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Plakatmotiv: Outland – Planet der Verdammten (1981)
Ein klug erzählter Thriller
aus einer zynischen Welt
Titel Outland – Planet der Verdammten
(Outland)
Drehbuch Peter Hyams
Regie Peter Hyams, UK 1981
Darsteller Sean Connery, Peter Boyle, Frances Sternhagen, James Sikking, Kika Markham, Clarke Peters, Steven Berkoff, John Ratzenberger, Nicholas Barnes, Manning Redwood, Pat Starr, Hal Galili, Angus MacInnes, Stuart Milligan, Eugene Lipinski u.a.
Genre Science Fiction, Thriller, Action
Filmlänge 112 Minuten
Deutschlandstart
15. Oktober 1981
Inhalt

Marshal William T. O’Niel wird zu einer Bergbaustation auf dem Jupitermond Io versetzt. Das war die eine Versetzung zu viel: Seine Frau teilt ihm per Videobotschaft mit, dass sie die ständigen Versetzungen nicht länger ertragen kann und während seiner Arbeitsschicht zusammen mit ihrem gemeinsamen Sohn die Rückreise zur Erde angetreten hat. Sie will jedoch noch einige Tage in einer nahegelegenen Raumstation warten.

O’Niel hat aber in dem Moment keine Zeit, sich damit auseinanderzusetzen, da er mehreren aktuellen Todesfällen unter den Arbeitern nachzugehen hat. Mit Hilfe der Stationsärztin Dr. Lazarus findet er heraus, dass die Suizide auf Psychosen zurückzuführen sind, die durch ein äußerst starkes Amphetamin ausgelöst werden. Der Fall weitet sich aus, als O’Niel feststellt, dass die Leitung der Station in den Drogenhandel verwickelt ist.

Er findet heraus, dass die Drogen aus Profitgier zur Leistungssteigerung verabreicht werden, und konfrontiert Sheppard, den Leiter der Station, mit diesen Erkenntnissen. Sheppard bedeutet dem Marschall, dass er kein großes Aufsehen erregen soll oder mit Konsequenzen zu rechnen habe. Trotzdem führt O´Niel den Kampf fort. Daraufhin wird O’Niel zunehmend isoliert und auch seine Hilfssheriffs verweigern ihm trotz ihrer Pflicht die Unterstützung. Sein einziger Helfer, Montone, wird von einem von Sheppards Dealern ermordet, um O’Niel zu zeigen, wie ernst die Warnung ist. Gleichwohl lässt er sich weiterhin nicht einschüchtern, schwört Sheppard, ihn wegen seiner Verbrechen zu überführen und erledigt den entsprechenden Killer.

Schließlich erfährt O’Niel, dass zwei von Sheppard angeheuerte Auftragsmörder auf dem Weg zur Station sind, um ihn zu beseitigen, als Sheppard merkt, dass O’Niel auf dem Weg ist, sein Ziel zu erreichen. Weil die Arbeiter auf der Station keine Lust haben, sich in Konzernangelegenheiten mit Todesfolge einzumischen, weil die Hilfssherfiffs „Familie haben“, steht O'Niel alleine gegen die Killer, die in wenigen Stunden mit Raumfähre andocken …

Was zu sagen wäre

Ein Gesellschaft weit draußen. Fernab der Zivilisation. Abgeschlossen. Es gelten die üblichen Gesetze, die auch in London gelten. Abewr sie herrschen hier draußen nicht. Hier draußen herrschen die Gesetze der Company. Und die lauten: Profitmaximierung, Steigerung der Effizienz jeden einzelnen auf 150 Prozent – wer darüber zusammenbricht und früher als von der Natur vorgesehen ausbrennt, naja, ein bisschen Schwund ist immer.

Peter Hyams nimmt den Zynismus, der in Ridley Scotts Alien vor zwei Jahren nur anklang, und stellt ihn ins Zentrum seines Thrillers, dem er auch diesen Im-Weltraum-hört-Dich-niemand-schreien-Touch geben will – Nothing New on the Western Front, gehen Sie weiter, hier gibt's nichts zu sehen, nur ein kleiner Zwischenfall da draußen im Weltraum; kommt immer wieder mal vor, aber alles im normalen Bereich. Jerry Goldsmith, der den Score beisteuert liefert Hyams freundlicherweise Ableger seines Alien-Scores, der sich später in einen High Noon im Weltall wandelt, wirkt, als würde gleich ein Alien durch die Außenhaut der Bergbaustation platzen.

