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Plakatmotiv (US): Krull (1983)
Klassisches Fantasy-Abenteuer mit
überambitionierten Spezialeffekten
Titel Krull
(Krull)
Drehbuch Stanford Sherman
Regie Peter Yates, UK, USA 1983
Darsteller Ken Marshall, Lysette Anthony, Freddie Jones, Francesca Annis, Alun Armstrong, David Battley, Bernard Bresslaw, Liam Neeson, John Welsh, Graham McGrath, Tony Church, Bernard Archard, Belinda Mayne, Dicken Ashworth, Todd Carty, Robbie Coltrane, Clare McIntyre u.a.
Genre Fantasy, Abenteuer
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
28. Oktober 1983
Inhalt

Der Planet Krull wurde von einem Ungeheuer und seiner schwarzen Armee, den Slayern, besetzt. Von deren schwarzer Festung aus tyrannisieren sie die Völker und wollen sie unterjochen.

Plakatmotiv (US): Krull (1983)Um ein starkes Bündnis gegen die ausserirdischen Eindringlinge zu schmieden, entschließen sich zwei einst verfeindete Königreiche, ihre Kinder, den Prinzen Colwyn und die Prinzessin Lyssa, zu verheiraten. Während der Hochzeit werden sie von den Slayern angegriffen und die Prinzessin entführt.

Entschlossen die Prinzessin zu retten, macht sich Prinz Colwyn auf, das Böse zu besiegen. Auf seiner Odyssee trifft er Unterstützer wie den Eremiten Ynyr und Kegan, aber auch mächtige Feinde, die sich dunkler Magie bedienen …

Was zu sagen wäre

Man weiß nicht, ob man George Lucas danken soll. Seit dem großen Erfolg seiner Star Wars-Filme boomt das Fantasykino auch in den großen Studios. Die Zeiten billiger B- und C-Filme gehören vorerst der Vergangenheit an. Und auch namhafte Regisseure trauen sich mittlerweile an das einst verpönte Genre heran. Bei „Krull“ sitzt Peter Yates auf dem Regiestuhl („Der Augenzeuge“ – 1981; „Die Tiefe“ – 1977; Bullitt – 1968). Und er gibt sich mit Stanford Shermans Drehbuch viel Mühe – und gibt viel Geld aus für die Umsetzung. Auch zu viel Geld für Special Effects, die auf der Leinwand unvollkommen aussehen und dem Film damit schaden.

Kaum eine Szene vergeht, in der nicht einer oder mehrere Protagonisten vor einer Blue Screen agieren, in die unvollkommen tiefe Höhlen, flammende Gruben oder schwarze Burgen eingestanzt sind. Es tauchen im Verlauf der handlung die Flammenrösser auf, Pferde, so schnell, dass man am tag mehrere tausend Kilometer mit ihnen überwinden kann. Mit den eingestanzten Landschaften, die im Hintergund vorbeiziehen und den brenndenden Pferden geraten die SFX-Spezialisten an ihre Grenzen. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht, heißt es. „Krull“ bietet für diese Erkenntnis allerlei Anschauungsmaterial.

Plakatmotiv: Krull (1983)Abgesehen von der begrenzten Effekttechnik wird der Film seinem Genre, Fantasy, sehr gerecht. Er erzählt die klassische Heldenreise, ein König in spe muss eine lebensbedrohliche Quest anführen und lösen, bevor er König werden kann. Ihm schließen sich unterschiedliche Kämpfer an, von denen im Verlauf der Handlung überraschend viele ihr Leben lassen. Das ist ungewöhnlich im Happy-End-verliebten Hollywood.

Der erste, der sich anschließt, ist die klassische Merlin-Figur, ein Obi-Wan Kenobi der Wälder – der Eremit Ynyr. Freddie Jones spielt ihn (Firefox – 1982; „Der Elefantenmensch“ – 1980) und ist damit wunderbar gegen den Strich besetzt; Jones strahlt so gar nicht diese edle Würde eines großen Mentors aus. Er ist ein großartiger Kauziger Alter mit eigenem Kopf und großer Loyalität. Unterwegs treffen die beiden auf Ergo den Prächtigen, einen Selbstverzauberer („Klein an Statur, groß an Macht, immer dicht am großen Ziel und von enormer Weitsicht“), den Zyklopen Rell und den Räuber Torquil mit seiner Bande, die sich Colwyn und Ynyr anschließen, als sie erkennen, dass vor ihnen der künftige König steht.

