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Kinoplakat: Moon 44
Handlungsarmes Kammerspiel
in imposanter Kulisse
Titel Moon 44
(Moon 44)
Drehbuch Dean Heyde + Roland Emmerich + P.J. Mitchell + Oliver Eberle
Regie Roland Emmerich, Deutschland 1990
Darsteller

Michael Paré, Lisa Eichhorn, Dean Devlin, Brian Thompson, Malcolm McDowell, Stephen Geoffreys, Leon Rippy, Jochen Nickel, Mehmet Yilmaz, John March, Drew Lucas, David Williamson, Calvin Burke, Andy Howarth, William Begatie u.a.

Genre Science Fiction, Action
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
15. Februar 1990
Inhalt

Im Jahr 2038 sind die Rohstoffquellen der Erde erschöpft. Allen voran betreibt die Galactic Mining Corporation (GMC) den Abbau der Rohstoffmonde; deren größter Konkurrent – Pyrite – schreckt aber nicht davor zurück, mit Gewalt an Rohstoffe zu Förderanlagen zu kommen. Nachdem die Monde 51, 47 und 46 erst kürzlich von Pyrite angegriffen und die gesamte Crew der Galactic Mining Corporation dabei getötet wurde, wird der nächste Angriff auf Mond 44 erwartet.

Aufgrund der extremen Wettersituationen der Rohstoffmonde und der damit einhergehenden Todesfälle werden neue Piloten gesucht, die die Rohstoffvorkommen auf Mond 44 verteidigen sollen. Aus Mangel an Freiwilligen werden verurteilte Sträflinge dazu verpflichtet: Dienst als Kampfpilot und Straferlass oder zurück ins Gefängnis.

In die Gruppe der Strafgefangenen wird Felix Stone eingeschleust, Agent der Inneren Sicherheit bei GMC. Er soll inkognito das Verschwinden von mehreren Förderrobotern auf Mond 44 untersuchen, zieht sich aufgrund seiner unerschütterlichen Coolness – und weil er gerne Bücher liest – gleich den Zorn Master Sergeant Sykes zu, der in fortan bei jeder Gelegenheit mit strafarbeiten kujiniert. Gut für Stone: Auf diese Weise hat er mehr Freiraum, um zu ermitteln.

Zur Verteidung des Mondes werden in den engen Felsschluchten Kampfhubschrauber eingesetzt. Ein Flugteam besteht aus einem Piloten im Cockpit und einem Navigator, der den Piloten von der Basis aus leitet. Hier lernt Stone seinen Kontaktmann, den Navigator Tyler kennen, der GMC über das Verschwinden der Förderroboter informiert hatte. Tyler vermutet, dass die Förderroboter gestohlen wurden, indem die Zielkoordinaten der Flugcomputer geändert wurden – die Roboter fliegen somit nicht zurück zur Erde, sondern zu einem anderen Ort.

Offenbar ist Master Sergeant Tyler in den Diebstahl verwickelt. Und möglicherweise auch der diensthabende Stationskommandant Major Lee …

Was zu sagen wäre

Endlich darf Roland Emmerich etwas mehr Geld ausgeben. Gleich der erste Eindruck zeigt: Effekte und Kulissen sind weit über das Niveau von Joey (1985) und Hollywood Monster (1987) hinausgewachsen. Das ist immer noch nicht Star-Wars-reif und Kulisse mit bärbeißigen Männern sehen aus, als seien sie von „Aliens – Die Rückkehr” (1986) ausgeliehen, aber das stört nicht – deutsche Filmproduktionen haben halt noch keinen professionellen Hollywood-Standard (den Emmerich erkennbar gerne nutzen würde). Es klingt vergiftet, ist aber ehrlich gemeint: Für einen deutschen Science-Fiction-Film sieht der Film gut aus.

Eine Handlung spielt sich nicht ab

Dass ich mir da so viele Gedanken drum mache, liegt indes daran, dass mir Emmerich dazu jede Menge Zeit lässt. Storytelling ist immer noch nicht sein Ding, ein Handlung, die über 90 Minuten trägt, hat der Film nicht. Eigentlich hört sie auf, wenn Agent Felix Stone auf Moon 44 eintrifft. Bis dahin wurde erzählt, worum es geht, wo wir sind und dass die Bergbaufirma, deren Vorstandssitzung wir am Anfang beiwohnen, hilf- und deshalb skrupellos ist, weil eine konkurrierende Firma dauernd ihre Förderplattformen auf den verschiedenen Planeten angreift. Zurückschlagen, verteidigen gar, geht nicht, weil – hübscher Drehbuch-Einfall – „die Mittel gekürzt wurden”, sprich: Das Geld für Waffen und soldaten fehlt. Deswegen greift man auch auf Strafgefangene zurück, inderen Mitte Felix Stone mit Tarnidentität gesetzt wird. Michael Paré („Proxima Centauri 3 – Revolte im All” – 1985; „Das Philadelphia Experiment” – 1984; „Straßen in Flammen” – 1984), in seiner Schauspielkunst begrenzt, muss Kette rauchen, um die Coolness seines Charakters richtig rüber zu bringen. Und er hat diese wirklich schöne Dialogzeile, wenn er dem ihn anbrüllenden Master Sergeanten Sykes ungerührt entgegenhält: „Sie müssen mich mit jemandem verwechseln, der Sie ernst nimmt!”.

Ab der Landung auf Moon 44 also entwickelt sich über eine gefühlte Stunde nichts anderes, als dauerndes Posen der Alphamännchen untereinander – anschauzen, knurren, Sprüche klopfen und Vergewaltigung-unter-der-Dusche-um-die-Grausamkeit-der-Kerle-zu-demonstrieren. Dabei gelingt Emmerich eine schöne Szene, als die vermeintlich Schwächeren den körperlich Überlegenen deutlich machen, dass sie ohne sie, die Schwächeren, die dafür mit Computern und Leitsystemen umgehen können, verloren wären - eine frühe Rache der Nerds, die noch nicht Nerds heißen. Bis zum Finale schleppt und knurrt sich der Film dann durch seine gelungenen Special-Effects und endet dann mit einem platten Null-Ergebnis.

Der Sohn klaut den Soundtrack aus Vaters Rambo-Bibliothek

Vorteilhaft: Karl Walter Lindenlaub ist nicht mehr für den Soundtrack eines Roland-Emmerich-Films verantwortlich. Dafür klingt der Score jetzt wie aus Jerry Goldssmiths Rambo-Score gesampelt; vielleicht kein Wunder: Für den Moon-44-Soundtrack zeichnet Joel Goldsmith verantwortlich, Jerry Goldsmiths Sohn. 

Übrig bleibt von diesem Film der etwas sperrige Marketing-Spruch „Dieser Film wird im Jahr 2038 verboten” und diese beiden tatsachen: Bei den Dreharbeiten zu „Moon 44” hat Roland Emmerich Dean Devlin kennengelernt. Devlin spielt hier„Tyler” und entwicklet sich in den kommenden Jahren zu Emmerichs Co-Autor und Produzent. Die durchweg schlechten Kritiken zu „Moon 44” veranlassen Roland Emmerich, den Schritt nach Hollywood schließlich doch zu wagen, weil seine Art Filme in Deutschland offenbar nicht gemacht werden können, geschweige denn, im „Land der Dichter und Denker” akzeptiert werden.

Wertung: 6 von 10 D-Mark
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