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Plakatmotiv: Bodyguard (1992)
Der Cheesburger unter den
Thriller-Happen des Pop-Kinos
Titel Bodyguard
(The Bodyguard)
Drehbuch Lawrence Kasdan
Regie Mick Jackson, USA 1992
Darsteller Kevin Costner, Whitney Houston, Gary Kemp, Bill Cobbs, Ralph Waite, Tomas Arana, Michele Lamar Richards, Mike Starr, Christopher Birt, DeVaughn Nixon, Gerry Bamman, Joe Urla, Tony Pierce, Charles Keating, Robert Wuhl u.a.
Genre Drama, Musik, Romantik
Filmlänge 129 Minuten
Deutschlandstart
7. Januar 1993
Inhalt

Rachel Marron ist ein Pop-Star auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Karriere. Sie genießt die Verehrung ihrer Fans und ihr Leben im ständigen Scheinwerferlicht. Als ein unheimlicher Psychopath ihr Leben bedroht, wird Frank Farmwer verpflichtet, erfahrener Bodyguard, ein abgebrühter Profi, der sich nie von seinen Gefühlen in die Irre führen lässt.

Er stellt schnell fest, dass Sicherheitsfragen in der Umgebung von Rachel sehr nachlässig gehandhabt werden. Allmählich ändert er diesen Zustand, wobei er unter anderem gegen den Widerstand seiner Kundin kämpfen muss. Erst als Rachel erfährt, dass ein Fan in ihr Haus eingebrochen ist – dies hatten ihre Berater lange vor ihr verheimlicht – reagiert sie schockiert und erkennt den Sinn der verschärften Sicherheitsmaßnahmen.

Rachel und Frank kommen einander näher, verlieben sich und verbringen eine Nacht zusammen. Frank bereut dies bereits am nächsten Morgen: Er hält es für einen Fehler, sich auf eine Beziehung zu seiner Kundin einzulassen, da er als Bodyguard bezahlt wird und sich ausschließlich dieser Tätigkeit widmen will. Rachel ist schwer gekränkt und versucht sich im Folgenden in Form von spitzen Bemerkungen und einem demonstrativen Flirt mit Franks Ex-Kollegen Portman zu revanchieren.

Einige Zeit darauf wird die Bedrohung durch den Unbekannten so ernst, dass Rachels Konzerte abgesagt werden …

Was zu sagen wäre

Alles richtig gemacht und damit eine lahme Story aufgepeppt. Der für die Drohungen und Anschläge Verantwortliche verrät sich mit dem ersten Blick, den er dem neuen Bodyguard in der Entourage des großen Popstars zuwirft. Na und? Der Rest der Geschichte ist ja auch nicht wirklich überraschend. Lawrence Kasdan (Grand Canyon – Im Herzen der Stadt – 1991; „Der große Frust“ – 1983; Die Rückkehr der Jedi-Ritter – 1983; Jäger des verlorenen Schatzes – 1981; Das Imperium schlägt zurück – 1980) hat ein Drehbuch geschrieben, das man Filmstudenten im zweiten Semester zur Dekonstruktion vorlegen könnte. Bisher lag da gut das Script zu George Lucas' erstem Krieg der Sterne von 1977, der perfekt die Heldenreise in eine Drei-Akte-Struktur presste, jetzt könnte man mit Kasdans Script zu „Bodyguard“ den Unterrichtsstoff mal der aktuellen Zeit anpassen.

Lauter Klischees und alles falsch – eigentlich

An diesem Film ist eigentlich alles falsch. Die schlecht gesicherte Villa der Sängerin, die erst der Profi sichert, ist ein hanebüchenes Konstrukt. Dass sich der Topstar gleich in seinen Bodyguard verliebt, weil der ihr nicht wie alle anderen wie ein Hündchen folgt, ist Klischee. Der windig-wuselige PR-Manager des Stars ist Klischee. Die Einsamkeit des Wolfes ist ein Bodyguard-Klischee – was daran liegen mag, dass Lawrence Kasdan großer Fan der Filme des Japaners Akira Kurosawa ist und sein Script nach Kurosawas „Jojimbo – Der Leibwächter“ betitelt, und die Rolle des Bodyguards auf Steve McQueen zugeschnitten hat (der allerdings 1980 gestorben ist), der einst in dem Western Die glorreichen Sieben (1960) – eine Neuverfilmung von Kurosawas „Die sieben Samurai“ – gespielt hat. Costner soll seine Frisur sogar der McQueens aus dem alten Western angepasst haben (JFK – Tatort Dallas – 1991; „Robin Hood – König der Diebe“ – 1991; Der mit dem Wolf tanzt – 1990; Feld der Träume – 1989; No Way Out – 1987; Die Unbestechlichen – 1987; „Silverado“ – 1985; „Fandango“ – 1985).

