Kinoplakat: Morning Glory
Anspruch gegen Quote - eine schnelle
Komödie mit wunderbaren Akteuren
Titel Morning Glory
(Morning Glory)
Drehbuch Aline Brosh McKenna
Regie Roger Michell, USA 2010
Darsteller Rachel McAdams, Harrison Ford, Diane Keaton, Patrick Wilson, Jeff Goldblum, Vanessa Aspillaga, Jack Davidson, Jeff Hiller, John Pankow, Linda Powell, Mike Hydeck, Noah Bean, Joseph J. Vargas u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 107 Minuten
Deutschlandstart
13. Januar 2011
Inhalt

Das ist die Chance. Becky Fuller, gerade wegen Sparmaßnahmen bei einem Lokalsender in New Jersey entlassen, soll als Produzentin die abgehalfterte Morning Show des Networks IBS betreuen. Sie macht zwar beim Vorstellungsgespräch eine eher unbeholfene Figur, aber weil der Job bei Daybreak „unterbesetzt, unterfinanziert” ist und einen Producer nach dem anderen in Flucht schlägt, bekommt sie die Stelle. Und feuert gleich mal den gockelhaften männlichen Ko-Moderator, dem sein Zahnpasta-Lächeln wichtiger ist, als die Inhalte, die er transportieren soll.

Als Ersatz gelingt es ihr, den renommierten Nachrichtenjournalisten Mike Pomeroy zu verpflichten – Betonung auf pflichten. Der will nämlich nicht, hält das Daybreak-Format für unter seiner Würde – er habe Dick Cheney interviewt, sei in Afghanistan gewesen und als erster Reporter am Ground Zero, hält er Becky vor, da werde er jetzt doch keine Kochrezepte und Darmspiegelungen moderieren. Das ist ein Teil des Problems Pomeroy. Das andere lautet Colleen Peck, Hauptmoderatorin der Show, ehemalige Schönheitskönigin – beide bleiben in inniger Abneigung einander fremd.

Kinoplakat (US): Morning GloryDer Quotendruck ist enorm. Becky bekommt von Programmchef Jerry Barnes ein Ultimatum. Wenn nicht bis zum Tag X die Quoten auf Punkt Y gestiegen sind, nimmt das Network Daybreak aus dem Programm. Becky gelingt die Wende zum Besseren. Wenn jetzt nur Pomeroy endlich aufhören würde, rumzuzicken …

Was zu sagen wäre

Nun haben auch die Nullerjahre ihren medienkritischen Film. Schon State of Play thematisierte 2009 das moderne Dilemma des Journalisten, allerdings in einem Zeitungshaus zwischen einem alternden Reporter und einer jungen Internet-Journalistin. Auch damals gab Rachel McAdams (Sherlock Holmes – USA 2009; Red Eye – Nachtflug in den Tod – USA 2005; „Wie ein einziger Tag” – USA 2004) den Part der jungen Nachrückerin, die mit frischen Ideen den Streit zwischen Kommerz und Selbstverständnis einer unabhängigen Redaktion entfacht. Das tut McAdams auch hier. Die ständig unter Hochdruck agierende, mit großen Kugelaugen zwischen den Big Playern Harrison Ford und Diane Keaton vermittelnde, dabei ihr Liebesleben ordnende und die Zuschauerquote fürchtende Producerin ist emotionales Zentrum des Film. Eine großartige One-Woman-Show.

Daneben spielt Harrison Ford („Firewall” – USA 2006; „K-19 - Showdown in der Tiefe” – USA 2002; Schatten der Wahrheit – USA 2000; Sechs Tage sieben Nächte – USA 1998; „Jäger des verlorenen Schatzes” – USA 1981; Star Wars – USA 1977) mit Lust und Laune, ganz offenbar angesteckt von McAdam's Spielfreude. Diane Keaton („Die Familie Stone – Verloben verboten!” – USA 2005; Der Stadtneurotiker – USA 1977; Der Pate – USA 1972) als zynische Ewig-Moderatorin, die irgendwann aufwacht, kann gut mithalten. Und: Schön, Jeff Goldblum in der Rolle des Programmchefs wiederzusehen.

Der energiegelandene Film diskutiert die alte Frage, was das Fernsehen bringen soll: Kochrezepte und Darmspiegelungen oder Steuerpolitik und Korruption im Ministerium. Und meistens kämpfen die Helden für den hehren Journalismus. Im vorliegenden Fall kämpft Harrison Ford in seiner Nebenrolle einen einsamen Kampf. Der Rachel McAdams-Charakter Becky ist da ganz auf der Höhe der Zeit. Als Pomeroy das Wort „Steueropolitik” in den Mund nimmt, stöhnt Becky „Oh Gott! Das will niemand mehr hören”. Dabei ist Becky eben keine zynische Quoten-Nutte. Im Gegenteil: Sie ist eine positiv denkende Mitzwanzigerin, aufgewachsen in liberalem Elternhaus und ausgestattet mit dem Willen zum Erfolg. Und Kochrezepte sind nun mal erfolgreicher als Steuerpolitik. Die Auseinandersetzungen um das hehre Programm wurden längst geschlagen.

Der größte aller Medienfilme bleibt Sidney Lumets desillusionierter, zynischer, Oscar-gekrönter Klassiker Network, der schon 1976 TV-Grausamkeiten diskutiert hat, die RTL & Co. in Deutschland in den 1990er Jahren nach und nach nach Deutschland importiert haben.

Wertung: 6 von 7 €uro