Plakatmotiv: Gerald‘s Game
Brave Verfilmung eines
furchtbaren Albtraums
Titel Das Spiel
(Gerald‘s Game)
Drehbuch Mike Flanagan + Jeff Howard
nach dem Roman „Das Spiel“ („Gerald‘s Game“) von Stephen King
Regie Mike Flanagan, USA 2017
Darsteller Carla Gugino, Bruce Greenwood, Carel Struycken, Henry Thomas, Chiara Aurelia, Kate Siegel, Natalie Roers, Tom Glynn, Stu Cookson, Gwendolyn Mulamba, Ben Pronsky, Jon Arthur, Nikia Reynolds, Kimberly Battista, Michael Amstutz u.a.
Genre Drama
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
29. September 2017 (Netflix-Premiere)
Inhalt

Jessie fährt gemeinsam mit ihrem Mann Gerald übers Wochenende in ein abgelegenes Haus am See. Dort wollen sie an ihrer Beziehung arbeiten und ihr Sexleben ein wenig aufpeppen.

Doch Jessie merkt schnell, dass sie mit Handschellen und Rollenspielen nur wenig anfangen kann und bittet ihren Mann, sie wieder vom Bett zu befreien, an das sie gefesselt ist. Bevor Gerald das tun kann, erleidet er jedoch einen Herzinfarkt und fällt tot vom Bett. Die Grundstücke der nächsten Nachbarn liegen meilenweit entfernt und sind noch dazu momentan unbewohnt, so dass alles Schreien nach Hilfe vergeblich ist.

Auch die Handschellen kann sie nicht abstreifen oder ihr auf dem Nachttisch liegendes Handy erreichen …

Was zu sagen wäre

1992 schrieb Stephen King Gerald‘s Game (dt. „Das Spiel“) und verließ damit für lange Zeit seine reinen Horrorfantasien. Nachdem er Autos, Clowns, Ladenbesitzer oder kleine blonden Mädchen in blutrünstige Entitäten verwandelt hatte, ist der Horror in dieser Geschichte so real wie für Jedermann/-frau nachvollziehbar.

Es gibt im Buch eine prägende Stelle, die im Kopf bleibt – nämlich als ein Hund zur Tür hereinschnüffelt und den toten Ehemann anknabbert. Natürlich gibt es den Hund auch hier und wie King im Buch schafft es Mike Flanagan, uns mit wenigen Schnitten klar zu machen, dass dieser beste Freund des Menschen eben doch ein Tier ist, das allein seinen Instinkten gehorcht – und die lauten fressen. Flanagan leitet den Hund anders ein als King, der ihm während der Fresserei und Wegduckerei Charakter geben kann: Im Film stellt Jessica dem Streuner zu Beginn ein Steak hin woraufhin Gerald anmerkt „Das ist ein Rib Eye Steak, 200 Dollar pro Stück. So etwas Gutes wird er nie wieder essen.“ Wird er dann doch …

Die ganze Situation wird’s dann mit Bedeutung aufgeblasen, als beide in die Unschärfe Richtung Schlafzimmer verschwinden, die Kamera derweil auf dem Hochzeitsfoto der beiden glücklich Lächelnden stehen bleibt, sie noch rasch das Preisetikett des neuen Seiden-Nachtkleids abzupft und sich dann wie Kleopatra in Erwartung der Schlange auf dem Bett drapiert, um dem Handschellenspiel des Gatten entgegenzusehen. Der Film tut in den ersten zehn Minuten so, als müssten die beiden nur mal ordentlich ficken, dann wird’s schon wieder mit dem Eheleben.

King hat diesen Roman in einer Zeit geschrieben, als ihm Frauenschicksale offenbar besonders wichtig waren, viele seiner Bücher in dieser Zeit waren erzählt aus der Perspektive der Frau. Dem Film ist das egal. Da wird lustig die männliche Perspektive eingenommen, gebremst nur durch befremdliche (weibliche) Blicke. Aber wenn Gerald dann tot ist, ist der Film ganz bei sich. „Und wenn niemand da ist kann Dich auch niemand hören“, sagt der tote Gerald, „außer vielleicht Cujo!“ – eine hübsche Reminiszenz auf Kings Roman von 1981, der ebenfalls keinen übernatürlichen Horror brauchte um zu gruseln.

Jessies Hilflosigkeit überträgt sich auf den Zuschauer und das ist mit Gänsehäutchen gut anzuschauen. Aber damit hat es sich dann auch. Der Film findet keine eigene Sprache, verfilmt brav, was King vorschreibt und das ist okay. Der Film wurde für NETFLIX gedreht, ein Streamingportal mit großem Hunger auf Bewegtbild. Erfolgsautor Stephen King erfreut sich dort gerade großer Beliebtheit.

„Du hast ihn nicht mehr gereizt. Und Hunde haben Hunger!“

Wertung: 4 von 8 €uro