fire“ – 1989; „Beetlejuice“ – 1988)? Dass Männer möglicherweise besser gucken als denken können, diese Apo-Flower-Power-Emanzipations-Erkenntnis aus den 70ern nutzt der Film, um auch Männer auf sich aufmerksam zu machen, die sich im Film selbst dann eher nicht wieder finden.

Muss ja auch nicht. „Pippa Lee“ ist ein interessantes Drama mit soziokulturellen Einblicken mit vielen schönen Frauen, die ihre Schauspielerinnen-Berufung verstehen.

Wertung: 4 von 7 €uro
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