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Plakatmotiv: Killer's Bodyguard (2017)
Liebe in Zeiten
sirrender Kugeln
Titel Killer's Bodyguard
(The Hitman's Bodyguard)
Drehbuch Tom O'Connor
Regie Patrick Hughes, Bulgarien, USA 2017
Darsteller Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Salma Hayek, Élodie Yung, Gary Oldman, Richard E. Grant, Kirsty Mitchell, Joaquim de Almeida, Tsuwayuki Saotome, Roy Hill, Rod Hallett, Yuri Kolokolnikov, Nadia Konakchieva, Valentin Stojanov, Noortje Herlaar, Georgie Glen, Michael Gor, Barry Atsma, Ralitsa Vassileva u.a.
Genre Action, Komödie
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
31. August 2017
Website thehitmansbodyguard.movie
Inhalt

Der weltbeste Bodyguard wird engagiert, um ausgerechnet das Leben seines Erzfeindes zu schützen – eines weltweit berüchtigten Killers. Der unaufhaltsame Bodyguard und der manipulative Auftragsmörder versuchen seit Jahren sich gegenseitig auszuschalten, und müssen nun die nächsten 24 Stunden gemeinsam durchstehen.

Bei ihrer Reise von England nach Den Haag müssen sie Highspeed-Autorennen und Bootsverfolgungsjagden meistern und sich dem gnadenlosen osteuropäischen Diktator, der Blut sehen will, entgegenstellen.

Und des berüchtigten Killers berüchtigte Ehefrau will da auch noch ein Wörtchen mitreden …

Was zu sagen wäre

Manchmal muss es einfach albern sein. Wir bewegen uns mit diesem Film in einer Welt, in der wir es mit der Physik, der Ballistik und der Psychologie nicht so genau nehmen dürfen. Das Script nimmt für sich Action, Bewegung und Comic in Anspruch – keinen Vorlesungssaal in der philosophischen Fakultät. Solche Filme sind immer schön, weil wir uns zunächst einmal zurücklehnen, die Flasche an den Mund heben und Bilderrausch auf Speed genießen können. Irgendeine Message oder eine Einordnung des Filmthemas in sein gesellschaftliches Umfeld ist hier überflüssig.

Blöd dann, wenn einem das Bier schon nach 15 Minuten erstmals im Magen blubbert, weil Samuel L. Jackson, ein Profikiller, als unendlich wichtiger – und vor allem einzig noch lebender – Zeuge, der in Den Haag gegen einen weißrussischen Diktator aussagen soll, in einem zwar personell und zahlenmäßig beeindruckenden, dann aber nicht mal gepanzerten Konvoi durch die engen Straßen Manchesters gesteuert wird. Das ist ja wohl albern, nicht mal Comic-reif.

Andererseits: Wie anders sollte dieser Film in Gang kommen, wenn sich die beiden Titelhelden noch gar nicht begegnet sind? Das tun sie dann. Und es entwickelt sich ein schönes, abwechslungsreiches Ballermann-Ballett. In den Actionszenen dirigiert Regisseur Patrick Hughes (The Expendables 3 – 2014) eine sehr dynamische Kamera; die Montage mixt realen Dreh und CGI-Moves zu flüssigen Bewegungen. Schlampig arbeitet die Continuity, die es selbst in ruhigen Szenen es nicht hinbekommt, dass eine Figur, die ein Handy ans Ohr hebt, dieses nach dem Umschnitt noch am Ohr hat, es statt dessen nochmal ans Ohr hebt. Das klingt nach Ameisenscheiße, ist aber, wenn es so geballt vorkommt, wirklich lästig. An dieser Stelle sei aber auch der sehr schöne Soundtrack erwähnt, der harte Rock 'n Roll-, Rockabilly- und Bluesnummern bereit hält, um die unterschiedlichsten Actionspäße muskalisch zu untermalen.

