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Kinoplakat: Piranhas
Eine billige Kopie.
Ein smarter Coup.
Titel Piranhas
(Piranha)
Drehbuch Richard Robinson + John Sayles
Regie Joe Dante, USA 1978
Darsteller

Bradford Dillman, Heather Menzies-Urich, Kevin McCarthy, Keenan Wynn, Dick Miller, Barbara Steele, Belinda Balaski, Melody Thomas Scott, Bruce Gordon, Barry Brown, Paul Bartel, Shannon Collins, Shawn Nelson, Richard Deacon, Janie Squire u.a.

Genre Horror, Komödie
Filmlänge 94 Minuten
Deutschlandstart
26. Oktober 1978
Inhalt

Zwei Teenager werden bei einem Badeausflug in einem abgeriegelten Becken getötet. Die Privatdetektivin Maggie McKeown wird beauftragt, die beiden Vermissten zu suchen und stößt dabei zusammen mit Paul Grogan auf die Überreste der beiden.

Sie veranlassen, dass das Wasser aus dem Becken gelassen wird, doch dabei können tödliche und hochaggressive, vom Militär speziell für den Vietnamkrieg gezüchtete Piranhas in die Außenwelt entkommen. Die Tiere wurden in den Forschungslabors gegenüber einer Reihe von Umweltfaktoren wie auch Salzwasser resistent gemacht und zu menschenfressenden Raubfischen entwickelt.

Kinoplakat: PiranhasIm Fluss greifen sie die Bevölkerung an und verursachen ein Blutbad …

Was zu sagen wäre

Drei Jahre nach dem Weißen Hai kommt diese … ja, was eigentlich … Umkehrung der Elemente? Statt eines großen Weißen Hais nun Myriaden kleinr Beißer-Scheißer? Das Elementare vorweg: Wer einen Creature-Thriller sehen will, sollte lieber draußen bleiben.

Die Effekte sind bescheiden, die Titelhelden geben optisch wenig her – ein paar Soundeffekte, ein paar sich rot färbende Blubberblasen, das war‘s. Wahrscheinlich sähe es lächerlich aus, wenn – analog zum großen Vorbild – ein paar Raubfische auf ein Schlauchboot springen und die Besatzung verspeisen würden. Es gibt eine Szene, in der man die Überreste des toten Keenan Wynn sieht; da erhält man eine Ahnung vom Schrecken, den die Tiere verbreiten und fortan ist es dann auch so, dass man in dem Film bei rot blubbernden Wasser zuverlässig an tausende kleine, unangenehme Beißerchen am eigenen Körper denkt.

Das ist iggelich, unangenehm, aber irgendwie auch egal – Himmel, der Weiße Hai, mit dem sich Regisseur Joe Dante dauernd vergleichen will, war halt ein paar Nummern drastischer. Schlagzeiliger ist da schon, dass zahlreiche Kinder in den Schwimmreifen-Tod geschickt werden; das gibt es beim glatt gebügelten Meister Spielberg nicht. Das macht den Horrofilm nicht grusliger. Aber das bewegt uns, nochmal genauer hinzuschauen … uns akademisch mit dem Film zu befassen, der ein kleines Filmlexikon ist, inszeniert von einem Filmiac.

Die Rolle und die Motive der Militärs: wunderbar. Sie zeugen gegen den bösen Vietcong im Labor eine tödliche Bedrohung und dann geht ihnen blöderweise der Krieg von der Angel und – schwupps – wird die hypergeheime Forschungsanlage vergessen und rottet, scheinbar, vor sich hin. Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken, wie einfach es sich Filmemacher mit dem leichthin als böse verschrieenen Offizier in Uniform so macht.

Der Einstieg in den Film mit dem halbnackten, juvenilen Pärchen: eine freundliche Verbeugung vor Spielbergs Jaws-Opening. Der Betreiber des Fun-Parks, der nichts wissen will von fressenden Fischen, wird gespielt von Dick Miller, einem Lookalike Murray Hamiltons, der im Weißen Hai den Bürgermeister spielte, der nichts wissen wollte von fressenden Fischen und dort wie hier zynischerweise überlebte. Ganze Montage-Sequenzen sind abgeguckt aus dem Spielberg-Erfolgsfilm. „Wir müssen verhindern, dass sie durch den Damm geschwemmt werden“, sagt einer, während im Fernsehen ein Monsterfilm läuft, in dem gerade einer See-Kreatur aus dem aufgestochen Auge der Glibber läuft. Die Dialoge sprühen vor doppebödigem Witz und sexuellen Anspielungen. Das zuverlässige Charakter-Raten – wer stirbt, wer überlebt – funktioniert hier nur für den Regisser. Joe Dante lässt Protagonisten über die Klinge springen, das würde sich das etablierte Hollywood niemals mehr trauen. Und damit sind wir bei des Pudels Kern.

„Piranhas“ ist keine klassische Hollywood-Produktion. „Piranhas“ stammt aus der Schule des Regisseurs und B-Film-Produzenten Roger Corman (Der Mann mit den Röntgenaugen – 1963; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963) – und der hatte nichts dagegen, wenn dieses B mit Billig übersetzt wurde (okay, okay … im englischen wären es dann C-Filme mit C wie in cheap). Corman war berüchtigt dafür, Geld zu sparen. Und er wird gefeiert dafür, dass die Regisseure, die bei ihm das Handwerk gelernt haben, zu den Wegweisern des Kinos in die 1980er, 1990er Jahre wurden.

Für den Hausgebrauch des einfachen Creature-Flic-Guckers ist der Film ein Reinfall. Schaut man sich „Piranhas“ aber unter dem akademischen Gesichtspunkt an, dann erlebt man als Cineast lauter kleine Aha-Erlebnisse – und von der Besetzung, von einem Kevin McCarthy, haben wir noch gar nicht gesprochen.
Unter diesem Aspekt wird „Piranhas“ rasch zu einem Liebhaberstück. Joe Dante sagt 35 Jahre später in einem Interview, er habe eine Parodie auf den Weißen Hai gedreht.

Wertung: 5 von 9 D-Mark
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