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Plakatmotiv (US): Die wilden Zwanziger – The roaring Twenties (1939)
Hartes Gesellschaftsdrama um
Alkoholschmuggler und Tommy Gun
Titel Die wilden Zwanziger
(The Roaring Twenties)
Drehbuch Jerry Wald + Richard Macaulay + Robert Rossen + Mark Hellinger + Earl Baldwin (uncredited) + Frank Donoghue (uncredited)
Regie Raoul Walsh, USA 1939
Darsteller
James Cagney, Priscilla Lane, Humphrey Bogart, Gladys George, Jeffrey Lynn, Frank McHugh, Paul Kelly, Elisabeth Risdon, Edward Keane, Joe Sawyer, Joseph Crehan, George Meeker, John Hamilton, Robert Elliott, Eddy Chandler u.a.
Genre Crime, Drama, Film Noir
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
2. November 1977 (TV-Premiere)
Inhalt
Nach dem Ersten Weltkrieg kehren die amerikanischen Veteranen Lloyd Hart, George Hally und Eddie Bartlett, die sich in Frankreich im Schützengraben kennengelernt haben, in ihre Heimatstadt New York City zurück. Hart arbeitet als Rechtsanwalt, Eddie hingegen hat seinen alten Job als Mechaniker verloren. Er schlägt sich als Taxifahrer durch. Die Prohibition bietet ihm die Chance, als Schwarzbrenner zu Macht und Reichtum zu gelangen. Mit Durchsetzungskraft und Härte baut er sich eine Bande auf. Auf diesem Weg begleiten ihn Hart als Rechtsberater und die Bardame Panama. Panama ist in Eddie verliebt, was dieser jedoch ignoriert.

Eddie verliebt sich in die junge Jean und fördert ihre Karriere als Sängerin. Diese tritt regelmäßig in einer Flüsterkneipe auf, die von Eddie mit Schnaps beliefert wird. Jean erwidert die Liebe jedoch nicht, sondern verliebt sich in Hart. Eddie befindet sich in Konkurrenz zum mächtigen Alkoholschmuggler Nick Brown und Eddie beschließt, eines seiner Schiffe auszurauben. Bei einem nächtlichen Überfall von Eddies Bande auf ein Schmugglerschiff trifft Eddie Hally wieder, der es ebenfalls durch Härte und Brutalität als Alkoholschmuggler weit gebracht hat. Die beiden arbeiten zusammen und bauen ihre kriminellen Geschäfte aus.

Plakatmotiv: Die wilden Zwanziger – The roaring Twenties (1939)Während eines nächtlichen Überfalls auf ein Alkohollager treffen Eddie und Hally ihren ehemaligen Vorgesetzten von der Front in Frankreich wieder, der als Wachmann arbeitet. Obwohl dieser bereits überwältigt am Boden liegt, ermordet Hally diesen, um sich an ihm zu rächen. Hart beendet die Zusammenarbeit mit den beiden und Hally droht ihm dessen Ermordung an, falls er aussagen sollte. Hart und Eddie beenden ihre Freundschaft, als Eddie begreift, dass Jean und Hart sich lieben.

Nach der Wirtschaftskrise und dem Ende der Prohibition endet Eddies Karriere. Er muss sich Geld von Hally leihen, der seine eigene Bande aufgebaut hat …

Was zu sagen wäre
Der Krieg hat noch selten etwas Gutes hervor gebracht. In diesem Kriegsfilm geht es nicht um das Leid der Eroberten, die Trauer der Hinterbliebenen. Es geht um das Schicksal derer, die den Krieg gewonnen haben und überlebten. „The roaring Twenties“ verfolgt die WWI-Heimkehrer, wie sie in ihr altes Leben zurückdrängen – und das alte Leben sie zurückweist. Die Heimkehrer erfahren, dass sich die Heimat, während sie deren Freiheit verteidigt haben, weiter gedreht hat; für sie ist kein Platz mehr. Arbeitsplätze? Mangelware.

Raoul Walsh inszeniert sein Drama in Form einer tönenden Wochenschau. Die Zivilgesellschaft hat einen Weltkrieg zu verabeiten, ist zurück auf dem Weg in den Alltag – einige jedenfalls, andere werden ausgestoßen, der Krieg hat auch daheim Verheerungen hinterlassen. Die Geschehnisse werden aus dem Off kommentiert, gesellschaftliche Entwicklungen werden erläutert, um Handlungen, Handelnde – und die Zuschauer – einzuordnen. „Die Röcke der Frauen sollen kürzer werden. Der Bubikopf wird eingeführt, aber noch sehr zaghaft. (…) Allenthalben sprechen die Menschen über die hohen Lebenshaltungskosten. Alles steigt:  Lebensmittel, Miete, Kleidung. Steuern. Das Prohibitionsgesetz ist durch die Ratifizierung der erforderliche der 36 Staaten Bundesgesetz geworden.“

Für die ehemaligen Frontsoldaten tut sich eine neue Front auf: der Alkoholdurst der Massen. Walsh zeigt kompromisslos den Weg der Rückkehrer in den Untergrund. Oft machen seine Protagonisten vom Maschinengewehr, der „Tommy Gun“ Gebrauch – Walsh lässt es ordentlich krachen. Seine drei Protagonisten personifizieren die unterschiedlichen Moralvorstellungen jener Zeit: James Cagney (Eddie) will eigentlich nur wieder arbeiten, wird aber von der etablierten Gesellschaft abgewiesen und in den Untergrund gedrängt  – „Ein paar Jahre Knast machen sie reif für diesen schwierigen Job!“. Eddie wird es nie schaffen, sein Leben in die eigenen Hände zu bekommen, bleibt jedesmal Opfer der Umstände. Humphrey Bogart (George) spielt den verdorbenen Charakter. Da erschießt er noch schnell, buchstäblich in der letzten Sekunde des Krieges, einen 15-Jährigen – „Der wird keine 16 mehr“ – schaut sich dann sein Gewehr an und sagt „Gefällt mir das Ding hier. Ich denke, das lasse ich mitgehen.“ Lloyd Hart schließlich verkörpert den edlen Charakter, der nach dem Krieg Anwalt wird, Eddies Geschäfte dankend ablehnt und reinen Herzens das blonde Mädchen bekommt.

James Cagney darf sich als Hauptfigur des Films profilieren, inddem er selbst keinen Alkohol anrührt: „Nehmen sie immer Milch, wenn Sie in einer Flüsterkneipe bestellen?“ „Ich gehe nie in Flüsterkneipen.“ „Es gibt Menschen, die mögen Spinat“, verdreht seine Kumpelfreundin Panama die Augen. Ihr gehört auch der Schlusssatz in der sehr schönen Schlussszene: „He used to be a big shot.“
Wertung: 5 von 6 D-Mark
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