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Kinoplakat: Pretty Woman

Herzzerreißend schön
und extrem verlogen

Titel Pretty Woman
(Pretty Woman)
Drehbuch J.F. Lawton
Regie Garry Marshall, USA 1990
Darsteller

Richard Gere, Julia Roberts, Ralph Bellamy, Jason Alexander, Laura San Giacomo, Alex Hyde-White, Amy Yasbeck, Elinor Donahue, Hector Elizondo, Judith Baldwin, Jason Randal, Bill Applebaum, Tracy Bjork, Gary Greene, Billy Gallo u.a.

Genre Romanze, Märchen
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
5. Juli 1990
Inhalt

Edward, Börsenhai und gefürchteter Firmenaufkäufer, kommt für einen großen Geschäftsabschluss nach Los Angeles. Es ist Freitag. Drei Tage noch Zeit. Und die will irgendwie genutzt werden. Und so tut Edward, was er sonst nie tut: Plötzlich hat er eine Prostituierte im Hotelzimmer – Vivian, die das sonst auch nie tut, die den Job nur macht, weil sie Geld für die Miete braucht. Die folgende Woche wird zum Abenteuer. Für beide. Edward bucht sie als eine Begleitung zu gesellschaftlichen Anlässen.

Vivian taucht in eine völlig neue Welt voller Luxus ein, während Edward anfängt, sein skrupelloses, auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Geschäftsgebaren mit Vivians Augen zu sehen und seine Motivation dafür zu hinterfragen. Anders ausgedrückt: Sie verlieben sich ineinander – ganz heimlich, ohne sich was einzugestehen. Und als Edward einen eifersüchtigen Stich verspürt, als sich Vivian bei einem Polo-Spiel kurz mit dem Enkel seines aktuellen Geschäftspartners unterhält, will er das nicht so wirklich wahr haben. Prinz und Prinzessin brauchen ein wenig Zeit. Und wenn sie nicht gestorben sind …

Was zu sagen wäre

Und Edward holt seine Angebete in der weißen Stretchlimo als Prinz-auf-dem-weißen-Pferd-Ersatz aus ihrer Billigabsteige und überwindet dafür sogar seine Höhenangst. Das darf man verraten, weil ohnehin klar ist, wo bei diesem Film der Hase lang läuft. Das Projekt „Pretty Woman” hat durchlaufen, was als als „Drehbuchhölle von Hollywood” gefürchtet ist. Der Stoff landete in der Pipeline der Entwickler und keiner wollte es haben – da handelte es sich nämlich noch um ein sozialkritisches Melodram, in dem Edward – Geschäft abgeschlossen – die Nutte am Ende ausbezahlt, weg schickt und heim nach New York reist. In einer entschärften Version sollte Vivian dann wenigstens einen Job im Hotel bekommen.

Es kam anders, Garry Marshal, Spezialist für Filme mit Herz („Freundinnen“ – 1988; „Overboard – Ein Goldfisch fällt ins Wasser“ – 1987; Nothing in Common – 1986; „Flamingo Kid“ – 1984; „Küss mich, Doc“ – 1982), nahm im Regiestuhl Platz und die vorliegende Version entwickelte sich. Ein wunderbar süßer Film, ab-so-lut nicht realistisch (ein anderer möglicher Begriff wäre verlogen), aber traumhaft – im Sinne dieses Wortes. Abschalten, „Pretty Woman“ gucken und der Liebeskummer ist vergessen. Und wenn Vivian der schnöseligen Verkäuferin am Rodeo Drive den gedachten Mittelfinger zeigt („Dummer Fehler. Richtig dummer Fehler!“), sind auch andere Fährnisses des grauen Alltages sofort vergessen. Dazu passen die wirtschaftlichen Daten, die sich kurz zusammenfassen lassen: Ein Granatenerfolg. 14 Millionen Dollar hat die Produktion gekostet. 178,4 Millionen Dollar hat der Film weltweit an den Kinokassen gebracht.

Hollywood-Beau Richard Gere („Internal Affairs“ – 1990; „Gnadenlos“ – 1986; „König David“ – 1985; „Cotton Club“ – 1984; „Atemlos“ – 1983; Ein Mann für gewisse Stunden – 1980) beweist hier erstmalig seine komödiantischen Fähigkeiten. Julia Roberts („Vivian“), 1967 in Smyrna/Georgia geboren, fiel erstmals in „Pizza, Pizza“ (1988) auf. Der Durchbruch gelang ihr in Herbert Ross' Komödie „Magnolien aus Stahl“ (1989), wo sie sich neben Shirley MacLaine behaupten konnte. Ihre Leistung wurde mit einem Golden Globe und einer Oscar-Nominierung belohnt.

Die in die 90er Jahre verlegte Pygmalion-Geschichte (nicht unähnlich dem französischen Film „Einige Tage mit mir“ – 1988) wurde on location an zahlreichen berühmten Plätzen von Los Angeles wie dem Hollywood-Boulevard, Rodeo Drive/Beverly Hills und dem Los Angeles Equestrian Center gedreht.

Wertung: 9 von 10 D-Mark
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