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Kinoplakat: Mord nach Plan
Sandra Bullock gelingt der Imagewandel
mit einem beklemmenden Thriller
Titel Mord nach Plan
(Murder by Numbers)
Drehbuch Tony Gayton
Regie Barbet Schroeder, USA 2002
Darsteller Sandra Bullock, Ben Chaplin, Ryan Gosling, Michael Pitt, Agnes Bruckner, Chris Penn, R.D. Call, Tom Verica, Anne Aubin, Krista K. Carpenter, Joe La Piana u.a.
Genre Drama, Crime
Filmlänge 120 Minuten
Deutschlandstart
27. Juni 2002
Inhalt

Der schüchterne, aber hochintelligente Justin Pendleton hält vor seiner Klasse ein Referat über „Freiheit”. Sein provokantes Fazit lautet: „Freiheit ist Verbrechen, denn wer wirklich frei sein will, handelt radikal egozentrisch, stellt sich selbst über das Wohl der Gemeinschaft.” In der Klasse hat sein Mitschüler Richard Haywood wie üblich betont gelangweilt zugehört. Der arrogante Richard wird „Richie Rich” genannt – er stammt aus wohlhabendem Hause, seine Eltern gehören zu den angesehenen Bürgern der kalifornischen Kleinstadt San Benito. Richard ist zwar faul, aber so intelligent, dass er trotzdem zu den besten Schülern gehört – ein Mädchenschwarm, der wie das genaue Gegenteil von Justin erscheint. Doch die beiden verbindet ein geheimer Pakt.

Detective Cassie Mayweather, von ihren Kollegen wenig liebevoll „die Hyäne” genannt, wird zu einem neuen Tatort gerufen. Zusammen mit ihrem neuen Kollegen Sam Kennedy untersucht sie akribisch das Flussufer, an dem eine Frau gefunden wurde. Sie wurde erwürft, der Ringfinger wurde abgeschnitten. Zunächst sieht es so aus, als sei die Frau Opfer einer sinnlosen Gewalttat geworden. Doch Cassie spürt instinktiv, dass mehr hinter dem Fall steckt, weil sie sich an ihre eigene, lange verdrängte Vergangenheit erinnert fühlt.

Obwohl sie keine Beweise hat und kaum Indizien findet, entwickelt sie eine bizarre Theorie: Die junge Frau musste nur deswegen sterben, weil der Mörder es darauf angelegt hat, den perfekten Mord zu begehen. Sam versteht Cassie nicht mehr – er will weiter systematisch den Hinweisen vom akribisch untersuchten Tatort nachgehen. Cassie lässt sich nicht beirren. Sie verfolgt ihre eigenen Spuren und findet bald zwei Verdächtige: Justin Pendleton und Richard Haywood. Aber die beiden haben ein wasserdichtes Alibi …

Was zu sagen wäre

Der „perfekte Mord” ist eines der Lieblingsthemen des Kinos. Und Barbet Schroeder wagt sich gleich an eine Art Remake eines Orson Welles-Klassikers heran: Zwei Heranwachsende morden in Selbstüberschätzung einen Menschen, nur um zu beweisen, dass sie damit durchkommen. Also erwartet uns kein simpler Tatort-Krimi, sondern ein Gesellschaftsbild. Nicht die Aufklärung des Falles steht für den Zuschauer im Vordergrund, sondern die Begleitumstände und, was der Film uns über uns sagen will.

Eine eingebaute Drehbuchschwäche

Ein Mord. Eine klare Indizienkette. Der/Die Hauptperson/Cop sieht mehr, als die Kollegen und stellt sich damit außerhalb ihrer Gemeinschaft. Dazu hat sie ein in akustischen Rückblenden eingeflochtenes privates Schicksal, das es zu ergründen gilt. Sehr bald also können wir uns auf die sofort auf der Hand liegenden Fragen konzentrieren: „Welches Geheimnis treibt Cassie um?”, „Wird der sympathischere der beiden Täter ungeschoren davon kommen?”

Regie und Schauspieler müssen sich Mühe geben, den Zuschauer über diese Drehbuchschwäche hinweg in einen spannenden Thriller zu heben. Das ist gelungen. Sandra Bullock („Miss Undercover” – USA 2000; „28 Tage” – USA 2000; „Die Jury” – USA 1996; „Das Netz” – USA 1995; Während du schliefst – USA 1995; „Speed” – USA 1994; „Demolition Man” – USA 1993) bietet, Überraschung, wenig „charming girl next door”, das wir aus ihren anderen Filmen kennen; das beschäftigt uns eine Zeit lang. Die Beziehung zu ihrem neuen, jungen Kollegen Sam – Ben Chaplin – ist das nächste, was unsere Aufmerksamkeit vom Fall ablenkt: sie verführt ihn nach allen Regeln des Macho–Kinos: „Das ist nicht nur Sex. Du bist es, der zählt!” Michael Pitt und Ryan Gosling geben ihr bestes als hyperintelligente Jungs, die meinen, einfach mal was Neues ausprobieren zu wollen.

Straffes, kurz angebundenes Storytelling

Und Barbet Schroeder, der sich gerne mit der abgründigen Seite unserer Gesellschaft auseinandersetzt („Desperate Measures” – USA 1998; „Kiss of Death” – USA 1995; „Weiblich, Ledig, Jung sucht …” – USA 1992) begegnet den zur Ausleierung verleitenden Fallen des Drehbuchs mit straffem, kurz angebundenem Storytelling.

Dass der erfahrene Kinogänger – „Habe ich alles schon mal gesehen!” – dennoch zwischendrin das Gähnen bekommt, sei der Tatsache geschuldet, das eine Killerstory eben immer eine Killerstory bleibt, ein Mord immer seiner Aufklärung harrt und der erfahrene Kinogänger eben alles gesehen hat, was die Leinwand bietet und dadurch etwas abgenutzt sein mag. Aber das angedeutete Gesellschaftsporträt bleibt am Ende blass, wirkt, wie ein Elemente-Sammelsurium aus Teenagerfilmen, die, wohlgemerkt, ihre Protagonisten ernst nehmen.

Aber eines ist leichtsinnig: Die beiden jungen Mörder haben eine ausgesprochen sehenswerte Zufluchtsstätte – ein verfallenes, ehemaliges Restaurant an der Klippe. Warum nun muss hier so deutlich zu sehen sein, dass die ganze Kulisse im Computer zusammengeschustert wurde. Das sieht in einer Szene ein wenig aus, wie Luke Skywalker und Leia Organa im dunkelblauen Mondlicht … es wird doch irgendwo eine realistischere Kulisse geben, als dieses CGI-Dingsbums.

Wertung: 5 von 6 €uro
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