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Kinoplakat: Rambo II - Der Auftrag
Sylvester Stallone vertändelt
eine Ikone
des Actionkinos
Titel Rambo II – Der Auftrag
(Rambo: First Blood, Part II)
Drehbuch Kevin Jarre + Sylvester Stallone + James Cameron
nach den Figuren aus dem Roman „First Blood” von David Morrell
Regie George Pan Cosmatos, USA 1985
Darsteller Sylvester Stallone, Richard Crenna, Charles Napier, Steven Berkoff, Julia Nickson, Martin Kove, George Cheung, Andy Wood, William Ghent, Voyo Goric, Dana Lee, Baoan Coleman, Steve Williams, Don Collins, Christopher Grant u.a.
Genre Action
Filmlänge 96 Minuten
Deutschlandstart
12. September 1985
Inhalt
John Rambo verbüßt nach seinem Auftritt in dem Städtchen Hope eine lange Haftstrafe in einem Steinbruch.

Colonel Trautman taucht auf, einziger Vertrauter des Gefangenen und Ausbilder in früheren Jahren. Er, Trautman, habe einen Job für ihn, Rambo. Mit dem könnten ihm die fünf ausstehenden Jahre hier im Steinbruch erlassen werden. Er müsse nur ein paar Photos in Vietnam machen. Er kenne sich ja in dem Gebiet gut aus, es sei das Straflager, in dem der Vietcong ihn lange folterte. Rambo lässt sich auf den Deal ein, alles ist besser, als weiter hier im Steinbruch.

Vor Ort in Laos nahe zur vietnamesischen Grenze wird Rambo schnell misstrauisch, was den integren Leiter der Operation, Marshall Murdock, angeht. „Sie sind der einzige, dem ich vertraue!” raunt er dem erstaunten Trautman zu, bevor er ohne weitere Worte das Flugzeug in seine Mission besteigt.

In seinem alten Lager, das nur auf den ersten Blick verlasen wirkt, finden Rambo und seine Kontaktagentin Co Bao tatsächlich US-amerikanische Gefangene. Rambo entscheidet sich gegen seinen Befehl und befreit einen der abgemagerten, mit allerlei Viren kämpfenden Männer. Der ist mehr wert, als jedes Foto – denkt Rambo.

Marshall Murdock bricht, als er hört, dass Rambo einen echten Kriegsgefangenen im Schlepp hat, die Mission ab. Offenbar wollten politisch oder militärisch Verantwortliche lediglich eine Alibiveranstaltung durchführen, um anschließend gegenüber den Angehörigen vermisster US-Soldaten behaupten zu können, man habe nach den Vermissten geforscht, und alles getan was man tun könnte, aber leider niemanden gefunden. Der Helikopter, der Rambo am Ende der Mission abholen soll, wird in letzter Sekunde zurückgerufen – der Veteran und die Befreiten fallen schutzlos dem Vietcong in die Hände.

Jetzt ist Rambo auf sich gestellt, aktuell an ein Bettgestell gekettet, durch das ein russischer Henkersknecht hohe Voltzahlen jagt – auf Geheiß des russischen Oberbefehlshabers in dieser Region, Lt. Col. Podovsky, der in dem Gefangenen seine Chance sieht. Er zwingt Rambo, seine Basis per Funk zu kontaktieren und eine Erklärung zu verlesen. Statt dessen greift sich Rambo das Mikrofon, schwört Murdoch, er, Rambo, werde kommen und Murdoch holen, dann rammt er dem russischen Henkersknecht den Mikrofonständer in den Hals und kann mit Co Bao aus dem Lager fliehen.

Während die ganze Militärbasis Jagd auf den ausgebildeten Einzelkämpfer macht, erkämpft sich Rambo einen Hubschrauber. Er hat jetzt einen Auftrag: Er muss die Gefangenen aus ihrer vietnamesischen Qual befreien. Und er muss Murdoch stellen …
Was zu sagen wäre

„Rambo ist ein seelisch gebrochener Kriegsheld, das wissen die Zuschauer schon. Sie wissen auch, dass der gemeine Schlitzauge ein kaltblütiger Killer und also gefürchtet und getötet gehört und dass die Regierung da in Washington so einiges verschweigt über die Kriegsgefangenen in Vietnam und wenn man ihnen also mit Charles Napier einen Beamtenarsch als Rambos Gegner präsentiert, der aussieht, wie der wahnsinnigere Bruder des Sheriff Will Teasle aus dem Ursprungsfilm, dann können wir doch eigentlich gleich loslegen.“

Ich nehme an, so in etwa ist die entscheidende Drehbuch-Session zum vorliegenden zweiten Rambo-Film gelaufen.

