Kinoplakat: Outbreak - Lautlose Killer
Ebola-Drama als
Nägelbeiß-Thriller
Titel Outbreak - Lautlose Killer
(Outbreak)
Drehbuch Laurence Dworet + Robert Roy Pool
Regie Wolfgang Petersen, USA 1995
Darsteller Dustin Hoffman, Rene Russo, Morgan Freeman, Kevin Spacey, Cuba Gooding Jr., Donald Sutherland, Patrick Dempsey, Zakes Mokae, Malick Bowens, Susan Lee Hoffman, Benito Martinez, Bruce Jarchow u.a.
Genre Drama, Thriller
Filmlänge 127 Minuten
Deutschlandstart
30. März 1995
Inhalt

Es verbreitet sich über die Luft. Es tötet in wenigen Sekunden. Und es gibt kein Heilmittel. Niemand weiß, wie das tödliche Virus aus Afrika nach Kalifornien kam – und wie sein todbringender Vormarsch zu stoppen ist.

Als in der kalifornischen Kleinstadt Cedar Creek eine Epidemie ausbricht, ist das US-Militär schon in höchster Alarmbereitschaft. Seuchenexperte Sam Daniels widersetzt sich einem direkten Befehl von Billy Ford und richtet ein Labor in Cedar Creek ein. Unterstützt wird er dort von seiner Ex-Ehefrau Robby Keough, die für die amerikanische Gesundheitsbehörde (CDC) arbeitet.

Während sich das örtliche Krankenhaus schnell füllt und die ersten Betroffenen sterben, begeben sich Daniels und sein Team detektivisch auf die Suche nach dem ursprünglichen Überträger des Virus, dem Wirt. Als der endlich in Form eines Affen ausgemacht und eingefangen ist und der Herstellung des Gegenmittels eigentlich nichts mehr im Weg steht, kommt heraus, dass das Virus vom US-Militär unter Leitung von General McClintock als biologische Waffe entwickelt wurde.

General McClintock, Befehlshaber der Streitkräfte in diesem Sektor, versucht nun, seine Ebola-Waffe zu sichern, sterbe, wer da müsse …

Was zu sagen wäre

Ein echter Nägelbeißer. Schaut man genauer hin, kann man sich streiten über manches Loch in der Geschichte, Mängel in der Abfolge hier und da. Aber zum Denken kommt man kaum während des Films, der erfreulich bildlastig ist, ohne viel erzählte Erklärung auskommt.

Klare Bilder – Klare Sprache – Wenig Worte

In einem Prolog – irgendwo in Afrika in einem UN-Lazarett – werden wir mit der Seuche und deren optisch unappetitlichen Auswirkungen bekannt gemacht – und mit der glasharten Entscheidung der Militärs, wie mit den opfern zu verfahren ist: Eine Bombe verwandelt die Lazarett-Gegend im Umkreis mehrerer Kilometer zu Asche. Dann folgt mit den Titeln eine wunderschöne Plansequenz; eine Kamerafahrt immer tiefer hinein in ein Seuchenforschungszentrum, das uns mit ersten Sicherheitsmaßnahmen in Seuchenfällen und mit den handelnden Personen bekannt macht – ohne Schnitt. Wolfgang Petersen beweist seine Klasse, wenn er mit wenigen Sequenzen das in Scheidung lebende Haupdarstellerpaar – Dustin Hoffman / Rene Russo – , verseuchte Dörfer und Geräuberte Affen auf seinem Spielfeld verteilt. Natürlich fehlt in Sam Daniels Seuchenbekämpfungsteam nicht der Neue, der auf meinem Wissens-Level alles fragen und erklären darf. Ein Film nach allen Regeln des Drama-Seminars.

