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Kinoplakat: Paycheck - Die Abrechnung
John Woos Weiße Taube
kommt jetzt aus dem Computer
Titel Paycheck - Die Abrechnung
(Paycheck)
Drehbuch Dean Georgaris
nach einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick
Regie John Woo, USA 2003
Darsteller Ben Affleck, Uma Thurman, Aaron Eckhart, Paul Giamatti, Colm Feore, Joe Morton, Michael C. Hall, Emily Holmes, Richard Cummings, John Cassini, Michael C. Hall, Peter Friedman, Kathryn Morris, Ivana Milicevic, Christopher Kennedy, Fulvio Cecere, John Cassini, Callum Keith Rennie, Michelle Harrison u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
22. Januar 2004
Inhalt

Die Zukunft: Michael Jennings ist Spitzeningenieur. Er wird gerufen, wenn das erfolgreiche Produkt der Konkurrenz – Computerprogramme, Software, Hardware – geklaut und verbessert als eigenes Produkt auf den Markt gebracht werden soll. Jennings erledigt seine Jobs zuverlässig, lässt sich fürstlich entlohnen – und gibt dafür seine Erinnerungen preis. Nach jedem Auftrag lässt er sich die Erinnerung daran löschen; zu seiner Sicherheit, zur Erleichterung des Kunden.

Sein jüngster Job nahm drei Jahre in Anspruch. Da war Michael kurzzeitig etwas besorgt: Drei jahre Erinnerung löschen? Sein Auftraggeber, ein alter Schulfreund, hatte seine Bedenken zerstreut: „Ach was, drei Jahre … ein Wimpernschlag und Du bist in einem ganz neuen Leben. Der Job garantiert Dir eine achtstellige Summe!" Also nahm Jennings an.

Drei Jahre später – er ist bei der Bank, will seinen 90-Millionen-Dollar-Scheck einlösen – händigen sie ihm dort nur einen Kuvert aus mit nutzlosem Zeug – Sonnenbrille, billiges Deo, Büroklammer, Feuerzeug, Dollarmünze, BMW-Schlüssel, Grabbeltisch-Uhr, eine Banderole mit einem Glückskeks-Spruch … so Zeug halt. Er selber, sagen sie ihm, habe auf das Geld verzichtet. Die Verzichtserklärung trägt Michaels Unterschrift. Drei Wochen sei das her, sagen sie in der Bank.

Während Jennings noch rätselt, hat ihn schon das FBI in der Mache. Er, Jennings, habe für die Rethrick Corp. einen Auftrag bearbeitet, den ursprünglich mal ein Staatsangestellter für die Regierung lösen wollte, wegen der hohen Kosten aber aufgeben musste, der dann sein Glück in der Privatwirtschaft versuchte und bald darauf aus seinem Schlafzimmerfenster fiel. Jetzt will das FBI Antworten von Jennings. Aber der hat keine. Erinnerung: Gelöscht! Aber: Jennings kann mit Hilfe eines Utensils aus seinem Kuvert aus dem doppelt und dreifach gesicherten FBI-Gebäude fliehen.

Der Inhalt des Kuverts erweist sich in der Folge als nützlich in den unterschiedlichsten Situationen seiner Flucht. Schnell fügen sich Puzzle-Details zusammen: Hat Jennings etwa an einer Maschine gearbeitet, die in die Zukunft blicken kann? Wie anders sind die nutzlos erscheinenden, aber bei seiner Flucht hilfreichen Utensilien zu erklären; wie anders ist die Zahlenkombination zu erklären, die sich als die Lottozahlen des heutigen Abends entpuppen?

Mittlerweile wird Jennings von allen gejagt: vom Justizministerium, vom FBI und von den Typen der Rethrick Corp., denen Jennings einen Virus in die Hardware der neuen Erfindung gesetzt hat, sodass dort immer nur „Error 41” erscheint, statt eines fulminanten Zaubers.

Zum Glück schließt sich ihm bald schon Rachel an, die Jennings zwar nicht kennt, die ihm aber glaubhaft versichern kann, dass sie seit zweieinhalb Jahren ein Liebespaar waren, bis gestern. Sie ist Biologin bei Rethrick und will ihm helfen und ihn zurück haben …

Was zu sagen wäre
Ein Film von John Woo. Immer stehen sich bei ihm zwei Männer gegenüber, die sich gegenseitig am gestreckten Arm eine Pistole ins Gesicht halten. Immer taucht eine weiße Taube auf. Immer gibt es Action in Zeitlupe. Immer ist die Action als Ballett insze …

Halt! Immer? Nein, nicht immer. Im vorliegenden Fall stehen sich zwar die Männer gegenüber, zweimal sogar. Die weiße Taube kommt erkennbar aus dem Computer und hat ihren Einsatz an einer komplett absurd erscheinenden Szenerie. Die Action zeitlupelt so vor sich, dass man irgendwann gähnt. Das Ballett findet nicht statt.

John Woo (Mission: impossible 2 - 2000; Im Körper des Feindes – Face/Off – 1997; Operation: Broken Arrow – 1996), den Fans als „Mozart der Zerstörung“ anhymneln, hat hier lupenreinen Durchschnitt abgeliefert. Konfektionsware. Auftragsarbeit?

Die Story stammt von Philip K. Dick, der für so unterschiedliche Werke wie Blade Runner (Ridley Scott - 1982) und Total Recall (Paul Verhoeven - 1990) die Kurzgeschichten-Vorlage geliefert hat. Hätte also richtig thrillig werden können. Aber das „Geheimnis“ ist nach einer halben Stunde schon keines mehr und also bleibt mir nur, mich zurück zu lehnen und dabei zuzugucken, wie Michael Jennings aus jeder Falle entkommt, weil er eine Blick-in-die-Zukunft-Maschine entwickelt hat, in der er sein Schicksal gesehen hat – Mordkomplott, keine Millionen, Flucht – und also diese unauffälligen Gegenstände aus dem Labor geschmuggelt hat. Es kann ihm bestimmt nichts passieren. Er hat's ja schon gesehen; und das dem Zuschauer auch schon verraten. Und wird er auch an der richtigen Stelle just an die Büroklammer denken? Und an der nächsten an den richtigen Einsatz des Deo-Sprays? Keine Frage!

Und dann noch Ben Affleck (Daredevil– 2003; Der Anschlag – 2002; Spurwechsel – 2002; Pearl Harbor – 2001) in der Hauptrolle, der in jeder Szene im Mittelpunkt steht. Das reißt selbst Uma Thurman (Kill Bill – 2003) Vatel – 2000) nicht aus seiner Eindimensionalität.

Woos berühmte Action-Choreografie? Es gibt eine hübsche Motorrad-Jagd, die aber in Mission: impossible 2 auch schon knackiger war – einzige neue Idee hier ist der art-un-gerechte Gebrauch des Schutzhelms; der Rest bleibt auf Knight-Rider-Niveau.

Der Film ist nett, flott, gefällig und nichts Besonderes …
Wertung: 4 von 6 €uro
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