Ryan Reynolds ist nach seinem Green Lantern-Desaster in sich gegangen und hat festgestellt: Das mit seinem schönen Gesicht und Heldenrollen, das geht nicht, im Kino brauchst Du Kratzer im Lack. Dann fand ihn Deadpool. Seither weiß Reynolds: Ein entstelltes schönes Gesicht darf alles, sogar als Good Guy blutig sein. Hier ist sein schönes Gesicht nicht mal entstellt, aber leidet darunter, nicht mehr der Top-Bodyguard zu sein, der er war, bis ihm der japanische Waffenhändler in letzter Minuten totgeschossen wurde. Der hieß dann auch noch Kurosawa, wie der große Akira, der einst mit einem Film über einen Leibwächter, „Yoshimbo“, Berühmtheit erlangte. Im Baumarkt kann Reynolds dann zeigen, wie variabel da die Möglichkeiten sind, ein russisches Killerkommando auszuschalten. Und dann gibt es eine sehr schöne physische Jagd mit Boot, Autos und Motorrad durch die Grachten von Amsterdam. Die hat echt was!

Samuel L. Jackson ist in solchen Filmen zu Hause. Es ist ja nicht so, dass der Mann eine große Bandbreite an Charakteren bedienen könnte und die meisten seiner Auftritte in den zurückliegenden Jahren sind zurecht vergessen (Kong: Skull Island – 2017; Legend of Tarzan – 2016; „Puls“ – 2016; The Hateful 8 – 2015; Kingsman: The Secret Service – 2014; Big Game – 2014; RoboCop – 2014; Django Unchained – 2012; The Avengers – 2012; Unthinkable – 2010; xXx – Triple X – 2002; Unbreakable – 2000; Shaft – Noch Fragen? – 2000; Deep Blue Sea – 1999; Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung – 1999; Verhandlungssache – 1998; Jackie Brown – 1997; Die Jury – 1996; Stirb langsam – Jetzt erst recht – 1995; Pulp Fiction – 1994; True Romance – 1993; Jurassic Park – 1993); aber für niedliche kleine Albernheiten wie diesen Film ist er geboren. „Wenn Dir das Leben Scheiße gibt, mach Kool Aid draus!“ Er spielt den unzerstörbaren Killer, der selbst mit einer Kugel im Schienbein noch einer Armee von Killern davon läuft – und im entscheidenden Moment sein Herz am rechten Fleck hat.

Salma Hayek hat nur eine kleine Rolle, aber die möchten wir nicht missen. Sie ist großartig. Ihre Furie, die den ganzen Den-Haag-Knast auf Trab hält, lädt zum Zurückspulen ein, weil die Szenen so exaltiert sind. Es macht Spaß, ihr beim sich-austoben zuzuschauen.

Gary Oldman, der nach seiner Zeit als Bad Guy (Lost in Space – 1998; Air Force One – 1997; Das fünfte Element – 1997; Léon – Der Profi – 1994; True Romance – 1993; JFK - Tatort Dallas – 1991) lange Zeit die Schnauze voll hatte von solchen Rollen, ist hier mit großer Lust der Weißrussen-Diktator, der so überhaupt gar keine weiche Stelle hat. Gnade? Nicht mit dem Typen!

Dieser „Hitman's Bodyguard“ ist ein zeitgenössischer Actionfilm mit aller Exaltiertheit, die so ein Film heute braucht – das ewige Role Model dafür ist Renny Harlins The long Kiss Goodnight (1996, auch schon mit Samuel L. Jackson), ein bis zum Platzen mit schönstem Unsinn aufgeblasenes Actionmärchen – nach wie vor unerreicht. Und wenn dann der Showdown in einer Erinnerung an Clint Eastwoods Der Mann, der niemals aufgibt gipfelt, weil der ungemein wichtige Zeuge mit einem durchlöcherten Fahrzeug im letzten Moment bis auf die Stufen des Gerichtsgebäudes gerollt wird, lehnen wir uns beruhigt zurück: Das Actioncomic-Kino lebt.

Wertung: 5 von 8 €uro
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