Und dann, noch so ein Klischee, durchbricht dieser einsame Wolf seine eigenen Regeln und macht nach der ersten Nacht mit der Trennung emotional alles nur noch schlimmer. Kann passieren, aber dass ein oberflächlicher Mensch, als der Rachel eingeführt wird, sofort in tiefe Liebe verfällt, ist dannn gleich das nächste Klischee der Drehbuch schreibenden Hollywood-Männer. Alles Bausteine für einen durchkomponierten 3-Akt-Thriller von der Stange.

Am Ende gibt's einen melancholischen Song

Wir erleben also Frank Farmer, den Bodyguard, der seinen Klienten vor Entführern freischießt, der Farmer daraufhin fest an sich binden will, was der aber ablehnt, weil er die Freihet brauche. Der dann das Angebot, die top erfolgreiche Sängerin Rachel Marron zu beschützen, zunächst ablehnt – „Ich arbeite nicht mit Promis!“ – dies dann doch tut, in der Folge gegen seinen hehren Grundsatz verstößt, sich nicht mit seinen Klienten einzulassen, was zu allerlei Tiefpunkten und Schicksalsschlägen führt, durch die er sie und sich aber lebend bugsiert, was schließlich mit einem besonderen Lied für ihn honoriert wird. So ein Drehbuch lässt sich perfekt auseinandernehmen um zu lernen, wie man eine Story fürs popluräre Kino aufbauen muss. Da stellt man dann auch fest, dass nicht Frank Farmer am Ende ein anderer ist – er kehrt in sein karg möbliertes Bodyguard-Leben zurück und macht freiwillig weiter wie vorher. Aber Rachel, der abgehobene Star, ist zum Menschen gereift. Da hat der Bodyguard ein Leben nicht nur gerettet, sondern es überhaupt erst ermöglichst.

Warum der Film trotzdem funktioniert? Warum er bei einem Produktionsbudget von etwa 25 Millionen US-Dollar weltweit sagenhafte 411 Millionen US-Dollar einspielte? Weil Mick Jackson Kasdans durchkomponiertes Script perfekt auf die Sehgewohnheiten seines Zielpublikums zugeschnitten inszeniert. Dieses Zielpublikum mag im Alltag vernünftig, rational, straight sein, manchmal, beim Einkaufen, im langen Stau gibt es sich Tagträumen hin. Fantasiegeschichten, dass man mit dem Star da oben auf der Leinwand durch irgendeinen Zufall ein Date haben könnte, mit diesem Menschen, der sagt, er habe es in seinem Leben „nicht so weit gebracht, weil ich ewig nur vernünftig gewesen bin“. Und mit dem würde man dann ein interessantes, tiefgründiges Gespräch führen – und vielleicht auch mehr tun. Der Star verkörpert die Sehnsucht nach dem Ausbruch aus dem eigenen Alltag. Und Frank Farmer ist die Projektionsfläche für diesen Normalo, der außer seiner Bodyguard-Professionalität keine weiteren privaten Eigenschaften zu hat. Er ist appetitlich, während er läuft. Aber bald nach dem Nachspann ist er vergessen unbd man hat wieder Hunger – wie bnei einem Cheesburger aus dem Fast Food Restaurant.

Klasse Popsongs

Und dann sind noch die Songs, die uns in den Kinosessel kleben und die halt wirklich gut sind, und „I will always love You“ einfach grandioses Kitschpotenzial hat. Und die Familienzusammenführung ist Kino pur! Emotion. Familie. Vertrauen. Superkitsch. Großes Hollywood! Da gehen sogar Frauen-Sätze wie „Ich will, dass Du mich beschützt“ und „Ich werde alles tun, was Du sagst“, die dann gar nicht so sexistisch konotiert sind, wie sie so niedergeschrieben klingen mögen.

Kasdan und Jackson lassen uns – ach was: nicht durchs Schlüsselloch gucken – direkt dabei sein, mitten unter den Reichen und Schönen des Showbiz; zumindest bilden wir uns das im Kinosessel ein, dass das Leben bei denen da oben zu zugeht, weil die Chemie zwischen Costner und Houston – den beiden Superstars zweier Branchen – funktioniert. Es gibt eine melancholische Szene in einer Westernbar, für den Bodyguard ein heimeliger Ort, für die Diva fremd, aber auch bald heimmelig, wiel niemand hier sie erkennt. Die beiden tanzen zu einem Dolly Partons Country-Song „I will allways love You“, über den sich Topstar Rachel mokiert, dass die Westernleute immer so traurige „Abschiedsongs“ schreiben würden. Dann klirrt ein Glas, Bodyguard Farmer zuckt sofort nervös und sie beruhigt ihn mit „Keine Angst, ich beschütze Dich.“ Da erlösen sich Beschützte und Beschützer schließlich gegenseitig.

Wertung: 5 von 10 D-Mark
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