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Kinoplakat: Ralph reicht's
Phantasie, Spaß, Cleverness.
Großes Kino im 8-Bit-Charme
Titel Ralph reicht's
(Wreck-it Ralph)
Drehbuch Rich Moore + Phil Johnston + Jim Reardon + Jennifer Lee + Sam J. Levine + John C. Reilly + Jared Stern
Regie Rich Moore, USA 2012
Stimmen John C. Reilly/Christian Ulmen, Sarah Silverman/Anna Fischer, Jack McBrayer/Kim Hasper, Jane Lynch/Vera Teltz, Alan Tudyk/Stefan Gossler, Ed O'Neill/Kaspar Eichel, Skylar Astin, Kyle Herbert/Christoph Krachten u.a.
Genre Animation
Filmlänge 101 Minuten
Deutschlandstart
6. Dezember 2012
Inhalt

Das Leben ist ungerecht: Seit 30 Jahren nun macht Ralph seinen Job als „Randale Ralph”. Und er macht ihn gut. Sehr gut sogar. Immerhin hat er sich, anders als die Kollegen um ihn herum gegen alle Neuerungen, die technisch ausgereifter, optisch hipper sind, behauptet. Und trotzdem hassen alle Ralph.

Ralph ist ein Kaputtmacher. Er ist Bestandteil des Videogames „Fix-it-Felix, Jr.”, das in Spielhallen steht und eine unerschütterliche Fangemeinde hat. Die Fans freilich werfen ihre Münzen in den Spielautomaten wegen „Felix”, der alles immer wieder heil macht. Während also Ralph ein Mietshaus zertrümmert und dessen Bewohner in Gefahr bringt, kommt Felix – gesteuert durch die Spieler vor dem Bildschirm – mit seinem Zauberhammer, macht alles wieder heil, rettet die Bewohner, die ihn dafür ausdauernd feiern und Ralph ebenso ausdauernd vom Dach des Hauses in den Dreck am Boden des Hauses werfen.

Nach 30 Jahren ist Ralph am Ende, kämpft gegen Depressionen, die ihm auch die Selbsthilfegruppe „Anonyme Bösewichter” nicht nehmen kann. Endgültig die Schnauze voll hat Ralph, als abends, nachdem die Spielhalle verlassen ist, Fix-it-Felix und die Bewohner des Mietshauses eine große Party anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens feiern und Ralph nicht dabei haben wollen; der habe ja nicht einmal eine Heldenmedaille, ätzen die Bewohner – „wie den auch?”, versucht Ralph zu erklären, wo er ja kein Held sein dürfe, das würde ja den Sinn des Spiels durcheinander bringen.

Betrübt sucht Ralph Rat in der Kneipe und trifft auf einen gepanzerten Supersoldaten aus dem Computerspiel „Hero's Duty”, das in der Spielhalle gegenüber seinem Spielkasten steht. Der erzählt, Ziel seines „Hero's Duty”-Jobs sei es, „die Medaille” zu bekommen.

Jetzt kennt Ralph kein Halten mehr. Er stiehlt sich in diesen supermodernen Ego-Shooter, in dem die gepanzerten Supersoldaten unter Führung von Sergeant Tamora Jean Calhoun gegen mörderische „Cy-Bugs” kämpfen – oberstes Ziel dabei: den Spieler vor dem Bildschirm möglichst viele Punkte erballern zu lassen. Ralphs Auftreten sorgt für heilloses Durcheinander in diesem Spiel, aber am Ende, über Umwege, blöder Zufall, hat Ralph „die Medaille” in seiner Hand. Jetzt müsste er nur noch nach Hause. Aber dort, in „Fix-it-Felix, Jr.”, hat sein Verschwinden für Panik gesorgt, weil es ohne Ralph nicht funktioniert und jetzt mit einem „Leider defekt”-Schild versehen in der Spielhalle steht – erster Vorbote, dass man bald ganz abgeschaltet wird.

Also hat sich Fix-it-Felix auf die Suche nach Ralph gemacht, seine Spur bis in das Bugs-Jäger-Universum verfolgt, wo er sich prompt in Sergeant Tamora Jean Calhoun, die scharfe Supersoldatin, verknallt – „Deine Auflösung ist ja umwerfend.” „Schmeicheleien laden diese Akkus nicht wieder auf!”

Und Ralph? Versehentlich beschädigt er ein Ei der zu bekämpfenden „Cy-Bugs” und fliegt mit einer Rettungskapsel in das Fun-Racer-Spiel „Sugar Rush”. Dabei infiziert er die surreale Süßwarenwelt mit den Käfern, die sich aufgrund ihrer einfachen Programmierung wie ein Computervirus verhalten und unbemerkt vermehren. Seine Heldenmedaille wird von ekinem kleinen Mädchen stibitzt – Vanellope – und als Wetteinsatz zum Qualifying für den Auswahlbildschirm am nächsten Spieltag verwendet.

