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Kinoplakat: Mr. Holland’s Opus
Ein berührendes Epos
mit leichten Schwächen
Titel Mr. Holland’s Opus
(Mr. Holland’s Opus)
Drehbuch Patrick Sheane Duncan
Regie Stephen Herek, USA 1995
Darsteller Richard Dreyfuss, Glenne Headly, Jay Thomas, Olympia Dukakis, William H. Macy, Alicia Witt, Terrence Howard, Damon Whitaker, Jean Louisa Kelly, Alexandra Boyd, Nicholas John Renner, Joseph Anderson, Anthony Natale, Joanna Gleason, Beth Maitland u.a.
Genre Drama
Filmlänge 143 Minuten
Deutschlandstart
4. April 1996
Inhalt

Der Komponist Glenn Holland nimmt im Jahr 1964 einen Job als Musiklehrer in einer Schule an. Zuerst will er dort nur für eine begrenzte Zeit arbeiten, um Geld anzusparen um eine Sinfonie zu schreiben.

Doch bald schon entwickelt sich aus dem Übergangsjob eine Passion. Eine Leidenschaft, die anfangs in keinem Verhältnis zu dem Musikverständnis seiner Schüler steht. Schritt für Schritt bringt er ihnen die Schönheit der Musik nahe und erweist sich als pädagogisches Naturtalent. Der Lehrerjob wird zur Lebensaufgabe, der er sich mit Enthusiasmus widmet, während private und zeitgeschichtliche Ereignisse sein Leben beeinflussen.

Kinoplakat: Mr. Holland’s OpusDer härteste Schicksalsschlag für ihn ist, als sich herausstellt, dass sein Sohn Cole gehörlos geboren wurde, und er somit seine große Leidenschaft, die Musik, nicht mit ihm teilen kann. Er vernachlässigt ihn zunehmend zugunsten seiner Arbeit in der Schule, bis es schließlich zum Zerwürfnis kommt, als Cole im Teenageralter ist. Erst dann beginnt er, seinen Sohn zu akzeptieren, wie er ist.

Mitte der 1990er Jahre wird Hollands Stelle als Musiklehrer wegen Einsparungen gestrichen. Er kämpft entschieden dagegen, muss aber die Entlassung hinnehmen. Und dafür hat er damals seine Symphonie hintan gestellt ..?

Was zu sagen wäre

„Leben ist das, was passiert, während Du Pläne machst.“ Stephen Herek bringt einen veritablen Tränenzieher auf die Leinwand, ein Lobgesang auf die Musik, auf die Bildung und auf das Leben im allgemeinen.

Der Film spannt einen Bogen über 30 Jahre im Leben von Glenn Holland. In so einer Zeitspanne schrumpfen große Lebenskrisen zu kleinen Kapiteln im großen Buch des Lebens. Für den Film bedeutet das eine positive, optimistische Grundhaltung. Zwar gibt es Schüler, die kaum einen geraden Ton aus ihrer Klarinette bekommen. Aber nicht, weil sie zwischen Pubertät, Partys und Alkohol schwanken, sondern weil sie sich nicht trauen, aus sich heraus zu gehen. Für solche erweist sich der leidenschaftliche Mr. Holland als genau der richtige – Teenager zwischen Pubertät, Partys und Bier kommen an dieser High School gar nicht erst vor. Der zweite Direkor der Schule ist ein staubiger Aktenfresser, der mit Musik nichts am Hut hat; aber das bleibt ein blassgrüner Farbtupfer in diesem Film, dessen optimistische Grgundierung in manchen Szenen nahe am Kitsch entlang schrammt. Stets bleibt Glenn Holland in seiner Haltung fest, die er in einfache Lernsätze presst. Das führt zu einem zweistündigen Gänsehauterlebnis

Wenn Glenn Hollands Sohn gehörlos zur Welt kommt, wird das Drama für Glenn schon deutlicher; Türen knallender Existenzialismus aber zwischen Vater und Sohn bleiben außen vor. Stephen Herek („Die drei Musketiere“ – 1993; Mighty Ducks – Das Superteam – 1992; „Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit“ – 1989; „Critters“ – 1986) will unser Gefühle nicht überstrapazieren.

Aber diese Kritik ist gleichwohl kleinkrämerisch. Das zweieinhalbstündige Drama ist ergreifend, Richard Dreyfuss grandios, die Kamera schwebt durch diesen langen Lebensabschnitt und überzeugt mit eleganten Plansequenzen. Gleich in ihrem Opening gönnen uns Herek und sein Kameramann Oliver Wood ein kleines Meisterstück: Die Kamera beginnt mit den Klavier spielenden Händen Glenn Holland's, schwebt dann zurück in eine Totale, durch den Raum und schließlich in die Halbtotale, in der Holland seinen Flügel verlassen hat und ein imaginiertes Symphonieorchester dirigiert. Auf der Tonspur haben sich zu den einsamen Klaviertönen alle anderen Instrumente dazugespielt. Diese ruhige, schwingende, den komplexen Film zusammenfassende Einstellung setzt den Ton für die verfilmte Siegerstraße, die jetzt beginnt.

Richard Dreyfuss wirkt, als habe er lange auf diesen Film gewartet; ungefähr, seit er 1975 als Hai-Forscher Hooper die Blaupause für den souveränen Normalo aus der Nachbarschaft geliefert hat, der halt ein etwas bizarres Hobby pflegt. Dreyfuss ist keiner für die Actionrollen, er ist der personifizierte Triumph des menschlichen Geistes. Seine Kraft ist sein ausgeglichenes Wesen. Dreyfuss hat schon Tom-Hanks-Rollen gespielt, als die noch gar nicht erfunden waren. Dass er auch böse kann, hat er eben erst als Strippen ziehender Senator Bob Rumson in Rob Reiners An American President bewiesen.
Der Schauspieler („Story Stripper – Schmutzige Zeilen“ – 1995; „Stummer Schrei“ – 1994; „Trouble in Yonkers“ – 1993; „Was ist mit Bob?“ – 1991; „Ein charmantes Ekel“ – 1991; Always – 1989; „Nuts … Durchgedreht“ – 1987; „Die Nacht hat viele Augen“ – 1987; Stand by Me“ – 1986; Unheimliche Begegnung der dritten Art – 1977) gilt in der Branche als schwieriger Charakter, der es mit seinen Rollen sehr genau nimmt und mit Regieanweisungen, die nicht seinen Vorstellungen für die Rolle entsprechen, nicht gut umgehen kann. Dass seine Karriere, anders als die von Hanks, nicht durch die Decke geschossen ist, muss hierin begründet sein, an seinem immer präzisen Spiel und seiner großen Präsenz jedenfalls kann es nicht liegen.

Sein Mr. Holland akzeptiert nicht, dass ein Schüler nicht trommeln kann, also wird er so lange mit ihm üben, bis er den Groove findet. Dass der weiße Biedermann ausgerechnet einem schwarzen Schüler Rhythmus einbimst, ist ein bemerkenswerter Randaspekt.

Das Leben als langer ruhiger Fluss, der von der ein oder anderen Welle kurzzeitig in Unruhe versetzt wird, ein Film zwischen märchenhafter Realität und realistischem Anspruch – angelehnt an das Thema des Films lässt sich formulieren: Manche Töne in Mr. Holland's formidablen Opus klingen schräg.

Wertung: 10 von 11 D-Mark
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