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Plakatmotiv: Last Christmas (2019)

Ein Film mit Anlaufschwierigkeiten.
Eine Story, die erst spät erzählt.

Titel Last Christmas
(Last Christmas)
Drehbuch Emma Thompson + Greg Wise + Bryony Kimmings
inspiriert durch den Song "Last Christmas" von George Michael
Regie Paul Feig, UK, USA 2019
Darsteller

Emilia Clarke, Henry Golding, Emma Thompson, Michelle Yeoh, Rebecca Root, Lydia Leonard, Patti LuPone, Peter Mygind, Madison Ingoldsby, Boris Isakovic, Lucy Miller, Maxim Baldry, Margaret Clunie, John-Luke Roberts, Bilal Zafar, Michael Addo u.a.

Genre Komödie, Drama, Romantik
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
14. November 2019
Website lastchristmasmovie.com
Inhalt

Kate arbeitet als Elf in einem rund ums Jahr geöffneten Weihnachtsladen und trägt immer noch die Glöckchenschuhe, die zu ihrer Arbeitskleidung gehören. Aus ihrer Wohnung ist sie mal wieder rausgeflogen, all ihr Hab und Gut zieht sie in einem kleinen Reisekoffer hinter sich her.

Auch sonst läuft es in ihrem Leben gerade alles andere als Rund. Ein schlechtes Date folgt nach dem anderen und mit ihrem Job ist sie auch nicht glücklich. Doch ihr Leben soll sich auf einen Schlag ändern.

Plakatmotiv (US): Last Christmas (2019)Eines Tages erspäht sie den mysteriösen Tom vor dem kleinen Weihnachtsladen im Londoner West End. Obwohl die so oft enttäuschte Katarina, wie Kate eigentlich heißt, sich einen Schutzpanzer zugelegt hat, sieht er die liebenswerte Person dahinter.

Und während das Weihnachtsfest näher rückt und sich London unter all der Deko und dem ersten Schnee verwandelt, entwickelt sich eine Romanze, die eigentlich nicht sein dürfte …

Was zu sagen wäre

Worum kann es in einem Weihnachtsfilm schon anderes gehen als um Liebe, Familie und Zusammenhalt? Eine romantische Komödie in London, da werden schnell Erwartungen geweckt an Notting Hill oder Love actually. Aber dann will der Film gar keine Romanze sein, er verkauft sich als Drama. Und dann sitzt Paul Feig auf dem Regiestuhl, dem das Attribut zuteil geworden ist, der Mann zu sein, der es Frauen auf der Leinwand ermöglichte, Sachen in der Gewichtsklasse „Lecken. Ficken. Blasen. Schönen Gruß vom Osterhasen!“ zu sagen. Die Frauen in Paul Feig-Filmen sind selten himmelnde Romantikerinnen (Nur ein kleiner Gefallen – 2018; "Ghostbusters“ – 2016; Spy: Susan Cooper Undercover – 2015; Taffe Mädels – 2013; Brautalarm – 2011). In diesem Film darf sich Emma Thompson, die eine Kroatin spielt, die der Krieg in Jugoslawien samt Familie nach London verschlagen hat, darüber wundern, dass die Briten den männlichen Penis so nennen wie ihren Nachbarn: Dick. Mehr ist in dieser Hinsicht nicht.

Es kommt denn dann auch anders, als wir das von Notting Hill kennen. Der Mann, der in Kates Leben tritt, ist so überirdisch freundlich, bescheiden, höflich, zugewandt wie Kate chaotisch, ichbezogen, unfähig ist, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Der Film ist eine Herausforderung: Er erwartet vom Zuschauer Kredit. Denn live gesehen, ist die erste Stunde furchtbar zäh. Es gibt die wunderbare Emilia Clark, die nach ihrer epischen Daenerys Targaryen aus der "Game of Thrones"-Serie und verschiedenen Gehversuchen auf der Leinwand (Solo: A Star Wars Story – 2018; "Ein ganzes halbes Jahr" – 2016; Terminator Genisys – 2015) in Kate offenbar eine Rolle gefunden hat, di zu ihr passt. Sie ergänzt ihr entzückendes Strahlegesicht mit einer angegammelten Garderobe, ungepflegten Haaren und anstrengend selbstsüchtiger Manieren; eine eigene Wohnung hat sie nicht, ständig fliegt sie bei Freunden raus, weil sie wieder Wertvolles zerstört hat.

Plakatmotiv (US): Last Christmas (2019)Aber mehr als Emilia Clark – und ihr freundlicher Galan – passiert in der ersten Stunde nicht. Bis sich herausschält, dass die schwere Operation, von der kurz mal am Familientisch die Rede war, eine Herztransplantation war, an deren Folgen Kate nach wie vor laboriert. Sie habe das Gefühl, sagt sie in einem Moment emotionaler Wallung, sie habe ihr bestes Stück einfach weg geschmissen und ersetzt. Mit dieser nicht unwichtigen Information wird dann manches aus Kates Umfeld verständlicher. Diese wichtigen Charakter-Puzzlesteine hat das Drehbuch noch einige im letzten Drittel versteckt, die aus der ein oder anderen Storywendung eine logische Schlussfolgerung werden lässt.

So besteht die erste Hälfte des Films aus den Protagonisten und bissig bösen Betrachtungen des modernen London, in dem es nicht mehr einfach weihnachtlich zu Jingle Bells schneit, sondern jetzt auch weniger geistig begabte Londoner Touristen im Bus anschnauzen, wenn die nicht englisch miteinander sprechen. Es gibt zwei Polizistinnen, die immer mal wieder sich über Recht & Gesetz gegen Leben & Leben lassen streitend durchs Bild flanieren. Das ist lustig zu beobachten und macht in der sehr britisch gespielten Originalfassung auch mächtig Spaß zu hören. Aber es ergibt sich keine stringente Story.

Hinterher, wenn dann der Abspann läuft und wir dem Film den schweigend erbetenen Kredit gewährt haben, sind wir zufriedengestellt, haben ein angemessenes Weihnachtsmärchen gesehen, dass Emma Thompson entwickelt hat, die in der kleinen Rolle von Kates kroatischer Mutter einen großen Auftritt hat (Men in Black: International – 2019; Late Night – 2019; Johnny English – Man lebt nur dreimal – 2018; Die Schöne und das Biest – 2017; Picknick mit Bären – 2015; Saving Mr. Banks – 2013; Men in Black 3 – 2012; Harry Potter und der Gefangene von Askaban – 2004; Tatsächlich… Liebe – 2003; Mit aller Macht – 1998; Junior – 1994; Peter's Friends – 1992; Wiedersehen in Howards End – 1992; Schatten der Vergangenheit – 1991; "Heinrich V." – 1989).

Es wird dann doch ein schöner, bissiger, scharfzüngiger Weihnachtsfilm.

Wertung: 5 von 8 €uro
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