Aber Vanellope darf gar nicht starten, weil sie ein „Glitch” ist, ein defekter Avatar, der – sollte er mitten in einem Rennen glitchen, also verschwinden und woanders wieder auftauchen – eine veheerende Katastrophe auslösen könnte. Ralph will seine Medaille zurück haben. Die Medaille ist aber bereits in den Weiten des Pixel-Universums als Wetteinsatz aufgegangen. Wieder bekommen kann Ralph sie nur, wenn Vanellope das Rennen, an dem sie nicht teilnehmen darf, gewinnt. Und Vanellope könnte einen starken Automechaniker kanz gut gebrauchen.

Aber Ralph ist ja nicht als Automechaniker programmiert. Er ist als Kaputtmacher programmiert. In der bunten Welt zwischen süßlich klebrigen Zuckerstangen und Törtchen ist bald der Teufel los. Und über allem schwebt die dauernde Gefahr, für immer abgeschaltet zu werden …

Was zu sagen wäre

Teaserplakat: Ralph reicht'sEtwaige Ähnlichkeiten zum Video-Arcade-Klassiker „Donkey Kong” mit dem Klempner Super-Mario sind nicht beabsichtigt, lassen sich aber auch nicht vermeiden – mit Ralph in der Kong-Rolle.

Eine Ansammlung von Muss-man-gesehen-haben

Es ist schon fast eine Art Grundgesetz: Filme diese Art versprühen in den ersten fünf Minuten mehr Ideen, mehr Gags, als andere Komödien über die gesamte Länge. Das ist auch hier so: Das „Leben” innerhalb der Spiele, das Leben zwischen den einzelnen Spielautomaten in der „Game Central Station”, das Aufeinandertreffen von Figuren aus der altehrwürdigen 8-Bit-Ära und modernen 3D-Ego-Shooter-Charakteren ist eine Aneinanderreihung von Muss-man-gesehen-Haben – und wahrscheinlich mehrfach, um alles mitzubekommen. Da sitzen obdachlos gewordene Figuren aus dem ausgemusterten Klassiker „Q-bert” und hoffen auf milde Gaben, zwei weiße Balken schweben durch die Halle, die sich ein weißes Quadrat zuspielen – Reminiszenz an den Klassiker „Pong”.

Nachdem alle Figuren bekannt, die Probleme genannt und die Zielsetzungen der Figuren geklärt sind, entsteht ein dramaturgisches Loch. Die ersten zehn Minuten in der Süßwarenwelt von „Sugar Rush” sind zäh, werden zusammengehalten von der wirklich extrem süßen … Verzeihung: von der entzückenden Vanellope. Von da an aber nimmt die Story Fahrt auf, liefert Drama auf Drama, packt noch eine Love-Story obendrauf, die so unwahrscheinlich ist, wie sagen wir, eine Liebesbeziehung zwischen Roberto Begnini und Angelina Jolie – und deshalb herzig.

Exaktes Script. Großartige Optik.

Das Schöne an dieser Art Filmen ist, dass wirklich alles möglich wird, dass sich Autoren in jeder Hinsicht austoben dürfen und dabei erstaunliche Ergebnisse liefern. Das Drehbuch ist exakt gebaut – Ausgangspunkt, Protagonist, Motivation, Antagonist, Komik, diverse Hürden und am Ende die Belohnung. Die Storyline von Trickfilmen kann man getrost am Reißbrett entwerfen, Ideen hin– und herschieben, hier noch eine Hürde einbauen, dort einen Twist und am Ende fällt vieles noch unter den Tisch. Trickfilme erzählen kein „Krieg & Frieden”, eigentlich erzählen sie immer moralisch Einwandfreies: Sie handeln von Mut, Integrität, Altruismus und dem Guten im Bösen und umgekehrt. Bei Trickfilmen kommt es auf die Ausgestaltung, die Optik an. Und die ist großartig.

Zur zentralen Frage wird irgendwann, wie ein Typ, der auf „Zerstören” programmiert ist, eine Welt heilen kann und wie ein Typ, der aufs Reparieren („Fix it”) programmiert ist, im richtigen Moment auch mal zerstörend zuschlagen kann. Das zeigt, wie respektvoll die Autoren mit ihren Figuren umgehen, dass sie sie ernst nehmen. Möglich wäre durchaus auch, Ralph einfach als nette, missverstandene Figur zu zeigen. Das hätte lediglich einige Gags gekostet. Aber auch den Charme und die Wucht dieses Films.

Wertung: 6 von 7 €uro
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