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Kinoplakat: Pearl Harbor
Einfach ordentliches
Krach-Bumm-Kino
Titel Pearl Harbor
(Pearl Harbor)
Drehbuch Randall Wallace
Regie Michael Bay, USA 2001
Darsteller Ben Affleck, Kate Beckinsale, Josh Hartnett, William Lee Scott, Greg Zola, Ewan Bremner, Alec Baldwin, James King, Catherine Kellner, Jennifer Garner, Jon Voight, Cuba Gooding Jr., Michael Shannon, Matt Davis, Mako, John Fujioka, Cary-Hiroyuki Tagawa, Colm Feore, Dan Aykroyd, Tom Sizemore, Andrew Bryniarski, Greg Baine, Garret Sato, Tomas Arana, Andrew Baley u.a.
Genre Krieg, Drama
Filmlänge 183 Minuten
Deutschlandstart
7. Juni 2001
Inhalt

New Jersey 1941. Rafe McCawley und Danny Walker sind von Kindheitstagen an die besten Freunde. Wie Brüder zusammen aufgewachsen, war schon immer das Fliegen ihre große gemeinsame Leidenschaft. Inzwischen sind sie waghalsige junge Piloten im U.S. Army Air Corps, als eine eigenmächtige Entscheidung Rafes ihre Freundschaft auf die Probe stellt.

Rafe hat sich als Freiwilliger zum „Eagle Squadron” gemeldet, einer Gruppe amerikanischer, schwedischer und kanadischer Soldaten, die auf Seiten der Engländer im Zweiten Weltkrieg gegen die Deutschen kämpft. Rafe lässt nicht nur seinen besten Freund zurück, sondern auch seine große Liebe Evelyn, eine mutige junge Krankenschwester, die er im Militärkrankenhaus kennenlernte. Während Rafe in England sein Leben aufs Spiel setzt, werden Evelyn und Danny nach Pearl Harbor auf Hawaii versetzt.

Das paradiesische Leben hat ein jähes Ende, als im Pazifik die Nachricht eintrifft, Rafe sei im Krieg gefallen. Monatelang können Danny und Evelyn ihren Kummer über den Tod des geliebten Freundes kaum verwinden. Über den gegenseitigen Trost kommen sich die beiden näher und verlieben sich schließlich ineinander.

Doch Rafe ist nicht tot – er steht plötzlich vor Evelyn. Ehe sich Gelegenheit bietet, einen Ausweg aus der Situation zu finden, wird ihr privates Schicksal durch den Angriff Japans auf die in Pearl Harbor stationierten Streitkräfte der USA in den Hintergrund gedrängt.

Für die beiden Freunde geht es nicht mehr nur um die Liebe ihres Lebens, sondern um Leben und Tod …

Was zu sagen wäre

Eine verzweifelte Liebesgeschichte vor dramatischem, historischem Hintergrund … geschickt haben die Produzenten mit Hilfe gewogener Medien den Bezug zum Erfolgsfilm Titanic (James Cameron - USA 1997) geknüpft. Auch da war bekannt, dass das Schiff sinkt und trotzdem bewegte der Film Millionen. Das sollte hier wiederholt werden. Das ist misslungen.

Kinoplakat: Pearl HarborErst die Story, dann die Historie

Dem Drei-Stunden-Epos „Pearl Harbor” liegt ein gutes Drehbuch zugrunde, das Randall Wallace („Braveheart” - UK, USA 1995) geschrieben hat. Seine erste Fassung schrieb er, ohne sich mit irgendwelchen historischen Gegebenheiten des Dramas zu befassen.

Ich möchte zuerst wissen, warum ich eine Geschichte erzählen soll, bevor ich mich entscheide, wie ich sie erzähle”, sagt Wallace. „Und dieses Warum hängt mit den Figuren zusammen. Wenn man weiß, warum jemand in den Krieg zieht, wenn man weiß, wen sie lieben und wie sie lieben, dann kennt man sie. Dann kann man immer noch herausfinden, ob sie P-40s geflogen sind oder ob sie Lederhelme oder -brillen getragen haben. Aber wenn man sich darüber schon zu Beginn der Arbeit den Kopf zerbricht, dann ist man auf dem Holzweg.

Produzent Jerry Bruckheimer hat noch nie Wert gelegt auf detailierte Charakterzeichnungen. Die Bilder sind groß, die Figuren blass. Es stellt sich dem Zuschauer hier lediglich die Frage, wer von den beiden Boys wohl sterben wird, damit die Liebe wieder rein sein darf. Das ist etwas ärgerlich, aber bei einem 135-Millionen-Dollar-Budget dann vielleicht auch nicht zu vermeiden - es sei denn, man ist James Cameron.

Das Drama scheitert an Michael Bays Videoclip-Ästhetik

Regisseur Michael Bay zeigt mit „Pearl Harbor”, dass er nicht über den langen Atem verfügt, den so ein Epos verlangt. Nachdem er als Werbeclip-Filmer alle wichtigen Preise (Goldener und Silberner Löwe etc.) gewonnen hatte, hießen seine jüngsten Erfolge im Kino „Armageddon – Das jüngste Gericht” (USA 1998), The Rock (USA 1996) oder „Bad Boys – Harte Jungs” (USA 1995). Harte Action mit coolen Dialogzeilen und Pyrotechnik sind sein Gebiet; und er schafft dann sogar ein Titanic-Zitat, wenn Soldaten über senkrecht gestellte Planken sinkender Schiffe rutschen.
Die Zeichnung der Hauptcharaktere, der Aufbau romantischer Situationen gemischt mit Pathos, sind ihm misslungen: Alles witzig, alles cool und Bay kann von Glück sagen, dass wenigstens das Drehbuch eine einigermaßen stimmige Story hergibt und die Besetzung nicht völlig in den Sack haut.

Ben Affleck, auf dessen Schultern die rund 150 Millionen Dollar Produktionskosten ruhen, scheitert, was aber nicht nur an seinem mangelnden schauspielerischen Talent liegt, sondern auch an der Clip-Atmosphäre, in der Regisseur Bay sein Werk versenkt – immerhin: die feuchten Augen Afflecks in der Großaufnahme haben Poster-Potenzial fürs Kinderzimmer. Kate Beckinsale (Weil es Dich gibt – Peter Chelsom, USA 2001) – vor allem in einer absurden Szene im glänzend roten Kleid auf dem Flugfeld – ist ein Traum und Josh Hartnett der Newcomer der Saison.

Im Trainingscamp Latrinen schrubben

Die meisten der männlichen Darsteller mussten erst einmal ein Trainingscamp absolvieren. Ben Affleck: „Ich dachte, wir lernen salutieren und so was. Aber dann war es eher so, wie der Anfang von ‚Full Metal Jacket’. Und ich habe die erste Pinkelrinne meines Lebens geschrubbt.” Die monatelangen Dreharbeiten in Texas, im mexikanischen Titanic-Studio und an Originalschauplätzen auf Hawaii verliefen ohne größere Zwischenfälle. Ein Stuntpilot brach sich bei einer Bruchlandung allerdings ein Handgelenk. Jerry Bruckheimer, Produzent, bekannt für großes Krawumm-Kino ("Armageddon", The Rock, "Con Air" - 1997) entgegnet Kritikern, die seinem Film wahlweise Verharmlosung oder Verherrlichung der Pearl-Harbor-Historie vorwerfen: „Es ist kein Dokumentarfilm und wird nie auf dem History-Channel laufen.”

Wertung: 4 von 6 €uro
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