Statt dessen platzen Menschen in ihren Raumanzügen, durchgedreht, weil sie Drogen nehmen, die es ihnen erlauben, die Arbeit einer 12-Stunden-Schicht in acht Stunden zu erledigen. Manche vertragen diese Drogen halt nicht. Die anderen werden dafür ob ihrer Arbeitsleitung mit fetten Boni heimgeschickt – eine Win-Win-Situation für die Company, für die hart arbeitenden Männer, für die Stationsmanager, ein funktionierendes System, in dem ein Rädchen ins andere greift. Menschenverachtend? Naja, was soll's? Machen doch alle mit. Kriminell? Nur, wenn es Kläger gibt, Beweise. Gibt es aber nicht.

Über lange Zeit wirkt dieser Film, wie ein durchschnittlicher Thriller, der durch seine außerordentliche Kulisse besticht. Die Atmosphäre ist klaustrophobisch, die handelnden Figuren stereotyp – da ist der aufrechte Cop, dem Sean Connery den Dickkopf seiner zahlreichen Rollen leiht („Meteor“ – 1979; „Der erste große Eisenbahnraub“ – 1978; „Die Brücke von Arnheim“ – 1977; Robin und Marian – 1976; „Der Mann, der König sein wollte“ – 1975; Die Uhr läuft ab – 1975; Mord im Orient-Express – 1974; James Bond 007 – Diamantenfieber – 1971; Marnie – 1964; Die Strohpuppe – 1964; James Bond 007 jagt Dr. No – 1962), die stachlige Ärztin mit dem Herz am rechten Fleck, der sinistre Stationsmanager, der an Bord Golf spielt, tumbe Killer, die sogar von der Schusswaffe Gebrauch machen, wenn sie damit Löcher in die Außenhaut der Station schießen, feige Mitläufer, die „damit nichts zu tun haben“ wollen.. Aber je länger der Film dauert, in dem Hyams den wirtschaftlichen Zynismus konsequent zu Ende denkt und bebildert, desto abgründiger wird der Film, dessen Finale … nunja , wie erwartet ausklingt; das stört aber nicht, da hat der Film nämlich längst gewonnen.

<Nachtrag2010>Als der Film 1981 in den Kinos lief, lebten die Kinozuschauer im Taumel von Krieg der Sterne und Alien. SciFi war plötzlich in, lauter B- und C-Movies fluteten die Leinwände. In diesem Umfeld scheiterte Peter Hyams ruhiger Thriller in Weltraummontur zwischen Alien-Klaustrophobie und schießwütigen Westernmotiven an den Erwartungen der nach Raumschiffkämpfen gierenden Zuschauer. Die Kulisse war Science Fiction, die gierigen Konzerne, die für Profit über Leichen gehen weit weg, irgendwie realistisch, aber jetzt noch nicht. Jetzt, 2008, im Strudel der Finanzkrise, die offenbart, dass Banken, Anleger, Fondsmanager, Wirtschaftsbosse gedankenlos, Menschen in den Ruin jagen zum eigenen wirtschaftlichen Genuss, wirkt der Zyniskus dieses Films schon beklemmend nah. Man kann sagen, Peter Hyams „Outland – Planet der Verdammten“ ist nicht nut gut gealtert, er hat sogar an Qualität gewonnen. Die gesellschaftliche, wirtschaftliche Entwicklung spielt ihm in die Hände. Irgendwann wird es so oder so ganz ähnlich zugehen bei uns.

Solange wir hier unten auf der Erde nur nicht so genau hinsehen, sollen die da oben doch leistungssteigernde Gifte nehmen. Hauptsache, wir bekommen die notwendigen Bodenschätze für unsere Technik. Stichwort: Seltene Erden für unsere Computer und Smartphones. Ohne das seltene Coltan aus Afrika gäbe es Funkstille. Das Erz stammt jedoch häufig aus Bürgerkriegsregionen. Interessiert es uns wirklich, wie die Menschen in Afrika ausgebeutet werden, solange sie nur das wertvolle Coltan für uns aus ihrer Erde kratzen? Nothing New on the Western Front.</Nachtrag2010>

Wertung: 8 von 9 D-Mark
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