Teaserplakat: Outbreak - Lautlose Killer

Eine beklemmende Szene fällt Petersen ein, um zu zeigen, wie schnell sich das Virus verbreitet – nicht im Supermarkt, nicht in einer engen Flugzeugkabine, sondern in einem vollen Kinosaal – in einem wie dem, in dem ich gerade sitze. Das macht die Gefahr unangenehm real; intutiv beobachte ich die Leute um mich herum. Petersen geht über den einfachen Actionthriller hinaus, indem er seine Figuren – Dustin Hoffman, Morgan Freeman, Donald Sutherland – aus den verschiedenen Perspektiven heraus die Frage diskutiert, wer wieviel Wert ist: Der Einzelne weniger als die Menge? Was macht man in so einer Situation anderes, um den großen Rest des Landes zu schützen? Infizierte isolieren? Kleinstädte absperren? Aber wie lange? Wann fällt die Bombe? In einer dramatischen Szene tobt der Stabschef des Präsidenten durch den Krisenstab: ”Ich habe hier die Verfassung der Vereinigten Staaten in meinen Händen. Da steht eine ganze Menge, was der Präsident zum Wohl seines Landes tun soll. aber da steht nirgendwo, dass der Präsident oder irgendeiner von uns hier befugt ist, Menschen wegzusprengen!” Sehr eindringlich wird das Prtomblem des Großen Ganzen deutlich. 

Eindringliche Debatte über den Einen gegen alle Anderen

„Mitgefühl“, höhnt Donald Sutherland als kalter General, der den Bomben-Befehl gibt, „Mitgefühl, aber bitte weltweit“ („Be compassionate, but be compassionate globaly“). Er nennt die potenziellen Nebenopfer die „Casualties of War“ – Kriegsopfer … unvermeidlich. Dustin Hoffman geht auch hier ganz in seiner Rolle auf. Er wirkt, als habe er sein Lebtag nichts anderes gemacht, als Ebola bekämpft und ein aufrichtiger Recke sein (Hook – 1991; Dick Tracy – 1990; „Rain Man“ – 1988; Tootsie – 1982; Kramer gegen Kramer – 1979; Der Marathon-Mann – 1976; Die Unbestechlichen – 1976; Wer Gewalt sät – 1971; Little Big Man – 1970; Die Reifeprüfung – 1967).

Wolfgang Petersen war nach der Unendlichen Geschichte (Deutschland 1984) und Enemy Mine - Geliebter Feind (Deutschland, USA 1985) ganz nach Kalifornien umgezogen und hatte die Werkzeuge und Mitarbeiter des US-Kinos endlich direkt zu seiner Verfügung. Er quetscht aus dem Stoff mit dem Ebola-Virus heraus, was herauszupressen ist. Das geht vielleicht nicht als Wissenschaftsthriller durch, aber als Thriller der oberen Klasse allemal. Großartiges Genrekino mit wunderbarer Besetzung. Kevin Spacey (Nebenrollen-Oscar für Die üblichen Verdächtigen - USA 1995), der hier den zynischen, loyalen Kollegen Casey Schuler gibt, startete in diesem Jahr 1995 seine Weltkarriere (Sieben - USA 1995; L.A. Confidential - USA 1997; Verhandlungssache - USA 1998; Hauptrollen-Oscar für „American Beauty“ - USA 1999; Schiffsmeldungen - USA 2001).

Die Kleinstadt – Keimzelle der Unschuld

„Outbreak“ etablierte Wolfgang Petersen als Erfolgs-Regisseur in Hollywood – 190 Millionen Dollar spülte „Outbreak” weltweit in die Kinokassen. In Deutschland freilich hatte sich der deutsche Regisseur jetzt endgültig die Sympathien der Medien verspielt. Die Filmkritik hierzulande warf dem ehemaligen Lieblingsfilmregisseur des Feuilletons vor, sich ganz der Maschinierie Hollywood unterworfen zu haben. Die Kinogänger scherte das nicht, sie strömten in Scharen das Virus-Kino, freuten sich über handwerklich perfektes Kintopp – und das auch noch aus den Händen eines Deutschen. Petersen nutzt den Kosmos der amerikanischen Kleinstadt für seinen Thriller, die unschuldige Keimzelle für so manches hochklassige Drama, wie etwa Stephen King immer wieder bewisen hat. Der Raum ist überschaubar, die Kleinstädter per se unschuldig und somit haben sie eine große Fallhöhe.

Der Film basiert lose auf Richard Prestons Tatsachenthriller „Hot Zone” und beschreibt trotz der fiktiven Story ein realistisches Szenario. Die Krankheitssymptome des Motaba-Virus′ im Film ähneln denen der hochgefährlichen Erreger Marburg und Ebola.

Wertung: 11 von 11 D-Mark