Der Film entwickelt nichts. Der Film nutzt diffuse Gerüchte über politische Gefangene, um Action zu verkaufen. Der Film spielt gefährlich mit Klischees gegen die da Oben und „Rambo II“ ist ein Klasse-Action-Film, der eine Zeit lang versucht, das Vorbild des Originals auf den Kopf zu stellen: Es ist heiß statt nasskalt, es ist Vietnam und nicht der Nordwesten der USA, die US-Boys sind, jedenfalls in ihrer Mehrzahl, wieder freundliche Leute, die nur helfen wollen, die Schlitzaugen hingegen wieder die Bösen.

Kinoplakat: Rambo II - Der AuftragRambo gewinnt Vietnam

James Cameron hat an dem Drehbuch mitgearbeitet. Er konnte dieses Konzept des die-Elemente-des-Vorgängers-auf-den-Kopf-Stellens später zweimal sehr erfolgreich durchspielen - in Aliens – Die Rückkehr (1986) und in Terminator II - Tag der Abrechnung (1991). Cameron hat einen Großteil von „Rambo II“ geschrieben, betont aber, für das patriotische Ende des Films nicht verantwortlich zu sein. Regie führt George Pan Cosmatos, versierter Regisseur einschlägiger Actionware (Flucht nach Athena – 1979; Treffpunkt Todesbrücke – The Cassabdra Crossing – 1976).

Plötzlich gewinnt hier ein einzelner US-Soldat stellvertretend den Vietnamkrieg im Kleinen; man muss ihn offenbar nur einfach mal loslassen und die Politik, die korrupte, raushalten. Der Film war an der Kinokasse erfolgreich, zog seinen Helden aber ins Lächerliche, weil die Rambo-Autoren kurzerhand ein bisschen in den Geschichtsbüchern herum schraubten. Das war verbreiteter Konsens zu dieser Zeit, dass zur Aufbau und Erbauung des kriegsgebeutelten amerikanischen Volkes ein wenig an der Historie verändert werden konnte. Die „Missing in Action”-Serie von und mit Chuck Norris gehört auch zu diesen Filmen, allerdings bei viel geringerem Budget.

Ein Drehbuch abseits geografischer Grundkenntnisse

Die Nordvietnamesen sind in solchen Filmen immer unglaublich viele unglaublich Unsichtbare. Sie haben aber gegen die Kriegsprofis aus den USA, die auch die natürliche Umgebung mit in ihre Taktiken einbeziehen, keine Chance. Man nimmt es auch mit der Geografie nicht so genau. Im Film ist Murdochs Basiscamp in Thailand „an der Grenze zu Vietnam“. Thailand hat aber gar keine gemeinsame Grenze mit Vietnam. Sie müssten in Laos oder in Kambodscha sein. Die Realität wird für den Film kurzerhand auf den Kopf gestellt, in der die US-Truppen im für sie fremden Dschungel Vietnams damals gedemütigt wurden.

An einer Stelle erzählt Rambo seiner vietnamesischen Verbindungsagentin Co Bao ungewohnt wortreich, warum er die Armee verlassen habe: „Ich kam zurück in die Staaten und stellte fest, dass ein anderer Krieg stattfand, so eine Art kalter Krieg, Krieg gegen die zurückkehrenden Soldaten, und diesen Krieg kann man nicht gewinnen.

Ordentliche Schauwerte, erfolgreiches BoxOffice

Lässt man das ganze politische Beiwerk mal beiseite, präsentiert sich mit „Rambo II“ ein Vertreter des Actiongenres, dem aufgrund des Erfolges mit dem Vorgängerfilm ungewöhnlich viel Geld zur Verfügung stand – mehr als anderen Vertretern dieses Genres. Das zusätzliche Geld ist nicht in Dialoge und Charakterentwicklungen geflossen, sondern in bunt gesetzte Explosionen. Deswegen wurde aus „Rambo II“ ein sehenswerter Actionfilm mit hinreißender Musik, gut choreographierter Aktion, imposanten Kameraflügen, harten Männern, einer schönen und dann auch entbehrlichen Frau vor exotischer Kulisse in martialischer Kampfmontur. „Rambo II“ ist der kommerziell erfolgreichste Film der Reihe, er erzielte alleine in den Vereinigten Staaten im Kino einen Umsatz von 150.415.432 US-Dollar.

Und natürlich ist es ein chauvinistisches Kriegsverherrlichungsmachwerk, das auf den Index gehört – und dort auch lange stand. 

Für den Schulunterricht, Thema „Kriegsfolgen“, ist so etwas eher nichts.

 

Wertung: 4 von 10 D-Mark
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