Ihr Ziel: Das Schwarze Schloss und dessen Bewohner, das Unbeschreibliche Ungeheuer. Aber um da hinzugelangen, muss Colwyn zunächst in einer siedend heißen Lavahöhle das sagenumwobene Fünfklingenschwert bergen, anschließend muss er zum Smaragdgrünen Propheten, da die Schwarze Festung bei jedem Morgengrauen ihren Standort auf Krull wechselt und nur der blinde Seher in Erfahrung bringen kann, wo sie sich am darauffolgenden Tag befinden wird. Aber der Prophet fällt einem Formwandler zum Opfer und damit ist die Suche nach dem Schloss eigentlich aussichtslos.

Plakatmotiv: Krull (1983)Aber es stellt sich heraus, dass auch noch die Witwe im Netz helfen könnte, das Schloss zu finden. Also wieder raus aus den gefährlichen Sümpfen, in die der Smaragdgrpüne Prophet sie zu seinem Schloss geführt hatte und sich einer gigantischen Spinne und deren Weissagungen stellen. Anschließend wissen die nochmal dezimierten Reisenden zwar, wo die Schwarze Festung noch bis zum Morgengrauen steht, allerdings ist der Weg dorthin viel zu weit, um es bis Sonnenaufgang zu schaffen.

Da fällt einem Mitstreiter ein, dass es ja noch die Flammenrösser gibt, die schon erwähnten, sehr schnellen Tiere. Und also schaffen es die Männer bis zur Festung – Frauen sind in diesem Film nur als damsel in distress vorgesehen; die eine im Zentrum des Spinnennetzes, die andere innerhalb der Schwarzen Festung, die aussieht als hätte Salvador Dali unter Drogeneinfluss zugesagt, sie zu entwerfen und hätte dann noch mehr Joints gezogen, während er sie designte. Das Unbeschreibliche Ungeheuer selbst ist eine große Enttäuschung. Es ist schlecht animiert und weil Peter Yates den Mensch im Gummianzug nicht allzu deutlich zeigen wollte, ist das Ungeheuer nur verzerrt zu sehen, während er etwas alberne Blitze aus dem Maul verschießt. Das war bei Godzilla in den späten 50er Jahren noch schick. Aber 1983?

Unterm Strich habe ich bekommen, was angekündigt war: eine Fantasy-Quest, der es inhaltlich an nichts mangelt. Aber das ist das Problem mit diesen Abenteuer in anderen Welten: Sie sind immer gleich. Und immer kommt von irgendwo ein Lichtlein her, wenn der Held schon glaubt, es geht nichts mehr. Außerdem ist die Besetzung solcher Filme traditionell schwach. Bis auf Freddie Jones' ordentliche Leistung ist der Film bevölkert von Chargen, die Klischees erfüllen – der Räuber ist vernarbt, der Selbstverzauberer ein harmloser Geselle, der für den Comic Relief sorgt, die Prinzessin ist lieb, großäugig und zu jeder selbständigen Tat unfähig.

<Nachtrag 2001>In Nebenrollen entdecken wir in der Bande des Räubers Torquil die jungen Schauspieler Liam Neeson („Ein Herz & eine Kanone“ – 2000; Das Geisterschloss – 1999; Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung – 1999; „Michael Collins“ – 1996; „Rob Roy“ – 1995; Nell – 1994; Schindlers Liste – 1993; Ehemänner und Ehefrauen – 1992; Darkman – 1990; Das Todesspiel – 1988) und Ronbbie Coltrane, der gerade als Harry Potters Schutzpatron Hagrid durchstartet.</Nachtrag 2001>

Wertung: 5 von 9 D-Mark
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